Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Östliches Mecklenburg Der Folterer von Alt Rehse ist auf freiem Fuß
Mecklenburg Östliches Mecklenburg Der Folterer von Alt Rehse ist auf freiem Fuß
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:26 14.02.2019
Der Angeklagte Axel G. aus Alt Rehse im Landgericht Neubrandenburg bei seinem Prozess im Jahr 2017. Quelle: dpa
Neubrandenburg

Der Angeklagte im Prozess um den Foltertod einer Frau aus Alt Rehse (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ist wieder auf freiem Fuß. Das Landgericht Neubrandenburg hat den Haftbefehl gegen den 53-Jährigen aufgehoben, wie Gerichtssprecherin Gabriele Memmel am Donnerstag sagte. Angesichts der langen Dauer der U-Haft – der Mann sitzt seit Juni 2016 hinter Gittern – bestehe keine Fluchtgefahr mehr.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich überrascht und prüft, ob gegen die Entscheidung – wie im Herbst 2018 – Beschwerde beim Oberlandesgericht eingelegt wird. Damals war der 53-jährige nach dem geplatzten zweiten Prozess schon freigelassen, nach einer Woche nach Intervention der Staatsanwaltschaft aber wieder verhaftet worden.

Der Angeklagte erschien am Donnerstag trotzdem rechtzeitig mit einem seiner Anwälte zum dritten Verhandlungstag in dem Prozess, der ohne Öffentlichkeit geführt wird. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen.

Verfahren läuft unter strenger Geheimhaltung

Der Prozess läuft bisher planmäßig, wie Memmel erklärte. Um das Verfahren nicht zu gefährden, sollen vom Inhalt keine Details nach außen dringen. Nur das Urteil wird öffentlich verkündet. Geplant sind bisher noch 25 Verhandlungstage bis Anfang Juni, zu denen mehr als 50 Zeugen geladen sind. So sollen Dorfbewohner beschreiben, wie sich der Angeklagte im Dorf verhalten hat, bevor er im Frühsommer 2016 festgenommen wurde. Polizisten sollen über sein Gebaren beim Fund der Toten und seiner Festnahme Auskunft geben.

Das Haus in dem ein 53-jähriger Angeklagter eine junge Frau zu Tode gefoltert haben soll. Quelle: dpa

Damals mussten Polizisten mehrfach zu seinem Haus kommen, weil der Angeklagte Nachbarn immer wieder mit Lärm gegen sich aufbrachte. Einmal soll er in seinem Haus - einer ehemaligen Gaststätte - ein Feuer gelegt haben. Ihm wird vorgeworfen, seine 32 Jahre alte Lebensgefährtin 2016 im Streit im Haus nackt an ein Bett gefesselt und ausgepeitscht zu haben. Danach bekam das Opfer nichts zu Essen und zu Trinken, woran sie vermutlich starb, erklärten Rechtsmediziner. Der Angeklagte und das Opfer hatten sich über das Internet kennengelernt.

Leiche lag verwest in einer Sackkarre

Die Leiche wurde Wochen später halb verwest gefunden. Sie war in Stoff gehüllt auf eine Sackkarre im Haus gebunden worden. Der 53-Jährige war im ersten Prozess in Neubrandenburg 2017 als „vermindert schuldfähig“ eingeschätzt und zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, obwohl er ein Gespräch mit einer Psychiaterin verweigerte. In seinem letzten Wort erklärte er damals, dass es ihm Leid tue, dass er seiner Lebensgefährtin keinen Arzt geholt habe.

Sein Anwalt legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. In der Neuverhandlung solle umfassend geprüft werden, ob der Angeklagte möglicherweise ganz schuldunfähig war. Der zweite Prozess dazu war 2018 geplatzt.

Sollte das Gericht nun zu der Auffassung kommen, dass der Mann damals schuldunfähig war, könnte dieser freigesprochen werden. Möglich ist aber auch, dass die Kammer das Urteil aus dem ersten Prozess bestätigt. Der Angeklagte hatte Polizisten erklärt, er habe die Frau damals ausgepeitscht, weil „sie vom Bundesnachrichtendienst und von der Dorfbevölkerung auf mich angesetzt war“.

Nur wenn von dem Mann auch heute noch Gefahr ausgehe, könnte er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, erläuterte Memmel. Damit rechne die Staatsanwaltschaft bisher aber nicht, sagte Staatsanwalt Andreas Gentz und verwies auf das vorliegende psychiatrische Gutachten. Der Angeklagte hatte sich zuletzt mit einer Gutachterin in Ueckermünde doch noch unterhalten. Diese nimmt auch am Prozess teil.

Mehr zum Thema

Winfried Wagner