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Güstrow A-20-Krater: Firma macht Kasse mit kaputter Küstenautobahn
Mecklenburg Güstrow A-20-Krater: Firma macht Kasse mit kaputter Küstenautobahn
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00:39 25.02.2018
Die Schäden auf der A20 weiten sich aus: Nachdem sich das große Loch auf der Autobahn in Richtung Westen in den letzten Wochen deutlich vergrößerte, ist nun auch die Gegenrichtung betroffen. Quelle: Stefan Tretropp
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Rostock-Laage

Ein Flugunternehmen aus Laage bei Rostock hat die kaputte Küstenautobahn A 20 jetzt zu einem Ausflugsziel verklärt. So bietet die Ostseeflug Air Services GmbH über die eigene Internetseite seit Mitte Februar den Rundflug „A-20-Loch Tribsees“ an, ab 139 Euro pro Person. Damit will das Unternehmen offenbar Sensationstouristen abgreifen, die sonst nach Tribsees pilgern, Selfies mit dem A-20-Krater schießen und in sozialen Netzwerken posten. „Mit großer Sorge nehmen wir den rasanten Zuwachs an Gaffern und Schaulustigen am sogenannten A-20-Loch wahr“, verkündet das Unternehmen auf der eigenen Facebookseite. Und weiter: „Wir nehmen unseren Auftrag an der Gesellschaft sehr ernst und bieten deshalb ab sofort Rundflüge zum A-20-Loch bei Tribsees an.“

Firma wirbt um Gunst der A-20-Gaffer

Der Flug startet und endet auf dem Airport Rostock. Die Flugdauer beträgt 35 bis 40 Minuten – bei Luftlinie rund 30 Kilometer Entfernung bis nach Tribsees bleibt den Fluggästen so genug Zeit, um den Krater ausgiebig aus der Vogelperspektive zu fotografieren. „Ich glaube es war gegen Mittag, als das in der SVZ oder OZ über die A 20 drin stand“, sagt Mike Ahlfeldt von der Ostseeflug Air Services GmbH. „Da mussten wir was draus machen.“ In wenigen Minuten hätte die Marketing-Abteilung aus der Idee einen Rundflug kreiert, so Ahlfeldt in einem Interview auf ndr.de. Das Perfide: Die Firma wirbt regelrecht um die Gunst der A-20-Gaffer und schreibt auf der eigegen Website: „Fliegen Sie mit uns nach Tribsees, um das rasant wachsende Loch in der Küstenautobahn A 20 aus der Vogelperspektive zu beobachten. Vermeiden Sie so hohe Strafen, die für das Erstellen von Selfies an der Gefahrenstelle fällig werden.“

Abbruchstelle ist gesperrt, das Betreten verboten

Direkt an der A 20 machen die Sensationstouristen den Straßenbaubehörden das Leben zunehmend schwer. „Wir hatten bislang dank rechtzeitiger Sperrung der Autobahn Glück, dass niemand verletzt wurde“, sagt Ronald Normann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Die Behörde überlegte bereits, Anzeige gegen Gaffer zu erstatten. Die Rechtslage sei eindeutig. Die Abbruchstelle sei gesperrt, das Betreten verboten. Das Laufen auf diesem Stück Autobahn sei grob fahrlässig und äußerst gefährlich. Dagegen ist das Fliegen über die Abbruchstelle zulässig – dafür müssen die Touristen nur das nötige Kleingeld an Borden bringen.

So entstand der A-20-Krater

Der Grund für das Desaster ist ersten Untersuchungen zufolge ein großes geschlossenes Torfvorkommen unter der Autobahn, eine sogenannte Torflinse. Was genau im Boden geschah, ist unklar. Spekuliert wird über die Verwendung zu schwacher Stützen, nicht überprüfter Techniken oder schlicht Fehlkalkulationen. Die Vermutung von Anwohnern, dass die Anhebung des Wasserstandes am Fluss Trebel vor rund 20 Jahren Schuld am Einsturz sein könnte, wies jüngst das Umweltministerium zurück. Der jetzige Wasserstand sei fast identisch mit dem Wasserstand, der den A20-Planungen zugrunde gelegen habe.

Seit Oktober ist die A 20 an der Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern komplett gesperrt. Eine provisorische Umleitung über Landstraßen stellt die umliegenden Ortschaften auf eine harte Belastungsprobe. In der Tourismussaison fuhren bislang rund 25 000 Fahrzeuge pro Tag über das inzwischen gesperrte Stück Autobahn, im Winter rund 15 000 bis 18 000. Diese fahren jetzt durch die Dörfer.

Kay Steinke

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