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Rostock 400 Rettungswagen für den Iran
Mecklenburg Rostock 400 Rettungswagen für den Iran
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07:41 13.12.2017
Die Mechaniker Kay Patzwaldt (vorn) und Michael Heitmann montieren Vorderachsen für Mercedes-Allrad-Fahrzeuge. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Laage

Der österreichische Autozulieferer und Fahrzeugbauer „Oberaigner Automotive“ hat seinen bisher größten Auftrag für den Standort Laage an Land gezogen: Bis April sollen die Mitarbeiter hier 400 Mercedes Sprinter mit einem permanenten 4x4-Allradantrieb ausstatten. Auftraggeber ist das iranische Gesundheitsministerium. Im Mittleren Osten sollen die Transporter später als Rettungswagen zum Einsatz kommen. Der Laager Betriebsleiter Jan Leipholz freut sich über den Coup: „Die Beharrlichkeit der vergangenen Jahre hat sich ausgezahlt“, sagt er. Denn einige Male schon seien sicher geglaubte Aufträge noch geplatzt oder zögen sich weiter hin. Nun habe es endlich geklappt.

Fahrzeugbauer Oberaigner rüstet Transporter mit permanenten Allrad aus. 70 Mitarbeiter in Laage beschäftigt.

Seit fünf Jahren macht die Firma Oberaigner in Laage herkömmliche Fahrzeuge entweder geländegängig oder liefert die Voraussetzungen dafür an die Autoindustrie. „Wenn ein normales Allradauto nicht mehr ausreicht, dann kommen wir ins Spiel“, sagt Leipholz. Die Firma versieht die Autos erst mit der für den Allradantrieb entscheidenden Differenzialsperre. Sie verhindert das Durchdrehen der Räder, löst die starre Verbindung der Achse zu den beiden Rädern auf.

Als Partner der Daimler AG hat Oberaigner auch den Werks-Allradantrieb für die Modelle „Vito“, „Viano“ und „Sprinter“ entwickelt. Und als Eigenentwicklung des Unternehmens bekommen Fahrzeuge in Laage auf Wunsch drei Spezialachsen und so einen 6x6-Antrieb.

Rund 24 Millionen Euro haben die Österreicher 2012 in die Ansiedlung in Laage investiert. Das Land war daran mit einer Förderung von 5,7 Millionen Euro beteiligt. Inzwischen ist die Zahl der Mitarbeiter von 50 auf 70 gestiegen. Gleichzeitig verdoppelte Oberaigner die Anzahl der Arbeitsbühnen auf 18 und schaffte neues Werkzeug an. Zwischen 7000 und 8000 Achsen werden nun in Laage pro Jahr produziert. Im laufenden Geschäftsjahr sollen darüber hinaus 480 Fahrzeuge umgebaut werden; Ziel sind langfristig um die 1000. Der jährliche Produktionszuwachs soll zuletzt 30 Prozent betragen haben.

„Die größte Schwierigkeit besteht darin, Arbeitskräfte zu finden“, sagt Betriebsleiter Leipholz. Die Konkurrenz aus dem Schiffbau sei groß. Bei zehn Neueinstellungen sei heute nur noch ein Kfz-Mechaniker dabei und damit vom Fach. „Wir haben unsere Arbeitsprozesse daher so vereinfacht und standardisiert, dass auch fachfremdes Personal einsteigen kann“, so Leipholz. Wichtig sei nur die Affinität zur Metallverarbeitung.

Für den Großauftrag aus dem Iran müssen nun pro Woche 20 Autos umgebaut und ausgeliefert werden. „Das hatten wir in diesem Ausmaß noch nie. Das ist sehr sportlich“, sagt Betriebsratschef Frank Annas.

Die Sprinter kommen direkt von Mercedes nach Laage. Hier erhalten sie neben dem permanenten 4x4-Allradantrieb eine große Geländeuntersetzung, die für ein extrem langsames und kontrolliertes Fahren im Gelände sorgt. „Die Allradumrüstung führt nur zu einem geringen Mehrgewicht und bietet deshalb mehr Spielraum in der Gestaltung des Innenausbaus“, sagt Leipholz. Der Karosseriehersteller Christian Miesen aus Bonn gestaltet die Transporter anschließend zu Rettungswagen um. Später werden die Ambulanzen in den Iran verschifft, wo sie direkt zum Einsatz kommen sollen.

Laut Leipholz sollen nun weitere Projekte in ähnlicher Größenordnung folgen. „Wir sind sehr zuversichtlich, über einen längeren Zeitrum eine hohe Auslastung fahren zu können.“

Allrad für Mercedes

In Rohrbach (Österreich) wurde 1977 die Mercedes-Benz Verkaufsstelle mit angegliederter Vertragswerkstatt von Wilhelm Oberaigner eröffnet. 1981 begann die Entwicklung und Fertigung der Hinterachsen-Differenzialsperre und des Allradantriebs für Mercedes. Zur Firmengruppe gehören heute die Oberaigner Automotive GmbH in Laage, die Oberaigner Powertrain GmbH in Nebelberg (Österreich), die Oberaigner Blechtechnik GmbH in Rohrbach (Österreich) und mehrere Autohäuser.

André Wornowski

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