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Mecklenburg Imbiss-Einbruch endet tödlich: Je drei Jahre Haft für Einbrecher
Mecklenburg Imbiss-Einbruch endet tödlich: Je drei Jahre Haft für Einbrecher
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11:24 31.10.2018
Vor Beginn eines weiteren Verhandlungstages im Prozess um einen tödlichen Einbruch in ein Döner-Bistro warten die beiden Angeklagten (2.v.l.) und (3.v.l.) mit ihren Anwälten Christian Matheus (l-r), Detlef Kolloge und Robert Schurmann im Saal des Landgerichts. Den beiden geständigen Männern wird gemeinschaftlicher räuberischer Diebstahl vorgeworfen. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Neubrandenburg

Mit einem Einbruch bei einem Konkurrenten wollte ein 40 Jahre alter Imbiss-Betreiber in Neubrandenburg seine Geldprobleme lösen - am Ende ist sein Neffe tot und er und ein Komplize sitzen in Haft. Nach zwei Monaten Verhandlung hat das Landgericht Neubrandenburg am Dienstag die zwei geständigen Einbrecher zu jeweils drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die 40 und 27 Jahre alten, türkischstämmigen Berliner wurden des gemeinschaftlichen schweren räuberischen Diebstahls in Tateinheit mit einem Angriff auf Polizisten schuldig gesprochen. „Das Entscheidende war: Sie haben sich nicht ergeben“, sagte Richter Carl Christian Deutsch in der Urteilsbegründung.

Hintergrund des Einbruches war Geldnot des 40-Jährigen, wie dieser zugab. Von einem Bekannten habe er gehört, dass bei dem anderen Döner-Imbiss, nur 200 Meter weiter, rund 100 000 Euro in einem Versteck im Keller lagern sollen, das sei vielleicht sogar „Schwarzgeld“.

Der Mann rief seinen 27 Jahre alten Neffen in Berlin an, der mit einem Freund anreiste. Laut Staatsanwaltschaft habe man sich vorher abgestimmt, dass der Neffe Pfefferspray mitnimmt. In einer späteren Vernehmung gab einer der Verurteilten an, dass das Spray gegen den Besitzer eingesetzt werden sollte, falls er auftauche.

Das Trio brach am 1. März gegen 0.10 Uhr mit einem Eisen den Seiteneingang des Döner-Imbisses in der Neubrandenburger Oststadt auf. Einer Anwohnerin wurde aufmerksam und rief die Polizei. Im Keller fanden die Einbrecher in einem als Versteck umfunktionierten Spielautomaten rund 35 000 Euro Bargeld und Schmuck.

Polizisten überraschten das Trio. Die Täter bildeten eine Traube, die sich langsam auf die Beamten zubewegte. Der Neffe sprühte schließlich das Pfefferspray auf einen Polizisten. Dieser schoss. Der Getroffene starb später an den Verletzungen. Die Einbrecher ließen sich widerstandslos festnehmen. „Es war der größte Fehler meines Lebens“, erklärte der 40-Jährige.

Mit dem Urteil blieb das Gericht weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die je siebeneinhalb Jahre Haft wollte. Die Verteidiger hatten Bewährungsstrafen angeregt. Beide empfahlen zudem, die Haftbefehle für die Männer, die seit sieben Monaten in U-Haft sitzen, aufzuheben. „Das war ein einfacher Einbruch, bei dem der Polizist nicht hätte schießen müssen“, argumentierte Anwalt Jens Palupski.

Das wies der Richter energisch zurück. „Polizisten haben ein Anrecht darauf, dass die anderen sich ergeben“, sagte Deutsch. Der Rechtsstaat habe ein Recht darauf, dass die Regeln eingehalten werden. Die Haftbefehle blieben in Kraft. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Beide Seiten können innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen.

Die anfänglichen Ermittlungen gegen den Polizisten, der geschossen hatte, wurden später eingestellt. Er habe aus Notwehr gehandelt. Woher das Geld in dem Spielautomaten stammte, blieb unklar.

Von Winfried Wagner, dpa