Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Altar der Pfarrkirche glänzt wieder

Güstrow Altar der Pfarrkirche glänzt wieder

Seit 1992 wird das Schmuckstück der Pfarrkirche restauriert. Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff.

Voriger Artikel
Kritik an Diskussion zum Theater
Nächster Artikel
Wallensteins Brunnen ist sicher: Jetzt graben die Forscher weiter

22 Jahre hat sich die ehemalige Pastorin Elisabeth Taetow dafür eingesetzt, dass der Altar vollständig restauriert wird. Nun ist er fast wie neu.

Quelle: Fotos: Michaela Krohn

Güstrow. Seit 22 Jahren wird der einzigartige Altar in der Güstrower Pfarrkirche restauriert. Mühsam und in filigraner Kleinstarbeit wurden die 180 Figuren des im Jahre 1522 aufgestellten Altars wieder aufpoliert. 500 000 Euro hat die Restauration insgesamt gekostet. Jetzt fehlt nur noch der Feinschliff. Spätestens im Juni soll der Altar, der von dem berühmten Brüsseler Bildschnitzer Jan Borman im 16. Jahrhundert gearbeitet wurde, wieder komplett in seiner ursprünglichen Schönheit glänzen.

Elisabeth Taetow, ehemalige Pastorin der Pfarrkirche und Vorsitzende des Fördervereins zur Restaurierung des Jan-Borman-Altars, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den wertvollen Altar wieder als einzigartiges Schmuckstück der Stadtkirche herrichten zu lassen. Zu sehen ist die Passionsgeschichte von Jesus. „Dieser Altar ist ein ganz besonderer. Jede der 180 Figuren ist detailliert herausgearbeitet. Kein Gesicht ist wie das andere. Ich könnte sie stundenlang anschauen“, schwärmt die Pastorin. Zudem sei der Altar eines der wenigen Beispiele niederländischer Holzschnitzkunst. Er trägt auch den Namen des Künstlers. Dieser ist etwas versteckt auf einem Schwert einer Figur eingraviert. Im Zweiten Weltkrieg ist der Altar dann zu seinem Schutz ausgelagert worden. „Als er nach Kriegsende wieder in die Kirche zurückkam, war er in einem jämmerlichen Zustand“, klagt Taetow. Feuchtigkeit sei in die aus Eichenholz bestehenden Figuren gezogen. Anfang der 1950er Jahre wurde der Altar dann nur provisorisch wieder einigermaßen hergerichtet. „Zu DDR-Zeiten hatte man ja auch nicht die Mittel. Allein das viele Blattgold konnte nicht aufgebracht werden“, sagt Taetow.

Der Auslöser für die jetzt fast abgeschlossene Restaurierung war dann eine Fernsehübertragung zum Karfreitag. „Die Kamera hat die Figuren ganz nah gefilmt. Daraufhin haben wir so viele Meldungen bekommen. Die Leute haben sich gefragt, wie dieser wunderschöne Altar in so einem schlechten Zustand sein kann“, erinnert sich Elisabeth Taetow. Seitdem hat sie unermüdlich Spenden und Unterstützung von verschiedenen Stiftungen gesammelt, damit der wertvolle Altar sich nicht mehr verstecken muss.

„Viele Besucher kommen extra nur wegen des Jan-Borman-Altars in unsere Kirche. Sie machen sich oft auch aus den Niederlanden und Belgien auf den Weg, um die Kirchen in Norddeutschland zu erkunden“, sagt die Pastorin. Viele Touristen hätten sich schon im Vorfeld, noch bevor sie in die Pfarrkirche kommen, über das Werk von Jan Borman informiert und wollen die Pracht von nahem sehen. „Es gibt so viel zu entdecken. Auch ich bin durchaus noch nicht fertig mit dem Altar. Ich sehe immer wieder Neues“, sagt Elisabeth Taetow. So könne man bei einigen Figuren erst sehen, dass sie zum Beispiel ihre Zunge herausstrecken, wenn man ganz dicht herangeht. Herausragend sei auch, dass die Figuren, die ganz oben auf dem Altar wachen, alles Frauen sind. „Das ist schon eine Sensation, dass Jesus dort nur von heiligen Frauen umgeben ist“, sagt Taetow. Sie alle seien sehr mutig gewesen. „Man muss bedenken, dass die Emanzipation der Frau ja erst vor etwa 100 Jahren begann“, sagt die Pastorin. Aber Jan Borman habe die Furchtlosigkeit schon früh erkannt. Doch der Altar gibt auch Rätsel auf, weiß die Pastorin: „Alle diese Frauen wurden hingerichtet. Aber wir kennen nicht alle Namen. Von einigen wissen wir nicht, wer sie sind — nur dass sie sehr mutig waren.“

Im Juli werden wieder die Altar-Tage stattfinden. „Dieses Mal haben wir den ehemaligen Landesbischof Hermann Beste eingeladen“, sagt Elisabeth Taetow. Wenn er dann die Predigt hält, kann er es endlich vor dem vollständig restaurierten Altar tun.

Öffnungszeiten für Besucher: täglich von 11 bis 12 Uhr und von 14 bis 15 Uhr, ab April wieder länger.

Einzigartiges Werk in ganz Europa
180 Figuren aus Eichenholz schmücken den Jan-Borman-Altar, der 1522 von der Katharinenbruderschaft gestiftet wurde, in der Pfarrkirche. Seit dem Zweiten Weltkrieg war er stark restaurierungsbedürftig. Doch erst 1992 konnte mit der Wiederherstellung begonnen werden.
56 000 Euro musste die Kirche allein für jedes Feld auf der rechten Seite des Altars aufbringen, da die Schäden dort besonders stark waren. Die Szenenfelder auf der linken Seite haben jeweils um die 10 000 Euro gekostet.
492 Jahre ist der Altar inzwischen alt. Das letzte Mal wurde er zwischen 1880 und 1883 restauriert. Jetzt soll er im Juni fertig sein.
Das Besondere am Altar in der Pfarrkirche ist, dass alle Figuren auch nach hinten ausgearbeitet sind. Selbst das, was der Betrachter nicht sehen kann, ist vollendet geschnitzt.

 



Michaela Krohn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Güstrow
Nach 22 Jahren fertig restauriert: Elisabeth Taetow, ehemalige Pastorin der Pfarrgemeinde Güstrow, ist stolz auf den wertvollen Altar in der Marienkirche.

22 Jahre lang wurde der Altar der Güstrower Pfarrkirche restauriert. Jetzt fehlt am europaweit einzigartigen Werk nur noch der Feinschliff.

mehr
Mehr aus Kultur
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.