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„Ich bin entsetzt über die Form der Diskussion“

„Ich bin entsetzt über die Form der Diskussion“

Thomas Diestel von der Philharmonischen Gesellschaft über die Theater-Spardebatte.

OZ: Ein neues Gutachten sucht Einsparmöglichkeiten am Volkstheater und erörtert die Herabstufung des Orchesters, doch die Verantwortung trägt die Politik. Wie beurteilen Sie die kulturpolitische Situation in Rostock?

Thomas Diestel: Ich bin entsetzt über die Form der Diskussion. Wir haben über hundert Jahre hinweg etwas aufgebaut und erhalten, über die Not hinaus. Jetzt reden wir darüber, wie wir das zerschlagen. Das A-Orchester herunterzustufen, das kann ich mir nicht vorstellen. Wir haben den Anspruch, nicht nur kleine Konzerte zu hören, sondern auch Gustav Mahler hier in Rostock zu erleben.

Oder die mit unserer Unterstützung ab 27. April erklingende siebente Sinfonie von Schostakowitsch — da möchte ich nicht nach Berlin, Hamburg oder Leipzig reisen, das möchte ich gern hier erleben, aufgeführt von Rostocker Künstlern, die sich mit ihrer „Regiopole“ identifizieren.

OZ: Da stellen Sie Forderungen auf. Warum betonen Sie denn die hohen kulturellen Ansprüche?

Diestel: Weil das ein Lebensanspruch ist. Wenn wir den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland und auch in Rostock so bewerten, dass wir Ausgaben für Kultur stagnieren lassen — das kann man in Notstands-Situationen machen. Aber wir leben aus einer Dynamik wirtschaftlicher Kraft. Ich begrüße sehr, dass wir jetzt ein neues Theater bauen. Aber man kann nicht gleichzeitig das Orchester herunterstufen.

OZ: Die Begründung für Kürzungsforderungen der Politik sind ja knappe Kassen. Müssten Sie da nicht fordern, dass doch mehr Geld für Kultur und Theater auszugeben ist?

Diestel: Die Aufgabe der Philharmonischen Gesellschaft ist ja nicht, das Volkstheater zu sanieren. Als Verein machen wir die Lobbyarbeit. Und da kämpfen wir für den Erhalt der Qualität des Orchesters. Es mag viele Möglichkeiten der Kostenreduzierung geben — aber bitte nicht am Orchester.

OZ: Nach Sicht der Gutachter muss man zurückfragen: Wo dann?

Diestel: Da glaube ich, dass der designierte Intendant Sewan Latchinian ein Konzept hat. Ich denke, dass genügend Kompetenz zusammengeholt worden ist, vielleicht sogar auch durch das Gutachten. Und werfen Sie mal einen Blick in den Süden: Viele Städte setzen auf die „weichen Faktoren“, die wissen, dass man damit für sich wirbt.

OZ: Theaterneubau 2018 — da gibt es wieder Zweifel am Termin. Zweifeln Sie mit?

Diestel: Nein. Es gibt Wunderwerke der Organisation. Es gibt große Bauvorhaben, die in solchen Zeitabschnitten realisiert wurden. Und ist der Zug erstmal losgefahren, dann kann man durchatmen und hoffen. Wir waren noch nie so weit wie jetzt. Und wir haben einen designierten Intendanten, wenn der umsetzt, was er vorhat, dann muss man sagen: Hoioioi! Wenn also in der Stadt alle an einem Strang ziehen, in Harmonie, dann wird das was werden.

Interview Dietrich Pätzold

 



OZ

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