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25 000 Euro je Kind: Streit in Rostock um 24-Stunden-Kita

Rostock/Greifswald 25 000 Euro je Kind: Streit in Rostock um 24-Stunden-Kita

Einrichtung braucht höhere Zuschüsse / Petition für mehr Erzieher in MV

Rostock/Greifswald. Neuer Ärger um die umstrittene 24-Stunden-Kita in Rostock: Die Einrichtung, in der Kinder auch über Nacht sowie an den Wochenenden betreut werden können, wird für die Hansestadt offenbar deutlich teurer als bisher angenommen. Rostock soll 2017 mehr als 75000 Euro an ExtraZuschüssen für die Rund-um- die-Uhr-Betreuung zahlen. Doch bisher gibt es nach Angaben der Stadt gerade mal drei Kinder, die das Angebot überhaupt nutzen. Die Linke übt deshalb scharfe Kritik: „75000 Euro für drei Kinder – damit hat Rostock die teuersten Kita-Plätze mindestens in ganz MV“, sagt der Linken-Landtagsabgeordnete Karsten Kolbe.

Der Träger der Kita, die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP), weist die Kritik zurück: Die Zahlen stimmen nicht. Es gebe deutlich mehr Anmeldungen, so Projektleiter Wolfgang Richter.

Auslöser des neuen Ärgers: Der Bund hat bis 2018 Fördermittel von bis zu 200000 Euro pro Jahr für die 24-Stunden-Kita zugesagt. Bisher hieß es, dass die Stadt erst dann zusätzliches Geld geben muss, wenn die Mittel des Bundes nicht ausreichen und die Kita voll belegt ist. Doch das sieht Berlin anders: Rostock müsse in jedem Fall zahlen – bis zu 150000 Euro im Jahr. Das Rathaus lehnt das ab: „Bisher haben wir Zuschüsse nur gezahlt, wenn ein Kita-Platz wirklich in Anspruch genommen wurde. Im Fall der 24-Stunden-Kita soll die Stadt eine feste Summe zahlen – egal wie viele Kinder am Ende betreut werden. Das halten wir für falsch“, sagt Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke). Dass ein Vierteljahr nach dem Start erst drei Kinder für die Zusatz-Angebote angemeldet seien, will Bockhahn nicht kommentieren. Die Verwaltung hatte stets betont, es gebe zu wenig Nachfrage für eine 24-Stunden-Kita, die Politik sah das anders.

Die GGP weist zurück, dass die Nachfrage gering sei: „Wir haben bereits acht Anmeldungen, bis zum Sommer sind alle zwölf Plätze belegt. Wir brauchten eine Anlaufphase“, sagt Projektleiter Richter.

Indes wächst landesweit der Frust über fehlende Kita-Erzieher. 4489 Eltern aus MV unterzeichneteten bis gestern Abend eine Online-Petition, in der Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) aufgefordert wird, mehr Erzieherinnen einzustellen. „Bitte verbessern Sie den Betreuungsschlüssel in MV auf ein realistisches Niveau – für Kinder von drei bis sechs Jahren auf 1:8 und für Kinder bis drei Jahre auf 1:4“, heißt es in dem Aufruf.

Hintergrund sind unter anderem Studien der Bertelsmann-Stiftung, wonach eine Erzieherin in MV bundesweit die meisten Kinder betreuen muss. Bei den Drei- bis Sechsjährigen kommt im Schnitt eine Fachkraft auf 14,1 Kinder. Bei Kindern unter drei liegt MV im Ländervergleich auf Platz 13, mit 5,7 Kindern pro Erzieherin aber immer noch deutlich unter dem von der Stiftung empfohlenen Verhältnis von 1:3. Initiator der Petition ist der Greifswalder Eric Wallis. Er könne nicht verstehen, dass Geld für den Bau von Yachthäfen aufgebracht wird, aber nicht für Kinder.

Axel Büssem und Andreas Meyer

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