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Rostock 38-Stunden-Woche: Schüler in MV fühlen sich ausgebrannt
Mecklenburg Rostock 38-Stunden-Woche: Schüler in MV fühlen sich ausgebrannt
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15:10 30.08.2018
Sind die Abiturienten in MV durch das Turbo-Abitur überfordert? (Archivfoto) Quelle: dpa
Rostock

Sind die Abiturienten in MV überfordert? Lilly Blaudszun (17), Zwölftklässlerin aus Ludwigslust, hat mit einem aufwühlenden Schreiben eine Debatte darüber angestoßen, ob das Abitur nach zwölf oder 13 Jahren abgelegt werden sollte. Sie und ihre Mitschüler seien ausgebrannt, hätten die Lust am Lernen längst verloren und zu wenig Freizeit. 2008 wechselte MV zum TurboAbitur, seither werden immer wieder Klagen über Stress laut.

Gymnasiastin Lilly Blaudszun (17) zeichnet ein düsteres Bild vom Leistungsdruck beim Abitur in MV.  Viele Schüler seien ausgebrannt. Quelle: privat

„Die Reform des Bildungssystems ist gescheitert“, erklärt Blaudszun. Sie selbst habe eine 38-Stunden-Woche am Gymnasium, hinzu komme die Vorbereitung auf bis zu ein Dutzend Tests in der Woche, Klausuren und Hausaufgaben. Sie wolle nicht mehr, „dass Schüler aufgrund von Bildung zusammenbrechen“. Pikant: Die Schülerin ist Vize-Chefin der SPD-Jugendorganisation Jusos im Land – und stellt sich offen gegen die Politik ihrer eigenen Partei.

Weniger Zeit, aber nicht weniger Stoff

Abi nach 13 Jahren – diese Forderungen macht auch der Philogenverband MV, die Gewerkschaft der Gymnasiallehrer, auf. Mit zwölf Jahren gebe es „ein Jahr weniger Zeit, aber nicht weniger Stoff“, so Verbandschef Jörg Seifert. Die geforderten Stunden seien auf weniger Jahre „komprimiert“. Für Seifert ein klarer Nachteil der Schüler in MV gegenüber anderen Bundesländern. Folge: Schüler stünden permanent unter Zeitdruck, viele gäben auf. Andere Länder drehen bereits auf 13 Jahre zurück, zuletzt Nordrhein-Westfalen.

Eine Änderung regt auch der Landeselternrat an. Dieser stehe zwar zum Abitur nach zwölf Jahren, sagt Vorsitzender Kay Czerwinski. „Aber die Rahmenbedingungen müssen dringend verbessert werden.“ Die Schulstunden seien immer noch mit „unnützem Stoff“ überfrachtet. Ein Abiturient habe heute eine 36- bis 40-Stunden-Woche plus Hausaufgaben. „Mehr als Erwachsene“, so Czerwinski. Der Wechsel hin zu nur noch zwei Leistungskursen in der Oberstufe ab Schuljahr 2019/20 (Ist: sechs Hauptfächer) gehe in die richtige Richtung. Das größte Problem bleibe aber der Lehrermangel – „das beherrschende Thema“.

Neue Inhalte und weiter Schulwege

Die Politik greift die Debatte auf. „Es gibt gute Argumente für die Rückkehr zum 13. Schuljahr“, sagt Bernhard Wildt (BMV), etwa die zunehmenden Unterrichtsinhalte durch Digitalisierung oder neue Forschungsergebnisse. Hinzu kämen lange Schulwege. Wildt fordert, zu erforschen, was das fehlende Jahr bei Studienanfängern bewirkt hat. Dagegen fordert Simone Oldenburg (Linke): Die Rahmenpläne der gymnasialen Bildung müssten reformiert werden. Vorschlag: Stunden der Klassen 11 und 12 sollten auf untere Klassenstufen verteilt werden.

Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) lehnt eine Rückkehr zum 13-Jahr-Abitur ab. Marc Reinhardt (CDU) spricht sich gegen ein „Herumdoktern am Schulsystem“ aus. Schon jetzt bestehe die Möglichkeit, an Fachgymnasien die längere Schulzeit zu nutzen.

Frank Pubantz

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