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Güstrow Güstrow wehrt sich gegen Netz-Pläne
Mecklenburg Güstrow Güstrow wehrt sich gegen Netz-Pläne
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02:00 26.08.2014
Schon jetzt ist das Umspannwerk in Güstrow ein wichtiger Knotenpunkt im Stromnetz. Gegen neue Ausbaupläne des Landes wehrt sich die Stadt jetzt. Quelle: Michaela Krohn

Die Stadt Güstrow wehrt sich gegen den Ausbau von Windparks und Stromleitungsnetzen rund um das Stadtgebiet. Im Zuge des neuen Raumentwicklungsprogramms des Landes sollen auch neue Flächen für Windräder direkt vor den Toren Güstrows ausgewiesen werden. Rund 300 Anlagen gibt es bereits im gesamten Landkreis. Geplant sind jetzt neue Windkraftanlagen bei Glasewitz und Dehmen. Zudem sollen gleich mehrere neue Stromleitungen gebaut werden. Doch dagegen legt die Stadt jetzt Widerspruch im Beteiligungsverfahren ein.

In einer aktuellen Beschlussvorlage, mit der sich bereits mehrere Ausschüsse der Stadt beschäftigt haben, heißt es: „Es kann nicht Ziel eines Landes sein, Überkapazitäten zu produzieren und dafür die Zerstörung der Kultur- und Naturlandschaft in Kauf zu nehmen.“ Die größte Sorge von Stadtverwaltung und Stadtvertretern ist daher, dass das Landschaftsbild durch neue Windräder und Stromleitungen rund um die Barlachstadt zerstört wird und sie somit auch an Attraktivität für Touristen verliert. Denn die Versorgungssicherheit mit Strom sei in Mecklenburg-Vorpommern bereits gegeben. „Die Gebiete, in denen mit Windkraft Energie erzeugt werden soll, müssen noch einmal überdacht werden“, sagt Jane Weber, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes im Bauausschuss. Dem schließt sich auch Hartmut Reimann (SPD) an. „Im Wesentlichen sind nun mit den Einwänden in der Beschlussvorlage die Interessen der Stadt vertreten“, sagt er. Das Konzept sei im Grunde aber gut.

Vor allem stemmt sich die Stadt gegen neue Leitungen, die zwischen Güstrow und Wolmirstedt und Lauchstädt in Sachsen-Anhalt entstehen sollen. Die Neubautrasse würde über natürliche Landschaften in und um Güstrow sowie über das gesamte Siedlungsgebiet der Südstadt und des Bauhofs führen. Auch im Finanzausschuss sprachen sich die Mitglieder einstimmig für Änderungen im Landeskonzept aus. „Die Fragen, die die Stadt aufwirft, sind gerechtfertigt“, sagt Ausschussmitglied Michael Schörk (Grüne). Einigen Punkten im Konzept könne man nicht zustimmen. Sie bedürften weiterer Klärung.

Geht das Konzept des Landes dennoch durch, könnten in drei bis vier Jahren etwa 100 neue Windkraftanlagen im gesamten Landkreis entstehen. Und dann muss auch das Leitungsnetz ausgebaut werden. „Nach der ersten Beteiligungsrunde 2011 sind wir auf 16 Flächen gekommen, auf denen Windparks gebaut werden können“, sagt Gerd Schäde, Leiter des Amtes für Raumordnung und Landesplanung. Von diesen musste die Behörde fünf wieder von der Liste streichen, weil sie die Flugsicherheit oder den Bestand des geschützten Schreiadlers gefährdeten. „In der zweiten Runde kamen nun 50 weitere Vorschläge für nutzbare Flächen hinzu. Und bei sechs von ihnen sehen wir Potenzial, dass sie auch genehmigt werden können“, sagt Schäde. Dazu gehören auch die Gebiete Glasewitz und Dehmen. Doch bis dort das erste Windrad stehen könnte, können noch Jahre der Planung vergehen.

Noch bis Anfang November hat die Stadt Zeit, eine Stellungnahme beim Planungsverband Region Rostock abzugeben. An diesem Donnerstag wird sich auch der Hauptausschuss mit dem Thema beschäftigen, bevor die Beschlussvorlage mit dem Widerspruch gegen den geplanten Ausbau von Windenergieflächen aller Wahrscheinlich von der Stadtvertretung abgesegnet wird.

Immer mehr Windkraftanlagen entstehen im Landkreis

50 Windkraftanlagen sind im Landkreis Rostock zurzeit in der Planung. Voraussichtlich werden aber nicht alle genehmigt. 45 Windräder werden zurzeit etwa errichtet.17
Eignungsgebiete für Windenergieanlagen sieht der Entwurf für die Region Rostock aktuell vor. Das sogenannte Beteiligungsverfahren für Städte, Gemeinden, Verbände und Initiativen startete bereits am 15. Juli. Bis zum 3. November können noch Änderungsvorschläge beim Planungsverband Region Rostock unter beteiligung@afrlrr.mv-regierung.de eingereicht werden.



Michaela Krohn

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