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Güstrow Galerie: Bützow bietet überraschende Kunst-Schätze
Mecklenburg Güstrow Galerie: Bützow bietet überraschende Kunst-Schätze
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17:20 30.10.2018
Karl-Werner Zießnitz (71) leitet das Kunsthaus in Bützow und den Malzirkel. Quelle: Dietmar Lilienthal
Bützow

Wenn Karl-Werner Zießnitz über Kunst redet, ist er nicht zu stoppen. Die großen, lieben Augen leuchten durch die Hornbrille. Der ehemalige Lehrer für Kunst und Geschichte weist gern mit großer Geste auf die Bilder, die an den Wänden im Kunsthaus Bützow hängen und strahlt Besucher an. Da schwingen Stolz, Begeisterung, Empathie für die Menschen, aber auch für das Können des Malers, das Genie des Künstlers mit.

Dauerausstellung mit Kunst von Rang und Namen

Karl-Werner Zießnitz liebt die Menschen, er liebt die Kunst und vor allem liebt er die Künstler. Und von denen hat er einige zu bieten in seinem Kunsthaus im verschlafenen Bützow. Alles, was in MV Rang und Namen in der Kunst hat, zeigt er in einer Dauerausstellung: Jürgen Weber aus Rostock, Thomas Ziegler (1947-2014) aus Netzeband, Joachim John (1933-2018) aus Neu Frauenmark, Michael Wirkner (1954-2012) aus Schwerin, Lars Lehmann aus Güstrow, Angelika John aus Wismar, Tanja Zimmermann aus Klein Warin, Matthias Wegehaupt und Oscar Manigk aus Ückeritz auf Usedom. Bei Ziesnitz hängen sie alle.

Ungewöhnlicher Beutezug

Und um an diese Kunst zu gelangen, hat der Galerist die Künstler angerufen und sie besucht. Mit seiner Frau Karin Ziesnitz (73), die in Bützow ebenfalls Kunst und Geschichte unterrichtet hat, hat er sich 2012 ins Wohnmobil gesetzt und das Land in Sachen Kunst vermessen. „Wir haben die Künstler besucht“, sagen beide und lächeln. Vor Ort haben sie erklärt, dass sie in Bützow eine Dauerausstellung mit der wichtigsten Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern einrichten wollen und von jedem Künstler ein Werk als Dauerleihgabe erbitten. Fast alle haben zugestimmt. Und so ist das Ehepaar Ziesnitz, das sich in den 60er-Jahren während des Lehramtstudiums in Greifswald kennen und lieben gelernt hat, mit einem Wohnmobil voller regionaler Kunstwerke, die zum Teil auch über die Grenzen des Landes hinaus Bedeutung haben, zurück nach Bützow gekehrt.

Dort hängen auf 500 Quadratmetern im Erdgeschoss rund 400 Bilder von Malern, Grafikern, Fotografen und anderen Kunstschaffenden aus dem deutschen Nordosten. Dazu einige Skulpturen. Wenn mal ein Besucher ein Bild kauft, profitiert auch der Künstler davon und Karl-Werner Ziesnitz bestellt ein neues Werk für die Dauerausstellung. BWler nenen so was Win-Win-Situation, bei Brecht heißt das: „Einfach ist schön, aber schwer“ – was es eher trifft.

Wechselnde Ausstellungen mit Künstlern der Region

Darüber hinaus organisiert das kleine Team vom Kunsthaus jedes Jahr sechs wechselnde Ausstellungen lokaler, regionaler und überregionaler Künstler. Am 1. November endet in der ersten Etage die Schau des Malers Jürgen Schäfer aus Leipzig. Der 77-Jährige hat an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) unter anderem bei Harry Blume, Hans Mayer-Foreyt und Wolfgang Mattheuer studiert und gilt als etwas vergessener, bedeutsamer Maler der Leipziger Schule. Schäfer lebt zurückgezogen im Wald bei Groß Brütz nahe Schwerin. Im Anschluss folgen 2019 Ausstellungen mit dem Bützower Maler Wolfgang Severin-Iben zum 70. Geburtstag und eine Schau mit den „Schwaaner Malweibern“ Lisa Jürß (78) aus Schwaan, Dr. Luise Hartmann (75) aus Rostock und Lydia Kalt (74) aus Pinnow. In diesem Jahr hat das Kunsthaus zum zehnjährigen Bestehen bereits die Jubiläumsausstellung „Zehn Jahre Kunsthaus Bützow“ mit 28 Künstlern aus der Stadt und Umgebung sowie Peronsalausstellungen der Rostocker Malerin Grit Sauerborn, die aus Bützow stammt, des Bildhauers Michael Mohns aus Tarnow, des Greifswalder Malers und Grafikers Herbert Raddatz und des Wismarer Künstlers Günter Fritz gezeigt.

„Unser Ziel ist es, Kunst und Künslern aus Bützow und der Region sowie zeitgenössischer Kunst aus Mecklenburg-Vorpommern einen Raum zu geben, sie zu bewahren und auszustellen“, sagt Ziesnitz. Begonnen hat alles im Jahr 2008. Damals suchten er und der Bützower Maler Frank Chlouba (54) einen Raum, um eigene Bilder auszustellen. „Dieses Haus stand leer und war in einem miserablen Zustand“, sagt Ziesnitz. Die beiden Künstler fingen an, die Innenräume notdürftig zu restaurieren und organisierten zum Bützower Gänsemarkt eine eigene Schau mit rund 200 Arbeiten, die sehr gut in der Stadt ankam. „Anschließend wollten meine Frau und ich eigentlich durch die Welt reisen“, sagt Ziesnitz. Das waren die Pläne für die Zeit im Ruhestand. Nun holen sie sich die Welt ins Haus.

Im November 2008 folgte eine Gruppenausstellung mit elf Künstlern aus Bützow wie Matthias Vorbeck, Wolfgang Severin-Iben, Katrin Lau oder Frank Chlouba – damals gab es weder fließend Wasser noch Heizung im Haus. Doch obwohl die Vernissage in der Kälte des Novembers startete, wurden sie animiert, weiterzumachen. Bis 2010 halfen dann regelmäßig Maler-Azubis aus dem Berufsbildungszentrum Steinhagen bei der Restaurierung des Hauses. „Im Prinzip haben wir ja sechs Jahre renoviert. Das hier ist eher so ein Projekt wie der Kölner Dom“ sagt Chlouba. Aber es lohnte sich. Das Haus, mittlerweile im Besitz der Stadt, hat sich als Museum etabliert. Künstler wie Lars Lehmann, Ronald Paris, Anna Sochor, Joachim Lautenschläger oder Karin Zimmermann, die über MV bekannt sind, konnten geholt werden.

... und auch noch ein Malzirkel

Und oben im Dachgeschoss hat das Ehepaar Ziesnitz sogar noch ein weiteres Kleinod der Kunst einrichten können. Einen Malzirkel, den die beiden ehemaligen Kunstlehrer leiten. Seit 2010 treffen sich dort regelmäßig rund zehn Künstler aus der Region zum gemeinsamen Malen, Zeichnen, Schwatzen. Karl-Werner Ziesnitz sagt: „Frank Choubla war ab der fünften Klasse mein Schüler und hat damals schon ein Bild gemalt, an dem ich sein Maltalent schon erkannt habe.“ Und jetzt arbeiten sie zusammen. So schließen sich die Kreise.

Michael Meyer

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