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Ebola — WHO fragt Hilfe aus Rostock an

Rostock Ebola — WHO fragt Hilfe aus Rostock an

Tropenmediziner pflegen Beziehung zu Kliniken in Kamerun. Nun werden sie an der Elfenbeinküste gebraucht.

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Prof. Dr. Emil Reisinger, Dekan der medizinischen Fakultät und Leiter der Tropenmedizin, wurde von der Weltgesundheitsorganisation um Hilfe gebeten.

Quelle: Ove Arscholl

Rostock. Das tödliche Ebola-Virus breitet sich aus in Westafrika. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich bislang 2615 Menschen damit infiziert, mehr als 1420 Tote wurden schon gezählt. Nach Liberia, Guinea, Sierra Leone und Nigeria ist Ebola nun auch im Kongo ausgebrochen. „Und es wird leider noch weitergehen“, sagt der Rostocker Tropenmediziner Professor Emil Reisinger. Ihn erreichte gerade eine Anfrage der WHO, ob die Universitätsmedizin Rostock mit dem einzigen universitären Tropeninstitut mit Bettenstation bundesweit nicht Spezialisten an die Elfenbeinküste entsenden könne.

Dort ist die Krankheit noch nicht aufgetreten, doch der Staat hat gerade aus Angst vor Ebola seine Grenzen zu Liberia und Guinea geschlossen. „Wir haben das Ansinnen noch nicht entschieden“, sagt Reisinger, der vor drei Wochen selbst in Kamerun, einem Nachbarstaat von Nigeria, weilte. „Wir haben dort zwei Krankenhäuser, zu denen wir eine gute Partnerschaft pflegen“, berichtet der Dekan der Medizinischen Fakultät.

Aufgrund der Afrika-Erfahrungen und der hohen fachlichen Kompetenz der Universitätsmedizin, die ebenfalls als einzige in Deutschland die Infektiologie als Schwerpunkt in der Weiterbildung für Ärzte anbietet, sind die Rostocker für die WHO im Kampf gegen Ebola derzeit besonders interessant. „Sollte die Erkrankung in Kamerun auftreten, werden wir unsere Partner dort nicht im Stich lassen“, kündigt Reisinger an.

In Europa werde es Ebola-Erkrankungen „höchstens in Einzelfällen“ geben, ist der Experte überzeugt. „Der Erreger überträgt sich nicht durch Tröpfchen-, sondern nur durch Schmierinfektion“, erklärt Reisinger, und da müsse man einem Erkrankten schon sehr nahe gekommen sein. Dennoch würde natürlich jeder Verdacht sehr ernst genommen.

Auch in Rostock habe es, so Reisinger, in der vergangenen Woche den Fall eines Patienten gegeben, der mit hohem Fieber aus einem der betroffenen Ebola-Länder angereist sei. Jeder Verdachtsfall komme sofort nach Hamburg und bei Nichtbestätigung der Ebola-Infektion dann zur weiteren Aufklärung wieder zurück nach Rostock. „Der Patient hatte am Ende Malaria“, gibt Reisinger Entwarnung.

Als erstes Bundesland hatte Mecklenburg-Vorpommern 2004 einen Maßnahmekatalog im Falle von Erkrankungen mit hochinfektiösen Erregern vorgelegt. Und auch jetzt hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lagus) zusammen mit der Unimedizin Handlungsempfehlungen erarbeitet, was beim Auftreten eines Verdachts auf eine Ebola-Infektion zu tun ist. „Das Risiko eines Ebola-Falls hierzulande ist zwar sehr gering“, erklärt auch Lagus-Chef Heiko Will, „aber sollte es doch dazu kommen, sind die medizinischen Einrichtungen und der öffentliche Gesundheitsdienst gut vorbereitet.“

Tropenmediziner Reisinger rät derzeit dringend davon ab, in die westafrikanischen Länder zu reisen. Jährlich kämen 50 bis 100 Personen in das Rostocker Institut, um sich eine Tropentauglichkeit bescheinigen zu lassen. „Dies sind oftmals Monteure oder andere Beschäftigte, die im Ausland arbeiten“, erklärt Reisinger. „Der Reiseverkehr sollte jetzt aber auf ein Minimum beschränkt werden.“

Der Rostocker Arzt spricht sich dafür aus, Impfstoffe und Therapiemittel, auch wenn sie noch nicht am Menschen getestet wurden, den todkranken Ebola-Patienten zu verabreichen und klinische Studien zu führen. „Hinfahren und beim Sterben die Hand zu halten, macht wenig Sinn“, sagt Reisinger.

 



Doris Kesselring

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