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20 Zentimeter Schnee: Der Winter dreht noch mal auf

Erneuter Kälteeinbruch: Frühlingsgefühle müssen noch warten 20 Zentimeter Schnee: Der Winter dreht noch mal auf

Mancher hatte schon die Balkonkästen bepflanzt — doch das Wetter hatte andere Pläne. Die Stadt ist nochmal großzügig geweißt. Das schmeckt nicht jedem.

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Der Wagen rutschte gegen einen Baum.

Quelle: Stefan Tretropp

Evershagen. Robert Thülsen stand am Sonnabend schon vor der Werkstatt und wollte seinen Wagen frohgemut von den Winterreifen befreien. Da stellte er fest: Die Bude war schon zu. „Ich hatte Glück“, sagt der 33-jährige Rostocker in der Rückschau. Denn er hatte sich wie viele zu früh gefreut: Der Winter hat allen eine Nase gedreht und kehrte noch mal zurück. Mit Wucht — bis zu 20 Zentimeter Neuschnee kredenzte er und minus drei Grad, die sich dank Wind wie minus 16 anfühlten. Nichts für Sonnenkinder.

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Zum Spazieren- gehen ist es wunderbar, ich bin dann früh unterwegs. Warm anziehen, Tee trinken — das Beste daraus machen.“Marianne Röpcke (77), Lütten Klein

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Gestern früh stellen die Schneemassen die Autofahrer vor sportliche Hürden. Da müssen schon mal vier Männer ein störrisches Auto aus wadenhohen Schneemassen bugsieren. Mancher macht sein Vehikel erst nach minutenlanger Suche im uniformen Fuhrpark aus. Mittags allgemeine Zufriedenheit mit den Meistereien: Wichtige Straßen und Zufahrten sind geräumt. Die Winterdiensthabenden hatten ja auch einen langen Winter Zeit, sich einzuspielen. Gesperrte Straßen, eingeschneite Dörfer? Fehlanzeige. „Und wenn es Schnee bis Ostern gibt — wir sind vorbereitet“, sagt Steffen Böhme (45) von der Rostocker Stadtentsorgung. Die Salzlager seien voll, 70 Leute im Einsatz, „ohne Pause“. Allerdings, räumt Böhme lächelnd ein: „Wenn dies das letzte Aufbegehren des Winters sein sollte, wären wir nicht unglücklich.“ Mitte vergangener Woche habe er noch in Berlin gesessen: bei 15,5 Grad plus und Sonne.

Kollege Ronald Normann (49), Leiter des Straßenbauamts Güstrow, hat zu seinen sechs Meistereien mit je zehn Leuten und noch mehr Fahrzeugen auch Fremdpartner ins Boot geholt. „Wir haben die Straßen im Griff.“ Außergewöhnlich finde er es aber schon, dass der Winter so spät noch mal ein Intermezzo einlege.

Genervt davon ist der Rostocker Olaf Lemme (49). Er habe das Gefühl, „der Winter dauert immer länger“, sagt er und schaut in der Innenstadt betrübt auf die schneebestäubten Wege. Das sei nur gefühlt so, stellt Diplom-Meteorologe Lars Kirchhübel (34) vom Deutschen Wetterdienst klar: „Die Winter der jüngeren Vergangenheit, etwa der Neunziger, verliefen sehr mild.“ Dadurch empfinde man jene von 2005 bis heute mit knackiger Kälte als extremer, als sie eigentlich seien. Zu Ostern beispielsweise habe es schon öfter Schnee gegeben. „Und Ostern gibt es selten vor Mitte März“, sagt Kirchhübel.

Also alles im Normalbereich.

Und wer das alles schon seit Monaten gewohnt ist, lässt sich ohnehin so schnell nicht mehr beeindrucken. Feuerwehr, Polizei und Kliniken geben gestern kollektiv Entwarnung: Keine schweren Glätteunfälle, nicht mehr gebrochene Beine als sonst, keine blockierten Nebenstraßen. „Wir haben Wärme im Herzen“, kommentiert Stefan Kieckhöfer, Leiter der Feuerwehr-Leitstelle gutgelaunt den finalen Kälteeinbruch. Und: „Wir haben die Dienstanweisung für den Winter wieder herausgekramt.“

Gut vorgeschlafen hatten die Bereitschaftsmitarbeiter, die in der Nacht zu Montag von der Leitstelle der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) in die Schneenacht geschickt wurden: Acht Stunden lang schaufelten und sprühten sie mit einem Spezialfahrzeug die Gleise frei, räumten 140 Haltestellen, enteisten Oberleitungen. Verspätungen mussten die Kunden nicht beklagen, bei den Bussen seien sie minimal geblieben, sagt RSAG-Sprecherin Beate Langner (36).

Die Stadt Laage schlägt übrigens seit gestern über ihr Facebook-Profil fürsorgliche Töne an: Eltern, die wegen der Witterung auf dem Schulweg Angst um ihr Kind hätten, könnten es zu Hause behalten oder früher abholen. Vier Leute haben nach Portal-Geflogenheit angeklickt, ihnen „gefalle das“. Sicher alles Schüler.

Auto rutscht gegen Baum
Glätte und starker Schneefall waren gestern Hauptursachen für mehrere Verkehrsunfälle, bei denen es zumeist bei Blechschäden blieb. Im Sievershäger Weg in Evershagen überfuhr ein Autofahrer den Fußweg und prallte gegen einen Baum. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt kein Fußgänger unterwegs. Am Auto entstand Sachschaden. Der Fahrer befreite sich unverletzt aus seinem Wagen. Stefan Tretropp

Kerstin Beckmann

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