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Mecklenburg Resturlaub übrig? Nicht verzichten!
Mecklenburg Resturlaub übrig? Nicht verzichten!
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06:00 01.12.2018
Viele Arbeitnehmer verzichten freiwillig auf Urlaubstage. Quelle: dpa-tmn
Rostock

Das Jahresende naht, der Stress mit den freien Tagen beginnt: Viele Arbeitnehmer im Land haben noch gut gefüllte Urlaubskonten und sind unter Druck, sie schnell zu leeren. Möglichkeiten, freie Zeit für später aufzuheben, gibt es zwar, doch noch werden die offenbar nur von wenigen Unternehmen im Land angeboten.

Der DGB Nord rät dazu, Urlaubsansprüche voll auszuschöpfen. Wer sie über Jahre hinweg anspare, schädige damit seine Gesundheit. In Zeiten „hoher Arbeitsdichte und einem großen Wildwuchs an Überstunden“ werde immer mehr Arbeitnehmern bewusst, wie wichtig Erholung sei, sagt der DGB-Nord-Vorsitzende, Uwe Polkaehn. „Unsere Befragungen haben ergeben, dass nur 47 Prozent der Beschäftigten davon ausgeht, bis zur Rente durchhalten zu können.“ Kein Wunder: Einer DGB-Studie zufolge verzichtet jeder Dritte zugunsten der Arbeit auf Urlaubstage.

Das Land sei geprägt von kleinen und mittelständischen Betrieben, sagt Sven Müller, Geschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände in MV. In denen gelte in der Regel, was das Bundesurlaubsgesetz vorgebe. Demnach beträgt der Mindesturlaub vier Wochen und muss im laufenden Kalenderjahr genommen werden, damit er nicht verfällt. Ausnahmen: Kann der Arbeitnehmer Urlaubstage wegen personeller Engpässe oder bei erhöhtem Arbeitsbedarf im Betrieb nicht nehmen, oder weil schwerwiegende persönliche Gründe (Elternzeit, Langzeiterkrankung) vorliegen, darf er sie bis zum 31. März des Folgejahres verschieben. In anderen Fällen darf der Anspruch nur dann mit ins neue Jahr genommen werden, wenn der Chef dem ausdrücklich zustimmt oder es im Unternehmen entsprechende Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträge gibt.

EugH stärkt Arbeitnehmer

Damit Arbeitnehmer ihr Urlaubskonto innerhalb des Jahres leeren, hat der Europäische Gerichtshof unlängst Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter explizit darauf hinzuweisen, dass sie noch x Tagen zu nehmen haben. Falls der Mitarbeiter die Tage dennoch nicht nimmt, könnte der Urlaub ersatzlos verfallen. Dafür muss der Arbeitgeber allerdings nachweisen, dass er seinen Mitarbeiter umfassend informiert und ihn in die Lage versetzt hat, den Urlaub zu nehmen.

An der Uniklinik Greifswald gelten tarifvertragliche Regelungen mit Bezug auf das Bundesurlaubsgesetz. Ziel sei, „dass alle Beschäftigten ihren Urlaub in der dafür vorgesehen Zeit in Anspruch nehmen“, heißt es. Sollte dies einmal nicht möglich sein, werde versucht, gemeinsam mit den Mitarbeitern eine Lösung zu finden. Beim Rostocker Kranbauer Liebherr werde Urlaub nur in Ausnahmen verschoben und weder angespart noch ausgezahlt, sagt eine Sprecherin. Bundesweit gibt es hingegen Firmen, in denen Mitarbeiter Urlaub auf Langzeitkonten sammeln können. So hat der Sportartikelhersteller Adidas sogenannte „MyTime“-Konten eingerichtet, auf die bis zu acht Urlaubstage pro Jahr übertragen werden können. Die angesparte Zeit werde in Geld umgewandelt und könne für langfristige Freistellungen genutzt werden, etwa für eine Auszeit mit der Familie, so eine Sprecherin.

Eine gesetzliche Grundlage dafür bietet das sogenannte Flexi-II-Gesetz. Genutzt wird es dem Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge aber kaum. Demnach stagniert der Anteil der Betriebe mit separaten Langzeitkonten seit Jahren bei zwei Prozent. Die meisten Betriebe sehen offenbar organisatorische Schwierigkeiten. Aber auch die Rückstellungen für nicht genommene Urlaubstage schrecken ab. Diese sind nötig, um Arbeitnehmer etwa im Fall einer Kündigung die Tage ausbezahlen zu können.

VUMV-Chef Müller steht neuen Lösungen offen gegenüber. „Der Arbeitskräftemangel und die zu erwartenden Einflüsse der Digitalisierung auf die Arbeit der Zukunft, werden flexiblere Modelle der Urlaubsgewährung mit sich bringen.“ Betriebliche Interessen müssten dabei ebenso berücksichtigt werden wie die der Arbeitnehmer. Cornelia Rose-Olbrisch vom Branchenverband für die Druck- und Medienindustrie in MV ist skeptisch. Wenn Erholungsphasen aufgeschoben werden, dürfte das gravierende Auswirkungen auf die Krankenstände haben.“ Für die „zunehmend freizeitorientierten Arbeitnehmer“ seien Angebote wie die ab nächstem Jahr mögliche Brückenteilzeit interessanter. Arbeitszeitkonten seien nur dann gut, wenn sie auf Augenhöhe mit den Beschäftigten und deren Gewerkschaft verhandelt und in Tarifverträgen für alle klar geregelt sind, sagt der DGB Nord. „Wir sehen allerdings immer wieder, dass Arbeitgeber nur eigene Flexibilitätsansprüche durchsetzen wollen und die Interessen ihrer Beschäftigten beiseiteschieben.“ Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste, meint: Arbeitszeitkonten taugten nur als Zusatz zur normalen Urlaubsregelung und müssten auf freiwilliger Basis vereinbart werden.

Antje Bernstein und Aleksandra Bakmaz, dpa

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