Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Güstrow Kühlschrank auf dem Fahrrad: Mit der Kiste kein Problem
Mecklenburg Güstrow Kühlschrank auf dem Fahrrad: Mit der Kiste kein Problem
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:50 27.08.2014
René Tober will mit seinem Unternehmen „Transportrad-MV“ zum Umweltschutz animieren. Quelle: Ove Arscholl

Sie heißen Babboe Big, Bakfiets long oder ganz klassisch Bullitt — die unterschiedlichen Transporträder könnten in Rostock der neueste Trend neben den E-Bikes werden. Das hofft Jungunternehmer René Tober, der mit seiner Firma „Transportrad MV“ jene Fortbewegungsmittel in der Hansestadt salonfähig machen möchte. Seit Februar 2013 verkauft und vermietet der Rostocker verschiedene Vehikel. Sie eignen sich für Familien mit kleinen Kindern, für Hundebesitzer, für Handwerker mit viel Material. Denn eine Kiste oder Ladefläche ist zwischen Lenkstange und Vorderrad montiert. Ohne das Gewicht des Fahrers können so Lasten zwischen 50 und 100 Kilogramm transportiert werden.

Die Universität Rostock gehört zu den Ersten, die die Transporträder für ihre Mitarbeiter entdeckt hat. „Es gibt Dozenten, die neben ihrem Koffer noch die ganze Technik schleppen müssen und mit dem Fahrrad von Standort zu Standort fahren“, erklärt Tober. Das Angebot habe daraufhin kurzzeitig einige Nachfragen vor allem von wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgelöst. Über die Koordinationsstelle für Agenda 21-Aktivitäten können die Lastenräder von allen Interessenten ausgeliehen werden. Eventuell, so die weiteren Pläne, lassen sich diese Räder dauerhaft in den Fuhrpark der Universität eingliedern. „Das muss ich aber erst noch mit der Uni besprechen“, sagt er. Gut angenommen werden seine Fahrräder, die er bei verschiedenen Herstellern bestellt, vor allem von Familien mit Kleinkindern. Sie nutzen sie für Ausflüge und Urlaube.

Die Idee zur Unternehmensgründung kam dem ambitionierten Radfahrer nach einer Versuchsfahrt in Dresden, wo Lastenfahrräder genau wie in anderen Großstädten bereits Gang und Gebe sind. Im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ist er seit Jahren Mitglied. Dort habe er sein Vorhaben besprochen und dann umgesetzt. „Man muss schon gerne Fahrrad fahren und auch hinter dem Vorhaben stehen“, erklärt Tober, der vergangenes Wochenende am Lastenradrennen in Kopenhagen teilgenommen hat.

Künftig möchte er die Benutzung der Räder in Rostock noch stärker etablieren. Im Blick hat er das Gewerbe. Er könne sich vorstellen, dass auch ein Schornsteinfeger oder ein Hausmeister ein solches Lastenrad gut gebrauchen könne. Auch aus marketingtechnischer Sicht — die Kiste als Werbefläche zu nutzen — sei es prädestiniert. Daneben gibt es noch weitere Vorteile: „Die Wartungskosten sind viel geringer, man findet schnell einen Parkplatz und tut etwas der Umwelt zuliebe.“ Die Abhängigkeit von gutem Wetter sieht er nicht als Problem: „Die meiste Zeit im Jahr braucht man kein Auto“, ist er überzeugt. Er selbst besitzt seit Jahren keins und vermisst es auch nicht.

• Internet:

www.transportrad-mv.de

OZ vergibt Preis an Existenzgründer
Bis zum 9. September können sich Firmen aus MV (vor dem 1. Juni 2013 gegründet) für den Existenzgründerpreis der OSTSEE-ZEITUNG bewerben. Dazu einfach den Fragebogen unter www.ostsee-zeitung.de/existenzgruender ausfüllen und senden an: OSTSEE-ZEITUNG, Thomas Luczak, Ressort Wirtschaft, Richard-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock.
Lastenräder verbessern die Öko-Bilanz

50 bis 100 Kilogramm können die meisten Lastenräder transportieren. Mehr Gewicht schaffen dreirädrige Lastenräder. Wer im Stadtverkehr täglich 20 Kilometer mit dem Lastenrad anstelle eines Kleinwagens erledigt, spart im Jahr rund 800 Kilogramm Kohlenstoffdioxid.
20000 Kilometer Jahresfahrleistung eines Diesel-Transporters, der durch ein Lastenrad ersetzt wird, bedeuten fünf Tonnen CO2-Ersparnis pro Jahr. Das ist die Bilanz des Verkehrsclubs Deutschlands. Er hat für Europas Städte kalkuliert, dass Lastenräder mit einem Radius von sieben Kilometern, 250 Kilogramm Ladegewicht und einem Kubikmeter Ladevolumen die Hälfte aller Transportfahrten mit dem Auto ersetzen könnten.
Die Europäischen Union hat sich eine CO2-freie Innenstadtlogistik bis 2030 zum Ziel gesetzt.



Katarina Sass

Anzeige