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Güstrow Brunnen in Güstrow gesprengt: Täter muss nicht ins Gefängnis
Mecklenburg Güstrow Brunnen in Güstrow gesprengt: Täter muss nicht ins Gefängnis
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16:12 27.02.2019
Der Angeklagte (l.) im Prozess um die teilweise Zerstörung des Güstrower Borwinbrunnens mit seinem Verteidiger Quelle: Stefan Tretropp
Güstrow

Für die teilweise Zerstörung des historischen Borwinbrunnens in der Güstrower Altstadt verurteilte das Amtsgericht der Barlachstadt am Mittwoch einen 31-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe. Thomas P. hatte in der Silvesternacht 2017/2018 einen Polenböller auf die obere Wasserschale gelegt und angezündet. Handyvideos im Internet zeigen zwei Explosionen. Die zweite, deutlich heftigere, riss die Hälfte der mehrere Meter großen Schale weg. Das Urteil: ein Jahr und zehn Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, wegen des „Herbeiführens einer nicht nuklearen Sprengstoffexplosion“ und Drogenhandel.

Täter muss ein Jahr lang zum Drogentest

Der Güstrower muss zusätzlich 150 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. 5000 Euro, die bei ihm sichergestellt wurden – ein Geschenk seines Vaters für den Führerschein – muss der Hartz-IV-Empfänger als Geldstrafe zahlen. Weitere 2500 Euro aus seinem Besitz, die aus Drogengeschäften stammen, werden eingezogen. P. bekommt einen Bewährungshelfer und ist ein Jahr lang verpflichtet, sich regelmäßigen Drogentests zu unterziehen.

Ein 31-Jähriger hat in der Silvesternacht 2017/2018 den historischen Borwinbrunnen in der Güstrower Altstadt mit einem Polenböller schwer beschädigt. Die Kosten für die Reparatur werden auf 100 000 Euro geschätzt.

20 Zentimeter dicke Kugelbombe

„Ich habe nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert, ich war selbst schockiert“, sagte der arbeitslose Bau- und Metallmaler. Den Böller – eine 20 Zentimeter dicke Kugelbombe, die normalerweise Profi-Feuerwerker verwenden – hatte er im Sommer auf einem Polenmarkt gekauft. In der Silvesternacht ging er um ein Uhr morgens mit einem Rucksack voller Böller zum Brunnen. Alles andere als nüchtern – ein bis zwei Gramm Kokain, einen Joint und eine Flasche Wodka hatte er bereits intus.

Polizei fand Schlagring und Pfefferspray

Der dünne, lange Mann trinkt nach eigenen Angaben täglich Schnaps, mit den Drogen fing er als 18-Jähriger an. Gekifft habe er jeden Tag, Härteres gab es am Wochenende, wenn er sich mit seinen Kumpeln traf. Zurzeit sei er clean. Wegen Gesundheitsproblemen – Asthma und ein „Lungenriss“ – kann er nicht mehr in seinen Beruf arbeiten. Den Drogenkonsum finanzierte er mit Drogenhandel im kleinen Stil. In seiner Wohnung stellt die Polizei eine „nicht unerhebliche Menge“ Marihuana, Speed, Ecstasy und Kokain sicher, sowie einen Schlagring, ein verbotenes Messer und Pfefferspray. Der Güstrower lebt von 365 Euro im Monat – weniger als der Regelsatz, weil er noch alte Schulden begleichen muss.

Der Richter nahm dem nicht Vorbestraften seine Reue ab und dass er den Brunnen nicht zerstören wollte. Ebenfalls strafmildernd seien die Anfeindungen, denen P. im Internet ausgesetzt war – teilweise mit seinem kompletten Namen und seinem Foto. Der Wiederaufbau des Brunnes kostet voraussichtlich rund 110 000 Euro, im Frühjahr soll die Sanierung des 130 Jahre alten Denkmals beginnen, kündigte Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) kürzlich an. Der Angelklagte und die Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist damit rechtskräftig.

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Gerald Kleine Wördemann