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Rostock 17 000 Raser am Tag: Kreis blitzt jetzt in Sievershagen
Mecklenburg Rostock 17 000 Raser am Tag: Kreis blitzt jetzt in Sievershagen
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00:00 19.04.2013
Der Landkreis Rostock hat einen neuen Blitzer an der B 105 bei Sievershagen aufgestellt. Quelle: Andreas Meyer
Sievershagen

Eine ganz böse Überraschung gibt es für Tempo-Sünder auf der B 105: Seit gestern wird in Sievershagen rund um die Uhr geblitzt. Der Landkreis Rostock rüstet entlang der Bundesstraße auf. Direkt vor der Gaststätte „Ziegenkrug“ hat das Landratsamt die erste stationäre Messanlage im Bereich des Altkreis Doberan aufstellen lassen — weil sich hier kaum ein Autofahrer an das Tempo-Limit hält.

„Drei von vier Autofahrer sind hier zu schnell unterwegs“, sagt Landkreis-Sprecherin Petra Zühlsdorf-Böhm. Auch die Hansestadt Rostock plant noch mehr Messanlagen, kündigt Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne) an.

Der hochmoderne Blitzer in Sievershagen, der in beide Fahrtrichtungen messen und fotografieren kann, stammt aus Güstrow. Er stand dort bisher an der Rostocker Straße. „Doch da wird ein Kreisel gebaut. Das macht die Anlage überflüssig“, so ZühlsdorfBöhm. Der Grund, warum ausgerechnet die Durchfahrt Sievershagen als neuer Standort ausgesucht wurde: Die Bundesstraße gilt dort als eine der meist befahrenen im ganzen Land — mit fast 23 000 Fahrzeugen pro Tag. Und deren Fahrer sollen jetzt gezwungen werden, nur noch die erlaubten Tempo 50 zu fahren. „Bei Messungen im Vorfeld stellte sich heraus, dass 77,7 Prozent der Autos zu schnell waren“, sagt die Kreissprecherin.

In der Gemeinde Lambrechtshagen, zu der Sievershagen gehört, sind die Verantwortlichen begeistert über den neuen Blitzer: „Wir wollten schon selbst einen aufstellen. Aber das dürfen nur die Landkreise und die kreisfreien Städte“, sagt Bürgermeister Gerhard Matthies (CDU). „Wir erhoffen uns mehr Sicherheit für unsere Bürger. Schließlich leben in Sievershagen auch viele junge Familien mit Kindern.“

Selbst der Automobilclub ADAC hat per se nichts gegen die Messanlage: „Stationäre Blitzer können tatsächlich ein Mittel sein, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Voraussetzung ist aber, dass sie dort aufgestellt wird, wo es wirklich häufiger zu Unfällen kommt“, erklärt Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa in Hamburg. Er schränkt jedoch ein: „Wir sind aber gegen jeden Blitzer, der den Zweck hat, die klammen kommunalen Budgets aufzufüllen.“ Zum Fall Sievershagen will der Club nichts sagen.

Im Landkreis Rostock gibt es drei feste Messstellen: An der Schweriner Straße in Güstrow, in Teterow und nun in Sievershagen.

Sechs Anlagen hat die Hansestadt Rostock aufgestellt — einige blitzen bisher aber nur Rotlicht-Sünder. Drei der modernen Blitzersäulen wurden 2010 in Rostock für die Straße Am Strande, die Hamburger und die Stadtautobahn in Lichtenhagen angeschafft. Schon bald sollen weitere Tempo-Messgeräte hinzukommen: „Überall dort, wo wir permanent messen, sind die Unfallzahlen spürbar zurückgegangen“, so Senator Matthäus.

„Außerdem helfen die Anlagen, die Abgas- und Lärmemissionen zu verringern.“ Im Rahmen des neuen Mobilitätsplanes für die Stadt werde auch über neue Blitzer beraten. „Ich könnte mir Blitzer an gut ein Dutzend Straßen in der Stadt vorstellen — etwa am Südring“, sagt Holger Matthäus.

Andreas Meyer

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