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Güstrow Schluss mit Lärm und Raserei: Nur noch Tempo 30 für Lkw
Mecklenburg Güstrow Schluss mit Lärm und Raserei: Nur noch Tempo 30 für Lkw
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00:00 24.03.2014
Auf einem Teilstück an der Plauer Straße gilt schon Tempo 30. Für Lkw soll dies nachts nun überall gelten. Quelle: Michaela Krohn

Der Beschluss der Stadtvertretung, dass Lastkraftwagen ab 7,5 Tonnen von 22 bis 6 Uhr auf Güstrows Straßen nur noch mit Tempo 30 fahren dürfen, ist schon fast zwei Jahre alt. Umgesetzt wurde er nicht. Ungewöhnlich: Für die kommende Sitzung der Stadtvertretung am Donnerstag liegt nun ein neuer Antrag vor, der noch einmal Druck machen soll.

Antragsteller ist der SPD-Fraktionsvorsitzende Hartmut Reimann. „Ich will jetzt wissen, was Sache ist. Die Grundlagen sind geschaffen, jetzt geht es um die Umsetzung.“ Gemeint ist der Lärmaktionsplan, dessen Ergebnisse schon im Herbst vergangenen Jahres vorlagen. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass fast 1000 Bürger Lärm in Höhe von 65 bis 70 Dezibel im Schnitt ausgesetzt sind. Das entspricht in etwa dem Geräusch einer Nähmaschine. 21 Einwohner müssen sogar bis zu 75 Dezibel aushalten. Zum Vergleich: Ein Rasenmäher ist in etwa so laut. Der Lärm betrifft vor allem die Menschen, die in der Nähe von Landes- und Bundesstraßen wohnen. Bereits im November sprach Gunter Brüß vom Stadtentwicklungsamt davon, dass die Maßnahme vorbereitet würde. Laut Beschluss von 2012 sollen im Bereich des Ortsteils Klueß, in der Goldberger Straße, in der Plauer Straße, Bleicher Straße, Lindenstraße, Schweriner Straße, Neukruger Straße und in der Schwaaner Straße die Geschwindigkeitsbegrenzungen mit Tempo 30 für die Lkw gelten. Untersuchungen des Straßenbauamtes haben in der Rostocker Chaussee zudem ergeben, dass auch nach der Sanierung der B 103 der Lärmpegel zu hoch sein wird. Dort sind 13 Häuser betroffen.

Und genau da liegt auch das Problem: Einzig die Plauer Straße ist ist eine in der Güstrower Verantwortung. „Wenigstens da sollte der Bürgermeister in Aktion treten“, sagt Hartmut Reimann. Bislang hätte Arne Schuldt (parteilos) immer von juristischen Schwierigkeiten bei der Umsetzung des Beschlusses auf Landes- und Bundesstraßen gesprochen. Zudem hätte die Stadt diese Probleme seiner Ansicht nach auch nicht, wenn man sich mehr für die von Schuldt befürwortete europaweite Initiative „30 km/h — macht die Straßen lebenswert“ eingesetzt hätte.

Reimann sagt dazu: „Diese Initiative hatte aber letztendlich nur wenig Resonanz und war ein extremer und unrealistischer Wunsch.“ Auch das Projekt Umgehungsstraße sei wieder vom Tisch.

„Untersuchungen haben ja ergeben, dass der Durchgangsverkehr durch Güstrow nur bei fünf Prozent liegt. Das war nicht genug Grundlage für eine Umgehung“, sagt Reimann. Daher fordert Hartmut Reimann:

„Warum machen wir nicht etwas mit wenig Aufwand — Dinge, die auch machbar sind?“ Dabei will er dennoch bewusst eine gewisse Flexibilität erhalten: „Ich habe den Antrag mit Absicht so gestellt, dass für die letztendliche Umsetzung bis Jahresende Zeit ist.“ Der Lärmaktionsplan soll künftig — wie von der Europäischen Union gefordert — alle fünf Jahre neu ausgearbeitet werden.

An großen Widerstand bei der Abstimmung glaubt Reimann nicht. „Das Thema ist doch eigentlich schon durch und besprochen und der Grundantrag beschlossen.“ Jetzt gehe es nur noch um die Umsetzung.

Vermeiden wolle er zudem, dass die Beschlussvorlage noch einmal in die Ausschüsse verwiesen wird. „Das dauert dann wieder so lange, bis wir abstimmen können“, sagt Reimann. Denn einigen sich die Stadtvertreter kommenden Donnerstag nicht, gibt es wahrscheinlich erst im September einen Beschluss.

Stadtvertretung: Donnerstag 18 Uhr im Bürgerhaus, Sonnenplatz 1



Michaela Krohn

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