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50 Anrufe zum Mordfall nach Fernsehsendung

Stadtmitte 50 Anrufe zum Mordfall nach Fernsehsendung

1993 wurde die 20-jährige Anja Lutter aus Dummerstorf ermordet aufgefunden. Nun rollt die Polizei den Fall neu auf.

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Dieses 26er-Damenrad von Mifa wurde in der Nähe des Leichenfundortes entdeckt und bis heute nicht zugeordnet. Fotos (2): Polizei

Stadtmitte. Der Mord an der 20-jährigen Anja Lutter aus Dummerstorf vor 22 Jahren war der erste Fall, der Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“

nachgestellt wurde. 16 Anrufe dazu erreichten die Polizei noch am Abend, bis gestern Abend waren es mehr als 50. „Es sind Hinweise dabei, die wir nun genau prüfen“, sagt Isabel Wenzel, Sprecherin des Polizeipräsidiums.

So hatte sich auch eine Frau bei Kriminalhauptkommissar Andreas Seifert direkt im Studio in München gemeldet, die vorgab, dem Opfer ähnlich gesehen zu haben und beim Trampen an gleicher Stelle in Rostock einem Trabi-Fahrer begegnet und sexuell belästigt worden zu sein. Denn das ist die letzte bekannte Station von Anja Lutter: Nach dem Besuch des Abendgymnasiums in Rostock war sie am 24.

November 1992 in der Neubrandenburger Straße von einem Zeugen gesehen worden, als sie mit dem Fahrer eines Trabants 601 sprach und offenbar nach Hause trampen wollte. Seitdem wurde das Mädchen vermisst, bis ihre Leiche am 23. März 1993 mit einem Gürtel gefesselt in der Conventer Niederung bei Börgerende gefunden wurde.

Ihr Mörder ist bis heute nicht gefasst. Dieser Fall ist einer von zwei bislang ungeklärten Morden der Rostocker Kriminalpolizei. Die Ermittler suchen ebenso den Mörder der Krankenschwester Christin M. (36) aus Sandhagen (Landkreis Rostock), die im Juli 2007 auf dem Nachhauseweg mit dem Fahrrad im Wald zwischen Biendorf und Körchow brutal niedergeschlagen wurde. Auch dieser Fall wurde in der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ ausgestrahlt — zeitnah im November 2007, allerdings ohne eine heiße Spur.

Im Fall Anja Lutter, der nunmehr 22 Jahre zurückliegt, erhoffen sich die Ermittler, dass jemand den Mörder kennt oder etwas weiß, mit dem er sich nicht länger belasten möchte, wie Polizeisprecherin Wenzel betont. Die Sendung im Fernsehen wurde mit der Familie des Opfers besprochen. „Ich durfte das Drehbuch vorher einsehen, und bestimmte Einwände von uns wurden berücksichtigt“, sagt Helga Lutter. Die Polizei halte seit Jahren Kontakt zu den Eltern „und gerade im Vorfeld der Sendung war Herr Seifert oft hier“, erzählt die Mutter.

Sie hätten der Ausstrahlung zugestimmt, auch wenn diese Bilder „alles wieder aufwühlen“ und nur schwer zu ertragen seien. Über Hoffnungen und Erwartungen möchte die Mutter nicht reden. „Wir tun es für Anja“, sagt sie. Die Familie, auch der Bruder und die Zwillingsschwester, haben die Sendung gesehen. „Es ist schwer“, sagt Helga Lutter, umso mehr habe sie sich gefreut, dass ein Freund aus Berlin gleich angerufen und seine Anteilnahme bekundet hätte.

In der XY-Sendung setzte die Polizei vor allem auf ein Fahrrad, das in der Nähe der Leiche entdeckt und bis heute nicht zugeordnet wurde: ein grünes 26er-Damenrad von Mifa mit einem Kronenkorken und einem auffälligen Aufkleber am hinteren Rahmen: „Rat der Stadt, Abteilung Volksbildung“. Außerdem fehlen bis heute persönliche Sachen von Anja wie Schlüssel, Ausweis, eine Armbanduhr mit der Inschrift Anja und eine graue Strickjacke mit Rhombenmuster.

Die XY-Sendung ist „ein Strohhalm“, wie Polizeisprecherin Wenzel sagt. Keinesfalls geben die Ermittler auf, sie werden weiter alle Spuren nach neuesten kriminaltechnischen Ansätzen verfolgen: „Bis der Täter gefasst ist.“

Hinweise an die Polizei
Am 24. November 1992 verschwand die damals 20-jährige Schülerin Anja Lutter auf ihrem Nachhauseweg in der Neubrandenburger Straße in Rostock zunächst spurlos. Vier Monate später, am 23. März 1993, fand man ihre mit einem Gürtel gefesselte und mit Steinen beschwerte Leiche in einem Wassergraben in der Conventer Niederung bei Börgerende. Das Versteck der Leiche lässt eine genaue Ortskenntnis des Täters vermuten.
Hinweise zum Mordfall Anja Lutter nimmt jede Polizeidienstelle entgegen.

 



Doris Kesselring

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