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Güstrow „Santa Barbara Anna“ verliert elf Passagiere
Mecklenburg Güstrow „Santa Barbara Anna“ verliert elf Passagiere
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02:05 26.08.2014

17 Schüler des Pädagogischen Kollegs Rostock waren Sonntagmorgen vom Stadthafen aus auf der „Santa Barbara Anna“ in See gestochen. Geplant war eine zweitägige Kennenlerntour für die neue Klasse. Als das Schiff Montag wieder in Rostock anlegte, kamen jedoch lediglich acht junge Erwachsene von Bord — elf Schüler hatten den Dreimaster vorzeitig verlassen.

Klassenlehrer Ingo Koch löst das Rätsel auf: „Bei Windstärke 7 und hohem Wellengang hat einige die Seekrankheit erwischt, da sind manche bereits gestern von Bord“, verrät der Pädagoge. Obwohl man auf diese Weise elf Schüler „verloren“ habe, sei es trotzdem eine tolle Erfahrung gewesen. Das bestätigen auch die Schülerinnen Nicole Zarse (24) und Miriam Mertens (21). Beide haben bis zum Schluss durchgehalten — trotz der Turbulenzen. „Es hat schon heftig geschaukelt, aber insgesamt haben wir jede Menge gelernt“, sagte Miriam. „Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht“, ergänzt Nicole. Dass manche Kollegen unterwegs seekrank geworden waren, wird im Nachhinein mit Humor genommen. „Die Fische füttern“, nennen die beiden das.

Mit der Seefahrt haben Nicole und Miriam ansonsten herzlich wenig zu tun. Wie der Rest der Klasse beginnen sie in dieser Woche eine dreijährige Ausbildung am Pädagischen Kolleg Rostock. Nach ihrem Abschluss werden sie als Erzieher in Horten, Kindergärten und Kitas Kinder und Jugendliche betreuen. Die zweitägige Tour sollte für die neu formierte Klasse die Möglichkeit sein, einander kennenzulernen. „Teambildende Ausbildung“, nennt Klassenlehrer Ingo Koch das und spricht bereits davon, ähnliche Projekte auch in Zukunft durchführen zu wollen. „Wir machen das dieses Jahr zum ersten Mal und sind bisher sehr zufrieden. Ich hoffe, dass diese Fahrten zur Tradition werden“, so Koch.

Auch Kapitän Gerd Simonn (74) ist vom Konzept überzeugt. „So etwas sollte es häufiger geben“, sagt der Skipper. Er würde sich wünschen, dass das Bildungssystem ähnliche Vorhaben stärker fördert. „Das sind Erfahrungen, die die Jugendlichen formen und den Teamgeist stärken.“ Hartmut Illing, Vorstandsmitglied des Betreibervereins der „Santa Barbara Anna“, betont darüber hinaus die pädagogische Bedeutung. „Wir wollen der Jugend etwas vom traditionellen Seemannsleben mitgeben.“

Die „Santa Barbara Anna“ wird diese Woche noch mit zwei anderen Klassen des Kollegs zu Touren auslaufen. Dann hoffentlich ohne „Schülerverlust“.



Filip Tiedge

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