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Östliches Mecklenburg „Ein bisschen Angst machen“: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht
Mecklenburg Östliches Mecklenburg „Ein bisschen Angst machen“: Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht
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14:30 10.01.2019
Im Prozess gegen einen Mann aus Afghanistan, der Asylbewerber in Vorpommern attackiert und mit Messern verletzt haben soll, hat der Angeklagte eine Tötungsabsicht bestritten. (Symbolfoto) Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Neubrandenburg

Im Prozess gegen einen Mann aus Afghanistan, der Asylbewerber in Vorpommern attackiert und mit Messern verletzt haben soll, hat der Angeklagte eine Tötungsabsicht bestritten. Er habe zu dem ersten Geschädigten zwar damals gesagt „Ich schlitz dich auf“, aber das sei nicht so gemeint gewesen, erklärte der 27-Jährige am Donnerstag zum Prozessauftakt am Landgericht Neubrandenburg. Er habe sich im Juli 2017 in den Peenewiesen bei Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) zudem in einer Art Notwehrsituation befunden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung in drei Fällen vor.

Er soll Männer aus Syrien und Sierra Leone im Juli 2017 in Anklam sowie im Juli und Oktober 2018 in Greifswald mit Messern und einer abgebrochenen Bierflasche attackiert und verletzt haben. In den beiden ersten Fällen wird ihm versuchter Totschlag vorgeworfen.

„Ein bisschen Angst machen“

Bei dem Angeklagten handelt es sich um einen Zuwanderer, der 2013 über Ungarn in die EU und dann nach Deutschland kam. Er sei über München und Hamburg nach Vorpommern gekommen, erklärte der 27-Jährige. Man habe ihn 2015 nach Ungarn zurückgebracht, dann sei er mit der Flüchtlingswelle wieder zurückgekommen.

Im Juli 2017 habe er mit Freunden in Anklam an der Peene gefeiert und Alkohol getrunken. Plötzlich habe es Streit mit einer anderen Gruppe gegeben. Als er dort schlichten wollte, habe er einen Schlag ins Gesicht bekommen. „Ich blutete, bin zurückgegangen und habe mein Messer geholt“, sagte der 27-Jährige. Weil der Syrer ihn geschlagen habe, habe er diesem mit dem Messer „ein bisschen Angst machen wollen“.

Angeklagter verletzte sich selbst mit Messer

Bei der Auseinandersetzung habe er ihn am Arm verletzt. In seiner Heimat sei es zudem üblich, dass man solche Drohungen aus Wut sage, wenn man vorher geschlagen wird. Nach dem ersten Vorfall fügte sich der Angeklagte aus Wut selbst Schnittwunden am Rücken und am Hinterkopf zu, wie er am Gericht erklärte. Er sei auf sich selbst wütend gewesen, weil er sich unter Alkohol nicht unter Kontrolle gehabt habe.

Zu den anderen Vorwürfen will sich der Angeklagte an den nächsten Verhandlungstagen äußern. So soll er einen Geschädigten aus Sierra Leone im Sommer 2018 mit einem Brotmesser verfolgt und gedroht haben, ihn umzubringen. Er habe den flüchtenden Mann auch verletzt, bis Wachmänner in dem Heim Schlimmeres verhindert hätten, erklärte der Staatsanwalt. Seit dem letzten Fall im Oktober 2018 ist der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Für den Prozess sind bisher drei Verhandlungstage geplant. Nächster Verhandlungstag ist der 14. Januar. Ein Urteil soll frühestens am 21. Januar fallen.

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Von Winfried Wagner, dpa