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Güstrow Brinckmansdorf erinnert sich an seine Wurzeln
Mecklenburg Güstrow Brinckmansdorf erinnert sich an seine Wurzeln
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00:00 27.03.2014
Besuch bei Kasper Ohm, einer Figur von Dichter John Brinckmnn (1814 bis 1870): Joachim Lehmann aus Brinckmansdorf bereitet mit anderen das 100-jährige Jublimäum des Stadtteils vor. Quelle: Thomas Sternberg

Wohl in keinem anderen Rostocker Stadtteil sind innerhalb von 20 Jahren jahrhundertalte dörfliche Traditionen, Siedlungsstrukturen des 20. Jahrhunderts und moderne Wohngebiete so schnell miteinander verschmolzen wie in Brinckmansdorf mit der Brinckmanshöhe, Kassebohm, Alt Bartelsdorf, Riekdahl, dem Weißen Kreuz sowie dem Osthafen. Zählte Brinckmansdorf 1992 lediglich rund 3000 Einwohner, sind es heute etwa 8200.

In diesem Jahr beginnt eine Kette von Jubiläen: Der 200. Geburtstag des Namensgebers John Brinckman wird am 3. Juli diesen Jahres begangen, die Siedlung Brinckmansdorf feiert 2021 den 100. Jahrestag der Ersterwähnung, und (historisch gesehen) nur kurz nach dem Rostocker Stadtjubiläum 2018 kann auch Kassebohm 2033 auf eine 800-jährige Geschichte zurückblicken.

Viele Ereignisse und Daten können nur mühsam aus dem Nebel der Geschichte ans Licht befördert werden. Um die Geschichte von Brinckmansdorf aufzuarbeiten, das 100-jährige Jubiläum entsprechend vorzubereiten, hat sich eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet, die eng mit dem Ortsbeirat zusammenarbeitet. Zur ihr gehört auch der Historiker Joachim Lehmann, der seit 1995 in Brinckmansdorf wohnt. „Ich habe mich ins Stadtarchiv gesetzt und dort den Beleg gefunden, dass alles mit den fünf Häusern der Kriegerheimstätte 1919 begann. Am 1. April 1921 hat der Ort offiziell den Namen Brinckmansdorf bekommen und mit diesem Tag wurden auch die heutigen Straßennamen mit Bezug zu Brinckman festgelegt“, berichtet Lehmann. „Der Hintergrund ist allerdings völlig offen, wir wissen nicht, warum der Bezug zu John Brinckman hergestellt wurde“, so Lehmann. Doch mit der Nähe des niederdeutschen Dichters und seiner literarischen Helden können alle gut leben.

Der Stadtteil war nicht nur ein beliebter und teilweise durchaus exklusiver Wohnort, er war für die Rostocker neben dem Barnstorfer Wald vor allem ein beliebtes Naherholungsgebiet. Die Straßenbahn fuhr über die Schleuse in diesen Stadtteil. Der Stadtwald bietet traumhafte Rodelmöglichkeiten und so überrascht es nicht, erzählt Berthold Brinkmann von der IG, dass es immer wieder Versuche gegeben hat, den Wald für den Wintersport auszubauen. „Es gab sogar den Plan, eine große Rodelbahn vom Schweizer Haus bis hinunter zum Weißen Kreuz zu bauen. Der Geschäftsmann Hermann Balgé von Sport-Balgé

hatte diese Idee“, sagt Brinkmann.

Neben Wohnen und Erholung gab es auch Industrie. „Die Zuckerfabrik in der Neubrandenburger Straße war das Zuckerzentrum, während der Rübenkampagne standen die Fuhrwerke bis nach Broderstorf“, weiß

der Rostocker. Der Chemiker Scheel, der an der Straße seine chemischen Werke hatte, saß im Aufsichtsrat der Fabrik. Sie wurde bei den Bombenangriffen 1942 zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Was der IG vor allem fehlt, sind Dokumente und Fotos aus der DDR—Zeit. „Zwischen Kriegsende und Wendezeit gibt es erstaunlich wenige Fotos“, sagt Bethold Brinkmann. Und die Interessengemeinschaft und der Ortsbeirat wollen unbedingt das Umfeld des historischen John-Brinckman-Brunnens am Weißen Kreuz in Ordnung bringen. „Zum 200. Geburtstag von Brinckman werden wir ihn sicher noch nicht vernünftig präsentieren können“, sagt der Ortsbeiratsvorsitzende Karl Scheube (SPD). Er geht davon aus, dass die Fläche mitgemacht wird, wenn das B-Plan-Gebiet Weißes Kreuz erschlossen wird. Ob das aber zum 100-jährigen Jubiläum 2021 schon so weit sein wird, da ist sich Scheube durchaus nicht so sicher.

Heimatforscher suchen Mitstreiter
Das nächste Treffen der IG findet am 6. Mai um 17 Uhr in der Grundschule „John Brinckman“, Vagel-Grip-Weg 10a, statt. Interessenten sind willkommen. Wer den Kontakt zur IG sucht, Fragen oder Anregungen hat oder die Sammlung an Dokumenten, Fotos und Erinnerungen zu Brinckmansdorf bereichern möchte, kann sich an Berthold Brinkmann, ☎ 0381 / 6 00 22 86, und Joachim Lehmann, ☎ 0381 / 6 86 46 73, wenden.



Thomas Sternberg

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