Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Mecklenburg Mehr MV im Bier: Rostocker Malzfabrik verarbeitet Gerste aus der Region
Mecklenburg Mehr MV im Bier: Rostocker Malzfabrik verarbeitet Gerste aus der Region
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:28 12.02.2019
Ein Lkw verlässt die Malteurop-Malzfabrik im Rostocker Seehafen. Das Werk beliefert viele große Brauereien in Norddeutschland.  Quelle: Elke Ehlers
Rostock

Die Rostocker Malzfabrik will wieder mehr Getreide aus der Region verarbeiten. Bereits mit der kommenden Ernte soll sich der Aufkauf in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg verdoppeln. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bezog Malteurop nur noch 4000 Tonnen Braugerste im ostdeutschen Norden, 2018 waren es wegen der schlechten Ernte gerade mal 2500 Tonnen. „8000 Tonnen sollen es 2019 werden“, sagt Betriebsleiter Heiko Drechsler. Die Firma sei an stabilen Beziehungen zu Landwirten in der Region interessiert, betont der gebürtige Berliner, der das Werk in Rostock seit 25 Jahren leitet. Über das neu aufgelegte Programm „Regionale Gerste“ sollen „mit langfristigen Direktverträgen Preismodelle aufgebaut werden, die den Anbau für die Bauern wieder attraktiv machen“. Malteurop wolle sich „als zuverlässiger Partner der Landwirte“ etablieren, meint Drechsler – und verweist auf die Geschichte des französischen Konzerns, der als Zusammenschluss französischer Genossenschaften entstand. Eine ständige Kooperation gebe es nur noch mit knapp zehn Agrarbetrieben in der Region.

Rostocker Werk braucht 120 000 Tonnen Gerste pro Jahr

Das war einmal anders, erinnert sich der 54-Jährige, der an der Humboldt-Universität Lebensmitteltechnologie studiert hat. In guten Jahren bezog die Firma 20 000 bist 25  000 Tonnen Braugerste aus Mecklenburg-Vorpommern. „Es ist schade, dass sich das so verloren hat“, meint Drechsler. Insgesamt braucht das 1993 im Rostocker Seehafen eröffnete Werk, das 25 Mitarbeiter beschäftigt, pro Jahr rund

Da braut sich was zusammen

Malz ist ein wichtiger Rohstoff für die Bierherstellung. Dabei handelt es sich um Getreide, das kurzzeitig zum Keimen gebracht und dann wieder getrocknet wird. Das ist erforderlich, damit die Stärke im Getreidekorn in kleinere Zuckermoleküle zerlegt werden und später vergoren werden kann. Beim Mälzen entstehen Enzyme, die für das Bierbrauen, aber auch für die Whiskyherstellung notwendig sind.

Für Pilsner Bierwird ausschließlich Gerstenmalz verwendet. Weizenbiere entsteht aus Weizen- und Gerstenmalz. Im Sudhaus der Brauerei wird dem Malz beim Maischen nochmals Wasser zugesetzt. Später kommen Hopfen und Hefe dazu.

Die französische Malteurop-Gruppe besitzt 27 Industriestandorten in 14 Ländern mit rund 1200 Mitarbeitern. Mit einer jährlichen Produktionskapazität von mehr als 2,2 Millionen Tonnen gehört sie zu den größten Anbietern in der Malzindustrie weltweit. Die 1984 gegründete Gruppe gehört einem Zusammenschluss französischer von Genossenschaften.

120  000 Tonnen Gerste. Daraus entstehen dann 95 000 Tonnen Malz.

Geliefert wird das Produkt an Brauereien in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. In MV gehören die Brauereien in Stralsund (Vorpommern-Rügen), Lübz (Ludwigslust-Parchim), Dargun (Mecklenburgische Seenplatte) und – ganz naheliegend – die Hanseatische Brauerei Rostock zu den Abnehmern des Naturprodukts. Ein Teil des Malzes geht auch in den Export, berichtet Drechsler. So wurde der Ausgangsstoff für die Bierherstellung schon nach Nikaragua, Kolumbien, Vietnam und Südkorea verschifft.

Dass Malteurop wieder mehr Gerste aus der Region beziehen will, stößt in der Braubranche auf Zustimmung. „Wirtschaftlich ist es ein Vorteil, wenn weniger Geld auf der Straße beim Transport verloren geht“, meint Karsten Triebe von der Störtebeker Braumanufaktur Stralsund. Aber auch ökologisch seien kurze Wege bei der Rohstoffanlieferung sinnvoll.

Importe aus Skandinavien und Frankreich

Da in Mecklenburg-Vorpommern jedoch kaum noch Braugerste angebaut wird, bezieht das Rostocker Werk den Rohstoff seit mehreren Jahren fast ausschließlich aus Skandinavien, Großbritannien und Frankreich. Durch die Anlieferung per Schiff würden pro Ladung bis zu 3000 Tonnen im Werk eintreffen. „Mit kleineren Chargen aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg wären wir flexibler“, begründet der Werkleiter das Interesse an der regionalen Beschaffung des Rohstoffs.

Weizen, Raps und Mais hatten Braugerste in den vergangenen Jahren von hiesigen Feldern immer weiter verdrängt, bestätigt der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Braugerstenanbaus, Dr. Joachim Vietinghoff. „Zeitweise ging das sogar gegen Null“, bedauert Vietinghoff. Der Grund: Der Anbau der sensiblen Kultur ist mit Risiken verbunden. Trockenheit und Hitze führen dazu, dass der Eiweißgehalt die von der Mälzerei geforderte Grenze überschreitet. Dann muss der Landwirt die Kultur als Futtergetreide verkaufen – meistens zu niedrigeren Preisen. Doch als Vize-Chef des Landes-Landwirtschaftsamtes und Leiter des Pflanzenschutzdienstes kennt Vietinghoff die Vorteile dieser Pflanzen: Sie brauchen wenig Dünger, vereinfachen in Arbeitsspitzen Abläufe auf dem Acker und schaffen mehr Abwechslung in der Fruchtfolge.

Großer Vorteil: wenig Stickstoffdünger

„Wir werden die Braugerste wieder brauchen“, ist Vietinghoff überzeugt. Die neue Düngeverordnung setze den Bauern engere Grenzen für den Einsatz von Stickstoffdünger. Nachdem lange Zeit nur Sommergersten-Sorten zu Verfügung standen, gebe es jetzt Neuzüchtungen mit höheren Erträgen. Einige Agrarbetriebe in MV hätten mit Wintersorten bereits gute Erfahrungen gemacht.

Auf Rügen hat die Agrar GmbH Wittow-Süd viele Jahre Braugerste angebaut, dann aber fünf Jahre ausgesetzt. Zeitweilig war der Anbau von Weizen lukrativer, räumt Geschäftsführer Peter Schwuchow ein. „Aber jetzt fangen wir wieder an.“ Im Herbst seien bereits 100 Hektar mit Wintersorten bestellt worden, im Frühjahr sollen noch 30 Hektar Sommergerste dazukommen, berichtet der Landwirt. Wichtiges Argument für den Wiedereinstieg: der niedrige Düngerbedarf.

Elke Ehlers

MV aktuell Rektor äußert sich zur Rostocker Unimedizin - Uni-Rektor Schareck kritisiert zu hohe Chefarzt-Gehälter

Dass Spitzenkräften in der Medizin Gehälter wie im Profi-Fußball geboten werden, ist eine bedauerliche Entwicklung, meint Prof. Wolfgang Schareck, Rektor der Rostocker Universität.

11.02.2019

Der Schweriner Agrarexperte Jörg Brüggemann widerspricht: Die aktuelle Regelung, nach der Ferkel noch zwei Jahre ohne Betäubung kastriert werden dürfen, ist rechtskonform.

05.02.2019

Die Umweltorganisation BUND ist überzeugt, dass die Baugenehmigung einer Hühner-Großanlage in Fienstorf vor Gericht gekippt werden kann.

01.02.2019