Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Güstrow Kunstkirche im neuen Gewand
Mecklenburg Güstrow Kunstkirche im neuen Gewand
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 10.08.2018
Initiatoren der Eickelberger Kunst-Kirche: Karen von Blomberg und Künstler Nils Rackwitz Quelle: Stefanie Büssing
Eickelberg

Noch zieren Baugerüste das Innere der Kirche in Eickelberg (Landkreis Rostock), wo eifrig gewerkelt wird. Ende September soll der gotische Backsteinbau, der zurzeit für rund 300000 Euro saniert wird, in neuem Glanz erstrahlen. Dann wird das Kleinod aus dem 14. Jahrhundert wieder zur Kulisse für Kunst- und Kulturschaffende, die an den historischen Wänden ihre Arbeiten aufhängen, ihre Skulpturen auf dem Außengelände mit anliegendem Friedhof aufstellen oder sich vom bröckeligen Charme des Gotteshauses inspirieren lassen.

Seit 2009 bietet die Kunstkirche Künstlern ein Dach für ihre Arbeiten

Seit 2009 bietet die Kunstkirche Künstlern ein Dach für ihre Arbeiten. Auch wenn dies zu Beginn noch recht morsch war. „Begonnen hat alles, als der Maler Nils Rackwitz ins Dorf gezogen ist“, sagt Karen von Blomberg, Mitinitiatorin der Kunstkirche. „Wir sind gemeinsam in die Kirche gegangen und weil sie so leer war, hatten wir die Idee, dort eine Ausstellung zu machen.“ Denn Gottesdienste fanden in dem Gotteshaus im Warnowtal zwischen Neukloster und Bützow schon längst nicht mehr statt. „Die Kirche war schon vor der Wende gesperrt, weil sie baufällig war“, sagt Pastorin Helga Müller. 1998 sei eine Notsicherung durchgeführt, 2011 Mauerwerk und Dach saniert worden. Für Veranstaltungen sei die Kirche drei bis viermal im Jahr genutzt worden. Für von Blomberg und Rackwitz Grund genug, das kleine Gotteshaus einer neuen Bestimmung zuzuführen und es mit Leben und Kunst zu füllen.

„Zu Beginn haben wir Absagen bekommen“

„Die erste Ausstellung hatten wir am 3. Oktober 2009, damals zunächst mit Künstlern aus dem Dorf und aus Nachbarorten“, erinnert sich von Blomberg. Die gebürtige Lübeckerin, die in einem Unternehmen für Marketing und Vertrieb zuständig ist, lebt seit 1997 in dem 40-Seelen-Dörfchen, weil es ihren Mann beruflich in die Region verschlug. „Zu Beginn haben wir auch Absagen bekommen. Einige Künstler waren skeptisch, und wollten erst abwarten, wie sich das Ganze entwickelt“, erinnert sich Rackwitz. Der 40-Jährige stammt aus Rahden in NRW, hat in Kiel Grafik-Design studiert und arbeitet seit 2008 als freischaffender Maler. Keine Fragen also, dass er seine auf den ersten Blick fotorealistisch anmutenden Acryl-Arbeiten in der „1. Kunstkirche“ präsentierte. „Wir waren damals schon mutig und wussten, dass wir weitermachen wollen“, sagt von Blomberg im Hinblick auf den Ausstellungstitel. „Bei der zweiten Schau haben wir uns dann direkt an Lars Lehmann rangewagt.“ Mit Erfolg: „Er war von dem Raum begeistert und hat uns fünf großformatige Bilder mitgegeben. Der Wert lag sicher im fünfstelligen Bereich“, verrät von Blomberg. „Das war beeindruckend, weil wir weder Fenster noch Diebstahlsicherung hatten und jede Nacht gebangt haben. Von den tierischen Besuchern ganz abgesehen.“

Künstler aus MV zeigen ihre Arbeiten in der Kunstkirche

Dennoch fanden sich schnell viele etablierte Künstler aus MV, die ihre Arbeiten in der Kunstkirche zeigten wollten. Darunter Namen wie der inzwischen verstorbene Herbert-Wegehaupt-Schüler Fritz Brockmann, Fotograf Andre van Uehm, Metallgestalterin Takwe Kaenders, der in Güstrow geborene Grafiker Hannes Schützler oder Bildhauerin Barbara Wetzel. Letztere ließ sich von den Epitaphien in der Kirche inspirieren, fotografierte zwei Eickelberger in ähnlicher Pose und verewigte deren Silhouette als Druck auf großen Stoffbahnen. „Fotografie, Malerei, Skulpturen – uns geht es um eine gute Mischung und darum, die Kirche und das Außengelände miteinzubeihen“, sagt von Blomberg. Dafür wird zurzeit vor der Kirche der Weg zum Haupteingang erneuert. Neue Bleiglasfenster sollen künftig ungebetene Gäste abhalten. Das rissige Mauerwerk wurde erneuert, Toilette und Küche eingebaut und das alte Dachgestühl und die Holzdecke instandgesetzt. „Einige der Balken waren morsch und mussten ausgetauscht werden. Wir hatten Glück, dass nichts runtergekommen ist“, so Blomberg. Seit Herbst 2017 laufen die Arbeiten: Die Mittel dafür stammen aus dem Leaderprogramm, vom Kirchenkreis Mecklenburg, aus dem Dorferneuerungsprogramm und von Stiftungen. Am 30. September soll die Kirche mit einer Ausstellung von Nils Rackwitz wiedereröffnet werden. Auch für die fünfte Kunstkirche im Sommer 2019 gibt es bereits Pläne: „Wir mit wollen mit allen Künstlern ein kleines Jubiläum feiern“, so von Blomberg. Für Pastorin Helga Müller ist die Kunstkirche Kraftort und glückliche Fügung zugleich: „Die richtigen Leute waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Kirche und Kunst, sagt sie, gehören zusammen. „Beides ist ein Weg zu innerem Frieden.“

Stefanie Büssing

Die Politikerin Karen Larisch (Linke) wird von Neonazis bedroht – die Polizei ermittelt erstaunlich defensiv.

09.08.2018
Güstrow Vom Leuchten der Farben - Schloss Güstrow zeigt DDR-Kunst

Das Barockschloss Güstrow zeigt in einer Sommerausstellung 38 Aquarelle, Gouachen und Zeichnungen von Künstlern aus der DDR und der Nachwendezeit aus der Zeit von 1964 bis 1996. Die Schau heißt „Vom Leuchten der Farben“ und läuft bis 4. November.

08.08.2018

Weil die bisherigen Kapazitäten erschöpft sind, will der Betreiber der Deponie Spoigendorf bei Güstrow erweitern. Dort wird im großen Stil auch Schlacke aus der Rostocker Müllverbrennung entsorgt. Umweltinitiativen wollen das Vorhaben stoppen.

07.08.2018