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Wirtschaft Starkes Stück: Diese Seife sollten Sie ausprobieren
Mecklenburg Mittleres Mecklenburg Wirtschaft Starkes Stück: Diese Seife sollten Sie ausprobieren
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19:00 04.12.2018
Starkes Stück: Carina Benkert (43) stellt in ihrer Manufaktur Jolu Seife her, die bei Fans von Naturkosmetik hoch im Kurs stehen. Mit den Pflegeprodukten hat die Dargunerin es nicht nur in etliche Badezimmer, sondern auch in die Regale zahlreicher Supermärkte und Bioläden in ganz Deutschland geschafft. Quelle: ANTJE BERNSTEIN
Dargun

Wer das Reich von Carina Benkert (43) betritt, taucht ein in eine Wolke aus Zitrus- und Blütenduft. Der Raum, in dem es einst nach Benzin roch, ist Schauplatz einer betörenden Seifenoper: In einem ehemaligen Autohaus in Dargun hat sich Carina Benkert ihre Schaumanufaktur für Naturkosmetik eingerichtet. Die Seifen, Cremes und Badepralinen vom Rand der Mecklenburger Seenplatte feiern einen Siegeszug quer durch die Republik. Die Beautyprodukte der Marke Jolu haben es in zahlreiche Einkaufsregale und Badezimmer geschafft. „Unsere Verkaufszahlen gehen durch die Decke“, freut sich die Unternehmerin.

Ihre Erfolgsgeschichte beginnt 2007 in der Familienküche: Weil handelsübliche Pflegeprodukte die Haut ihrer Söhne reizt, rührt Carina Benkert selbst Seife an. Das klappt so gut, dass bald auch Freunde sich damit eindecken wollen. „2010 habe ich meine Leidenschaft zur Kosmetik zum Beruf gemacht“, erzählt die Dargunerin. Damals arbeitet die Bürokauffrau in der Kfz-Werkstatt ihres Mannes Matthias. Die Seifesiederei ist zunächst ein Nebenerwerb. Heute kreiert sie hauptberuflich Rezepte, die sich gewaschen haben: Mehr als 40 verschiedene Sorten Seife hat Carina Benkert schon in ihrer Manufaktur entwickelt. Deren Name Jolu ist übrigens eine Hommage an ihre Kinder, Johann und Lutz.

Seifen, Cremes, Badepralinen: Die handgefertigten Produkte von Carina Benkert kommen ohne Chemie und unnötige Verpackung aus. Dafür stecken in der Naturkosmetik hochwertige Öle und duftende Rohstoffe.

Starke Stücke für die Schönheit

Mit einem Pürierstab mixt Carina Benkert die Zutaten für ein starkes Stück zusammen: Eisenkrautseife, ein Liebling ihrer Kunden. Dafür verseift sie auf 50 Grad erwärmte Öle und Fette mit in Schafsmilch aufgelöstem Ätznatron. Simone Hannemann, eine von drei Jolu-Mitarbeitern, reicht ihrer Chefin ätherische Öle von Eisenkraut, Lavendel und Verbene. Auch die kommen in die vanillepudding-ähnliche Masse. „Jetzt müssen wir schnell sein, sonst wird’s zu zäh“, sagt Carina Benkert und füllt den Großteil der Seife in eine Form ab. Den Rest färbt sie zu gleichen Teilen mit Naturfarben Rot und Schwarz, gießt beides im Zickzack-Muster auf die Grundmasse und verwirbelt alles mit einem Glasstab. „Hübsch marmoriert“, stellt sie zufrieden fest, steckt mit Trennplatten Seifenstücke ab und legt ein Tuch darüber. „Jetzt gehen sie schlafen.“ Über Nacht härtet die Masse aus. Bevor man die Seife benutzen kann, muss sie reifen. „Wie Käse“, scherzt Carina Benkert. Es dauert mindestens vier Wochen, bis der pH-Wert soweit gesunken ist, dass er die Haut nicht reizt.

Das Comeback eines Klassikers

Lange taugten Seifen nur zum Händewaschen. Seit ein paar Jahren feiert der Klassiker als Ganzkörper-Pflege ein Comeback. Von Hand hergestellt, formschön und mit hochwertigen Inhaltsstoffen cremen die neuen Seifen selbst sensible Haut streichelzart. „Seifen erleben eine Boom“, sagt Carina Benkert. Sie profitiere auch vom wachsenden Umweltbewusstsein bei Großstädtern, denn sie beschränkt sich auf das Notwendigste: Seifenstücke bleiben hüllenlos. Duschgel wird in Zuckerrohrflaschen, Cremes in Pfandgläser abgefüllt. „Unser Beitrag für eine bessere Welt“, erklärt die Naturkosmetikerin. Außerdem verzichte sie auf künstliche Farb- und Konservierungsstoffe. Lieber ist sie kreativ. Im Lippenpflegestift steckt belgische Schokolade, in der Rosenseife Schlagsahne. „Ich lasse meiner Fantasie freien Lauf.“ Gern verseift sie Regionales wie Dinkelkleie aus der Mühle im Nachbarort oder Kreide von der Insel Rügen. Für biozertifizierte Fairtrade-Ware reist sie bis nach Afrika: In Uganda kauft sie Sheabutter bei einer dörflichen Produktionsgemeinschaft ein. Eine Frauenkooperative aus Marokko beliefert sie mit Arganöl. „Nur durch fairen Umgang mit Natur und Mensch können hochwertige Produkte entstehen“, sagt Carina Benkert. Das kommt offenbar an: Hofläden, Bio- und Supermarktketten von MV bis Bayern haben Jolu in ihren Regalen.

Trendprodukt Shampoo Bar

Der Bestseller ist buchstäblich zum in die Haare schmieren: ein Shampoo Bar. Was aussieht wie ein vanillefarbener Hockeypuck, ist ein festes Haarwaschmittel. „Drei mal übers feuchte Haar streichen, aufschäumen, auswaschen, fertig. Spülung ist überflüssig“, erklärt Carina Benkert. In Beautyblogs sind die Bars der neuste Schrei. Die Dargunerin hat ihre Shampoostücke dagegen schon lang im Sortiment. „Aber am Anfang schlecht vermarktet“ bedauert sie. Inzwischen haben sie ihr Lobeshymnen von Frauenmagazinen, den Titel „Bestes neues Haarpflegeprodukt 2018“ auf der Naturkosmetikfachmesse Vivaness und viele Aufträge eingebracht. Die Chefin ist indes gedanklich schon beim nächsten potenziellen Hit: Pflege mit Kaktusfeigenöl. „Mein Geheimtipp.“ Sicher nicht ihr letzter. „Ich habe noch viele Ideen.“

Größter Markt für Naturkosmetik

2017 lag der Marktanteil von Naturkosmetik am deutschen Kosmetikmarkt bei rund neun Prozent. Zusammen mit naturnaher Kosmetik belief sich der Marktanteil auf 17 Prozent. Deutschland gilt mit 1,2 Milliarden Euro als mit Abstand größter Markt für Naturkosmetik in Europa. Naturkosmetik wird immer beliebter: Allein im vergangenen Jahr griff eine dreiviertel Millionen Konsumenten erstmals zu einem solchen Produkt. Naturkosmetik wird in der Regel aus pflanzlichen und mineralischen Rohstoffen hergestellt. Paraffine, Silikone, künstliche Duft- und Farbstoffe sind tabu. Geschützt ist der Begriff jedoch nicht. Auf Nummer sicher gehen Verbraucher mit zertifizierten Produkten, die etwa das NaTrue- oder das BDIH-Siegel tragen.

Antje Bernstein