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Mittleres Mecklenburg Mecklenburgs Platten-Papst auf der Erfolgsspur
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Mecklenburgs Platten-Papst auf der Erfolgsspur
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14:40 15.06.2018
Jörg Hahn (54) hat seine Optimal Media GmbH zum größten Schallplattenpresswerk Europas aufgebaut. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Röbel

Jörg Hahn (54) glaubt an Totgesagte: Einst rettete er die Schallplatte, jetzt hat er ein Vermögen ins Buch investiert. 24 Millionen Euro hat der Automatisierungstechniker in einen neuen Printmedien-Hallenkomplex gesteckt und damit seine Optimal Media GmbH in Röbel an der Müritz um 13 000 Quadratmeter erweitert. Der Bereich Verlagsdruck wurde ausgebaut, eine Buchstraße angeschafft, eine Fadenheftmaschine auch. Sachbücher, Magazine, Bildbände, CD-Booklets – das und mehr läuft hier vom Band. „Und wird uns helfen, wenn unser DVD- und CD-Geschäft weniger wird“, sagt Hahn. Im Zeitalter elektronischer Medien setzt er auf Physisches. „Ein Deja-vu aus den 90ern“, meint er und lacht. Damals landet er den größten Coup seiner Karriere: Als große Labels die Schallplatte abschreiben, steigt Hahn in die Vinylproduktion ein. Heute ist er damit dick im Geschäft.

Adele, Helene Fischer, die Beatles und Queen: Jörg Hahn presst die Musik der Stars auf Vinylscheiben. Jetzt setzt seine Firma, die Optimal Media in Röbel, auf einen weiteren Totgesagten: das Buch.

Jörg Hahn ist „ein Impulsgeber, ein Visionär“, lobt Harry Glawe (CDU) und zeichnet Mecklenburgs Platten-Papst als „Unternehmerpersönlichkeit des Jahres“ aus. Damit ist Jörg Hahn einer von fünf Chefs aus MV, denen der Wirtschaftsminister am Mittwoch in Wismar den Unternehmerpreis 2018 verliehen hat. Allesamt Geschäftsmänner, die dank Engagement und Risikobereitschaft erfolgreich seien, so der Minister.

Kühn ist Jörg Hahn allemal. 1995 kauft er Plattenpressautomaten, die Warner, Sony und Co. aussortierten, übernimmt die Aufträge gleich mit. „Wir schwammen gegen den Strom. Total kirre“. Bei der Erinnerung daran schüttelt Hahn den Kopf, fast als könnte er sein Wagnis von damals selbst kaum fassen. Doch der Erfolg gibt ihm Recht. Mitte der 2000er kommt der Boom: Weltweit schnellt der Vinyl-Absatz in die Höhe. Die Schallplatte erlebt ein Revival. Die Zwölf-Mann-Firma, die 1990 noch Madonnas Konterfei auf T-Shirts druckte und im Jahr darauf „Obsession“ von Army of Lovers auf die erste CD bannt, baut Hahn zu Europas größtem Schallplattenpresswerk auf, bei dem heute Major Labels Welthits verewigen lassen. „Das Glück der Tüchtigen“, sagt Hahn. 121 Millionen Euro hat die Optimal Media im Geschäftsjahr 2016/2017 erlöst, nicht zuletzt dank des ungebrochen starken Schallplattengeschäfts.

Die Toten Hosen kommen zur Abnahme

Die weltweit steigende Nachfrage nach Vinyl kann Optimal Media kaum bedienen: Mehr als 40 Automaten pressen Tonspuren in den schwarzen Kunststoff – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Pausiert wird nur Weihnachten und Ostern. Alle 25 Sekunden spuckt jede Presse eine fertige Platte aus. Bis zu 80000 Stück pro Tag und 25 Millionen im Jahr. Nicht genug, Jörg Hahn will die Produktion demnächst erweitern, noch mehr Automaten rattern lassen. Es vergeht kein Jahr, in dem sein Werk nicht wächst. „Aus eigener Kraft, nie durch große Zukäufe“, sagt Hahn stolz und fügt hinzu: „Wir sind immer noch ein kleiner Mittelständler.“ Einer, der über 750 Mitarbeiter beschäftigt und ständig neue sucht. Die Namen aller wisse er heute nicht mehr, sagt Hahn. „Aber der Spirit der Anfangstage schleicht noch immer durch die Gänge. Ich hab’ ein super Team.“ Dem verlangt er einiges ab. Geht ein Großauftrag ein, heißt es ranklotzen. „Wir müssen hungrig bleiben, wendig wie Barkassen“, sagt der Hobbysegler.

Hahns Augen leuchten, wenn er erzählt, wie er zu DDR-Zeiten „The Wall“ von Pink Floyd ergattern konnte. Damals ein Schatz für seine private LP-Sammlung. „Inzwischen haben wir die Platte rauf und runter gepresst.“ Nicht nur die: Adele, Prince, David Bowie, Helene Fischer, Ed Sheeran, die Beatles, Queen – alles was in der Musikwelt Rang und Namen hat, verewigt Optimal Media auf Disk oder Vinyl. Die Toten Hosen kommen auch schon mal persönlich vorbei, um die neuste Scheibe abzunehmen. „Der Job macht schon Spaß“, sagt Jörg Hahn und sein Lächeln verrät, wie sehr er untertreibt. Über Flops spricht er hingegen nicht so gern. Der Versuch, Remixe anzubieten, habe sich als Fehler entpuppt. Und noch etwas würde er heute anders machen: „Ich hätte häufiger die Helikopter-Perspektive einnehmen sollen. Wenn man sich mit Kleinkram aufhält, versperrt das den Blick fürs große Ganze.“ Details aber weiß er zu schätzen. Fast zärtlich streichelt Hahn über Hochglanzfotos der Nationalelf. „One Night in Rio“, ein Bildband, in dem Paul Ripke jene Nacht dokumentiert, in der Deutschland 2014 Fußball-Weltmeister wurde. Die Sonderedition steckt im Schuber, ist mit Goldschnitt verziert. Jörg Hahn liebt alles, was guten Inhalt mit Design und Qualität verbindet. „Das Leica-Magazin liegt bei mir zu Hause, dabei bin ich nur Urlaubsknipser.“ Optik, Haptik, Geruch – dem sinnlichen Erlebnis beim Blättern kann sich Hahn genauso wenig entziehen wie seine Kunden. „Man muss Jäger und Sammler mit etwas Besonderem anfixen, die Sehnsucht nach Entschleunigung bedienen.“

Bereit für das Revival der Kassette

Hahn beschreibt sich als Perfektionisten. „Mit mir zu arbeiten, ist nicht immer leicht.“ Er habe erst lernen müssen, Dinge loszulassen. Der Erfolg der Optimal Media, heute hundertprozentige Tochter des Konzerns Edel, zwingt ihn dazu. 300 verschiedene Druckerzeugnisse produziert sein Werk pro Tag, zu viel als dass Hahn jedes kennen könnte. Er lässt sich nur zeigen, was seine Mitarbeiter für ihn vorauswählen. Delegieren, das verschafft ihm Zeit für seine Frau und die beiden Teenie-Töchter, mit denen er in Waren lebt. Geschäftstüchtig ist er dennoch: Für heute hat Hahn 200 Leute aus der Entertainment-Industrie nach Röbel eingeladen. Geschäftspartner und potentielle Auftraggeber. Bis vor drei Jahren zählten Kassetten zum Optimal-Portfolio, bis sich deren Produktion nicht mehr lohnte. Die Maschine hat Hahn noch. Für den Fall, dass der Tonträger ein Revival erlebt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Jörg Hahn einen Totgesagten wiederbelebt.

Bernstein Antje

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