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Güstrow Vorwurf: Busfahrer lässt 13-Jährige zweimal allein zurück
Mecklenburg Güstrow Vorwurf: Busfahrer lässt 13-Jährige zweimal allein zurück
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00:00 28.03.2014
Juristisch hat der Fahrer korrekt gehandelt. Es war aber keine glückliche Entscheidung.“Karl-Peter Naumann, Fahrgastverband

Die Mutter ist schockiert, als ihre 13 Jahre alte Tochter am Dienstag erst gegen 21 Uhr nach Hause kommt. „Sie zitterte am ganzen Leib, war völlig durchnässt“, sagt die Rostockerin. Der Grund: Ein Fahrer des Regionalbusunternehmens Rebus habe das Mädchen in Bentwisch zweimal abgewiesen, weil es keine 1,20 Euro für ein Zusatzticket dabei hatte. So habe das Kind durch die Dunkelheit bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle in Toitenwinkel laufen müssen. Von dort soll es mit seinem Schülerticket bis nach Hause zum Neuen Markt gefahren sein. „Das geht gar nicht. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können“, sagt die Mutter.

Ein Rebus-Sprecher äußert sich zurückhaltend: „Wir prüfen den Vorfall eingehend, da wir uns der Verantwortung gegenüber allen und besonders jüngeren Fahrgästen bewusst sind.“ Der Fahrer müsse jedoch erst gehört werden, „ehe ein Urteil gefällt werden kann“. Danach wolle sich Rebus mit den Eltern in Verbindung setzen.

Auf dem Hinweg soll noch alles glatt gelaufen sein: Die 13-jährige Tochter sei mit dem Bus von Toitenwinkel nach Bentwisch zum Reiten gefahren. Auf dem Rückweg gegen 18 Uhr habe der Busfahrer sie nicht mehr mitgenommen. Ihr Schülerticket gelte nur bis zur Zone 7. Sie hätte für die Fahrt bis nach Toitenwinkel einen Zusatzfahrschein lösen müssen. „Im Bus gab es eine rege Diskussion. Fahrgäste drängten darauf, dass es weitergeht“, sagt die Mutter. Bei Kälte und Regen sei ihre Tochter zur nächsten Haltestelle am Gewerbepark Bentwisch gegangen. Dort habe sie 35 Minuten ausharren müssen, ehe der nächste Bus gekommen sei — allerdings mit demselben Fahrer. Erneut habe er das Mädchen abgewiesen. „Sie hatte große Angst“, sagt die Mutter. Sie habe ihr Kind nicht abholen können. „Ich arbeite in Schichten.“ Zwei Stunden später sei das Mädchen zu Hause angekommen.

Für die Mutter ist klar: „Der Busfahrer hätte meine Tochter mitnehmen müssen. Dazu ist er verpflichtet, weil sie minderjährig ist.“ Dem widerspricht Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn:

„Wer kein Geld hat, wird nicht mitgenommen.“ Juristisch gesehen, habe der Fahrer korrekt gehandelt. „Er hat aber keine glückliche Entscheidung getroffen.“ Aus moralischer Sicht hätte der Fahrer kulant sein müssen, weil die Strecke für das Mädchen gefährlich gewesen sei. Zudem hätte er die Eltern anrufen können, betont Naumann. Das sieht die Mutter ähnlich: „Ich hätte auch eine Strafe gezahlt. Wichtig war nur, dass mein Kind sicher nach Hause kommt.“



aw

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