Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Grevesmühlen Balanceakt zwischen Fürsorge und Loslassen
Mecklenburg Grevesmühlen Balanceakt zwischen Fürsorge und Loslassen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:39 11.02.2019
Die Malzfabrik in Grevesmühlen - Sitz der Verwaltung des Landkreises Nordwestmecklenburg, neben Wismar. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Für den Wunsch, ein Kind zur Pflege bei sich aufzunehmen, gibt es die verschiedensten Gründe. Vielleicht ist der eigene Nachwuchs schon flügge, vielleicht hat man so viel Liebe und Struktur zu geben, dass es noch für andere Kinder, außer den eigenen, reicht. Vielleicht vermittelt es ein gutes Gefühl, einem Kind Liebe und Fürsorge zu gewähren, dessen leibliche Eltern, aus welchen Gründen auch immer, selbst Unterstützung im Leben brauchen und daher ihren Kindern vorübergehend oder auch länger nicht die angemessene geben können. Oder man selbst kann keine eigenen Kinder bekommen. Auch wenn aufgrund der Reproduktionsmedizin in den vergangenen Jahren die Zahl der Adoptionsanträge bundesweit immer weiter sinkt, zeigen Statistiken, dass die Zahl der Anträge immer noch die Zahl der Kinder, die adoptiert werden können, übersteigt. Da ist die Aufnahme eines Pflegekindes möglicherweise eine Alternative.

Jugendamt trägt hoheitliche Verantwortung

„Im Landkreis Nordwestmecklenburg betreuen zurzeit 101 Pflegefamilien insgesamt 112 Pflegekinder“, informiert Beate Dellin, Leiterin vom Fachdienst Jugend des Landkreises Nordwestmecklenburg. Weitere Pflegeeltern sucht der Landkreis immer. „Jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen, kann sich an den sozialpädagogischen Dienst im Landkreis wenden und sich beraten lassen.“

Beate Dellin ist die Fachdienstleiterin Jugend beim Landkreis Nordwestmecklenburg. Quelle: Michaela Krohn

Nicht nur die Motivation der Bewerber wird überprüft, auch die Lebenssituation an sich, erklärt die Fachdienstleiterin weiter, und: „Alle Bewerber durchlaufen ein halbjährliches Training, in dem sie als zukünftige Pflegeeltern mit allen Aspekten ihre Pflegeelternschaft vertraut gemacht werden.“

Besonders wichtig ist Karla Krüger, 2. Stellvertreterin der Landrätin und Leiterin des Fachbereichs Jugend, Soziales, Bildung und Gesundheit, „dass zukünftige Pflegeeltern sich vollkommen darüber klar sein müssen, dass das Jugendamt immer die hoheitliche Verantwortung für die Kinder trägt“. Dass das angestrebte Ziel immer die Rückführung in die Herkunftsfamilie sein muss – „was mal gelingt, mal nicht“, so Krüger. Sie erklärt weiter, „dass Pflegeelternschaft also kürzer oder länger andauern kann, und Pflegeeltern den Kraftakt meistern müssen, einerseits eine liebevolle Verbindung zu dem Pflegekind einzugehen, andererseits es zu gegebener Zeit auch wieder loszulassen“.

Erfahrungen zeigen, so Krüger, dass es oft für Pflegeeltern, die aus dem familiären Kontext eines Pflegekindes stammen, schwerer ist, loszulassen. „Das Jugendamt als Hoheit zu akzeptieren, ist für Verwandte nicht einfach. Doch wir sind nun einmal in der Pflicht, Kinder, die unter unsere Aufsicht gestellt wurden, zu fördern und über sie zu wachen. Das Jugendamt ist es auch, das den Kopf hinhalten muss, wenn etwas in falsche Bahnen läuft.“ Wer mit dieser Situation schwer zurechtkommt, so die 2. Stellvertreterin der Landrätin von Nordwestmecklenburg, sollte vielleicht doch eher über eine Adoption als über eine Pflegeelternschaft nachdenken.

Ansprechpartner

Wer sich für eine Pflegelternschaft interessiert, kann sich an den Sozialpädagogischen Dienst des Landkreises Nordwestmecklenburg wenden. Sachgebietsleiter ist Torsten Tribukeit. Zu finden ist der sozialpädagogische Dienst in Grevesmühlen, in der Malzfabrik, Börzower Weg 3.

Postalische Anschrift: Sozialpädagogischer Dienst, Rostocker Straße 76, 23970 Wismar, Telefon: 03 84 1 / 30 40 51 46,

E-Mail: T.Tribukeit@nordwestmecklenburg.de

Pflegeelternverein will Rechte von Pflegeeltern stärken

Die Kritik am Jugendamt, die vonseiten des Pflegelternvereins Nordwestmecklenburg kommt, nimmt man beim Jugendamt Nordwestmecklenburg ernst. Der Verein, der 2016 in Gressow gegründet wurde und derzeit 36 Mitglieder zählt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Position der Pflegeeltern gegenüber den leiblichen Eltern und dem Jugendamt zu stärken. „Wir sind zu konstruktiven Gesprächen bereit“, erklären Krüger und Dellin, „die Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes beraten die Pflegeeltern und geben Hilfe zur Erziehung. Dennoch ist es so, dass leibliche Eltern und das Jugendamt immer ein Mitspracherecht haben werden.“

Bei Fragen zum Beispiel, die sich auf die Entwick­lung und das weitere Leben des Kindes beziehen, entscheiden die leiblichen Eltern immer mit, bei Bedarf zusammen mit dem Jugend­amt. Etwa, wenn es darum geht, welcher Kinder­garten oder Schule die richtigen sind oder ob ein Kind früher oder später einge­schult wird. Gleiches gilt, wenn es um Gesundheit, Aufenthalt oder Vermögen des Kindes geht.

Annett Meinke

Rund 60 000 Besucher zählt das Open Air Theater in Grevesmühlen pro Saison, dass es noch mehr werden, dafür haben die Darsteller jetzt in Hamburg geworben.

11.02.2019

Die Gemeinde Kalkhorst will Funklöcher schließen. Der Antrag eines Mobilfunkanbieters, einen Funkmast aufzustellen hilft dabei aber nicht. Eine Firma soll nun sinnvolle Standorte für Antennen finden.

11.02.2019

Zwei große Faschingspartys gibt es am kommenden Wochenende in Grevesmühlen mit dem KCV im Saal des Vereinshauses.

11.02.2019