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Güstrow Feuer zerstört Traditionslokal „Troika“
Mecklenburg Güstrow Feuer zerstört Traditionslokal „Troika“
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02:35 22.08.2014

Die frühere Traditionsgaststätte „Troika“ wurde in der Nacht zu Donnerstag ein Opfer der Flammen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus und ermittelt in diese Richtung. Augenzeugen hatten drei Jugendliche gesehen, die kurz nach Ausbruch des Feuers, gegen Mitternacht, flüchteten.

Als die ersten Feuerwehren an der Alten Warnemünder Chaussee eintrafen, schlugen die Flammen bereits meterhoch aus dem Dachstuhl des Haupthauses, der später dann einstürzte. Bis in die frühen Morgenstunden waren Berufs- und freiwillige Feuerwehren im Löscheinsatz. Dann nahmen Brandursachenermittler der Kriminalpolizei die Arbeit auf.

Schon Mitte Juli hatten drei Kinder im Alter von neun, zwölf und 13 Jahren auf dem „Troika“-Gelände in Groß Klein gezündelt und in einem der alten Bungalows Unrat in Brand gesteckt. Die Polizei hatte die drei schnell aufgegriffen.

Das einst so beliebte russische Spezialitätenlokal „Troika“, mit 14 Übernachtungshütten, steht seit Jahren leer. Eigentümer sind Geschäftsleute aus Riga (Litauen), die das Objekt mit 5000 Quadratmetern Fläche vor längerer Zeit für 130 000 Euro aus der Insolvenzmasse gekauft haben sollen. Die Besitzer leben in Bayern, wo sie eine Heilklinik für Tschernobyl-Opfer betreiben sollen.

Nachbarn beklagen, dass das Objekt seit der Schließung verwildert, Vandalen dort hausen. „Es ist eine große Gefahrenquelle für die Anwohner, insbesondere für unsere Kunden, die bei uns täglich einkaufen“, sagt Patrick Muranko, Expansionsleiter bei Getränkeland.

Das Bauamt hatte schon in der zweiten Julihälfte die Eigentümerin aufgefordert, das Grundstück abzusichern, teilt Stadtsprecherin Kerstin Kanaa mit. Doch nichts ist passiert. Nach dem Brand erwartet Muranko nun von der Stadt „schnellstens Sicherheitsmaßnahmen“. Das Bauamt wolle sich ein Bild der Lage machen und dann handeln, heißt es aus dem Rathaus.

Mit Tränen in den Augen stand gestern Ulrich Klingebeil am Brandhaus. Der Rostocker Gastronom hatte 1982 die „Troika“ als russische Teestube eröffnet. Er habe das ehemalige Blockhaus eines Tischlermeisters damals von der Stadt gekauft. „Ein Steakhaus konnte ich daraus nicht machen, wir hatten ja kein Fleisch“, erinnert sich der 70-Jährige. So habe er den rustikalen Holzbau in ein russisches Spezialitätenlokal verwandelt, das bis 2008 sehr beliebt war. Nach der Wende hatte er Übernachtungshütten errichtet, einen Wintergarten angebaut. „Jetzt ist alles Schutt und Asche“, sagt er traurig. Er habe das Objekt 2008 verkauft, doch die Nachfolger hatten kein Glück.

Immer wieder kam es in letzter Zeit in Rostock und Umgebung zu Brandstiftungen. So ist ein leer stehendes Möbelhaus nach einem Brand Mitte August in Sievershagen einsturzgefährdet. Auf mehrere hunderttausend Euro beläuft sich der Schaden eines Großbrandes im Gewerbegebiet Bentwisch. Bei einem Brand in einem Haus am Beginenberg kam ein 62-jähriger Rostocker ums Leben. In allen Fällen wird wegen Brandstiftung ermittelt. Gefasst wurden unterdessen zwei Männer, 17 und 21 Jahre alt, die Feuer in der alten Molkerei gelegt hatten — aus Langeweile und zum Stressabbau, wie sie später zu Protokoll gegeben haben sollen. Auch ein Pyromane, der rund um den Hawermannweg in Reutershagen mehrere Brände gelegt hatte, sitzt inzwischen in Haft.



Doris Kesselring und Stefan Tretropp

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