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Güstrow Dänen feuern Schlachthof-Chef in Teterow
Mecklenburg Güstrow Dänen feuern Schlachthof-Chef in Teterow
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02:13 29.04.2018
Schweinehälften im Schlachthof Teterow (Landkreis Rostock). Quelle: Elke Ehlers
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Teterow

In der Branche spricht man von einem drastischen Rauswurf: Der Fleischkonzern Danish Crown hat den langjährigen Chef des Schlachthofes Teterow (Landkreis Rostock) vor die Tür gesetzt. Dem bisherigen Geschäftsführer, René Drews, sei fristgerecht gekündig worden, sagte der Pressesprecher des Konzerns, Jens Hansen, auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG. Auch die zweite, ebenfalls seit vielen Jahren für den Schlachthof tätige Geschäftsführerin, Julitta Knorr, musste gehen.

Zu den Gründen, warum Danish Crown knapp ein Jahr nachdem der international agierende Fleischverarbeiter die Mecklenburger Traditionsfirma übernahm, zwei Führungskräfte feuert, wollte sich das Unternehmen nicht äußern. „Das sind Personalien, die wir in der Öffentlichkeit nicht kommentieren“, hieß es. Generell ändere sich aber nichts am strategischen Ziel, das die Gruppe verfolge, betonte Hansen. „Wir haben in  Teterow große Pläne.“ Derzeit führt ein Interims-Team das Werk. Im Sommer soll die neue Führungsriege vorgestellt werden.

Im Frühjahr 2017 hatte die Danish Crown Gruppe Mecklenburg-Vorpommerns einzigen Großschlachthof der süddeutschen Emil Färber AG abgekauft. Seitdem wurden im Schlachtbereich sowie in der Zerlegung rund 2,5 Millionen Euro investiert. Mehr als 60 neue Mitarbeiter wurden eingestellt, die meisten aus Rumänien.

Harry Drews war Urgestein und Schlitzohr

Mit dem Rauswurf von René Drews endet in Teterow die „Ära Drews“. Der 45-Jährige, seit mehr als 20 Jahren im Unternehmen, hatte 2007 die Geschäftsführung von seinem Vater, Harry Drews, übernommen. Drews-Senior, der einst als Flüchtlingskind nach Mecklenburg kam, galt als Urgestein des Betriebes. „Harry  kannte die Branche wie kaum ein Zweiter“, sagt der langjährige Greifenfleisch-Chef, Walter Kienast. „Er hatte Erfahrung und war schon zu DDR-Zeiten offen für Neues.“

Vieles sagt man Drews nach: Bodenständigkeit, einen guten Draht zu den Landwirten, Geschäftssinn, aber auch eine gehörige Portion Schlitzohrigkeit. Bei der Privatisierung des DDR-Betriebes als Geschäftsführer eingesetzt, führte der „Ossi“ das Unternehmen durch die Turbulenzen der Nachwendezeit mit BSE-Krise, Insolvenz, mehreren Eigentümerwechseln. Schließlich erwarb er selbst Gesellschafteranteile.

„Auch als Rentner hielt es ihn nicht zu Hause“, sagt René Drews. „Wir mussten ihn wieder einstellen.“ Sein Vater habe gearbeitet, „bis es gesundheitlich nicht mehr möglich war“. Im Februar starb Harry Drews , 76 Jahre alt. Pikant: Nur wenige Tage nach der Beisetzung erhielt sein Sohn die Kündigung.  

René Drews ist jetzt Nebenerwerbs-Landwirt

Drews junior will sich zur eigenen „Personalie“ nicht äußern. Nur so viel: Langeweile habe er nicht. Schließlich sei er auch Nebenerwerbs-Landwirt. Die Familie besitzt einen Mutterkuhbetrieb bei Teterow. 

Dass Drews-Junior den Schlachthof verlassen muss, sorgt in der Branche für Skepsis. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, sagt Sabine Krüger von der Rinderallianz Woldegk (Seenplatte). „Wir hoffen, dass die Geschäfte auch künftig professionell abgewickelt und die Bauern fair behandelt werden.“ Fast 20000 Rinder habe die Allianz allein in den letzten sechs Monaten in Teterow schlachten lassen.

Bernd Homp vom Meckl-Zuchtvieh-Kontor GmbH Peckatel (Ludwigslust-Parchim) meint: „Renés Erfahrung fehlt da schon.“ Doch der Viehhändler will auch künftig Tiere nach Teterow liefern, „damit die Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern bleibt“.

Torsten Hein von der Biopark Markt GmbH Malchin (Seenplatte) sieht das ähnlich. „Wir haben gern mit René und Harry Drews zusammengearbeitet. Aber auch die neue Führung macht einen guten Job.“

Größter Schweineschlachter Europas

24 Schlachthöfe und Zerlegebetriebe gehören zum Fleischkonzern Danish Crown. Die weltweit tätige Gruppe mit Hauptsitz in Randers (Dänemark) hat Firmen in vielen europäischen Ländern, vor allem in Schweden, Deutschland, Großbritannien und Polen. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 25000 Mitarbeiter.

Zu den deutschen Standorten in MV gehört neben Teterow ein Zerlegewerk für Schweinefleisch in Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Außerdem gibt es Werke in Essen/Oldenburg (Niedersachsen) und Husum (Schleswieg-Holstein). Der Fleischriese verlegte Arbeitsplätze auch deshalb nach Deutschland, weil hier die Kosten für die Schlachtung niedriger sind als in Dänemark. Danish Crown gilt als größter Schweineschlachter Europas und bedeutender Akteur auf dem Rindfleischmarkt.

Drei Großschlachthöfe: Nur Teterow produziert noch

Die Teterower Fleisch GmbH ist Mecklenburg-Vorpommerns einziger Großschlachthof. Nach 1990 waren mit Förder-Millionen drei Großschlachthöfe gebaut worden, in Teterow, Anklam und Neustrelitz. Wegen sinkender Tierbestände waren sie jedoch nicht ausgelastet. Neustrelitz wurde nie in Betrieb genommen. Anklam produzierte bis 2015, zuletzt wurden nur Schweine geschlachtet. Die Rinderschlachtung war 2006 eingestellt worden. Außerdem gibt es in MV zwei Geflügelschlachthöfe im Landkreis Ludwigslust-Parchim. 

Ehlers Elke

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