Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Güstrow Diesen Bahnstrecken in MV droht jetzt das endgültige Aus
Mecklenburg Güstrow Diesen Bahnstrecken in MV droht jetzt das endgültige Aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:20 04.04.2019
Zwei Bahnstrecken in Mecklenburg-Vorpommern droht das endgültige Aus. (Symbolfoto) Quelle: Martin Gerten/dpa
Parchim

Zwei Bahnstrecken in Mecklenburg-Vorpommern droht das endgültige Aus. Der Infrastruktur-Betreiber Regio Infra GmbH & Co.KG (RIG) im brandenburgischen Putlitz kündigte am Donnerstag an, die Trassen Parchim-Malchow und Plau am See-Güstrow über ein Stilllegungsverfahren in den nächsten Monaten aufgeben zu wollen.

Als Gründe nannte das Unternehmen die Abbestellung des Schienenpersonen-Nahverkehrs durch das Land im Jahr 2013 und die fehlende Grundfinanzierung zum Streckenerhalt. Damit fehlten die nötigen Einnahmen. „Als leidenschaftlicher regionaler Infrastrukturbetreiber bedauern wir diesen Schritt“, hieß es.

Landkreis und Bürgerinitiative wollen Aus verhindern

Der Landkreis Ludwigslust-Parchim und die Bürgerinitiative „Pro Schiene Hagenow-Neustrelitz“ bemühen sich schon seit 2013 um die Wiederaufnahme des regulären Verkehrs auf der „Südbahn“-Strecke Parchim-Malchow. In diesem Sommer soll wieder – nun vielleicht zum letzten Mal – ein Saisonverkehr zu touristischen Höhepunkten in der Region angeboten werden. Der Landkreis unterstützt dieses Angebot erneut mit 50 000 Euro, wie Landkreissprecher Andreas Bonin sagte. Clemens Russell von der Bürgerinitiative versicherte, der Saisonverkehr 2019 werde „garantiert“ stattfinden.

Aus Russells Sicht ist die von RIG angekündigte Stilllegung noch zu verhindern. „Landkreis und Land müssten sich zu einer Lösung durchringen, die Wartungskosten übernehmen oder den Schienenpersonennahverkehr von Parchim am besten bis Malchow wieder bestellen“, sagte er. In Zeiten der forcierten Klimawandel-Debatte sei es ein Anachronismus, Bahntrassen aufzugeben. Für eine ausreichende Zahl Passagiere müssten stimmige Angebote bezüglich Fahrplan und Preis gemacht werden. „Das ist ein Weckruf: Kommt in die Gänge“, sagte er. An den Strecken sind erhebliche Investitionen nötig.

Grüne: Bahnpolitik von Pegel ist „skandalös“

Die Grünen nannten die Bahnpolitik von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) mit Blick auf die beiden Strecken skandalös. „Das ist ein ganz klares Abhängen des südlichen Mecklenburgs, was die Landesregierung voll und ganz zu verantworten hat“, sagte die Grünen-Politikerin Monika Göpper. „Wir begrüßen, dass das Land 84 Millionen in den Rasenden Roland steckt, sehen aber ganz klar ein Ungleichgewicht zwischen Binnenregionen und Küste.“

Brandenburg baue den ÖPNV auf seiner Landesseite aus, doch in Meyenburg sei Schluss. „Dabei könnte dort wieder gut angedockt werden, um die Anbindung von Berlin, Brandenburg und Süd-Mecklenburg über Karow und Güstrow an die Küste wiederherzustellen“, sagte Göpper. Die Grünen-Landesvorsitzende Claudia Schulz erklärte, es gebe kein anderes Bundesland, in dem ähnlich strukturierte Regionen derart schlecht mit Bahn und Bus zu erreichen seien.

Auch die verkehrspolitische Sprecherin der Linken im Landtag, Mignon Schwenke, ging mit der SPD/CDU-Landesregierung hart ins Gericht. „Die fehlende Landesunterstützung für die Reaktivierung des Bahnbetriebs ist verantwortlich dafür, dass mit dem angekündigten Stilllegungsverfahren auch die Chancen für eine durchgängige Südbahn weiter schwinden“, sagte sie. Dies sei ein Armutszeugnis. Zugleich horte die Regierung eine viertel Milliarde Euro in einem Sondervermögen. „Ich erwarte umgehend ein Einlenken der Landesregierung“, sagte Schwenke. Die Signale müssten auf Grün für die Bahn gestellt werden. „Das heißt Reaktivierung von Strecken und Ausweitung des Schienenverkehrs statt Stilllegung und endgültiger Entwidmung.“

Mehr zum Thema:

Auf dem Abstellgleis: Es fahren kaum noch Züge nach MV

Kommentar: Die Bahn muss endlich besser werden

Bahn investiert 155 Millionen Euro in MV

Iris Leithold/dpa