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Rostock 60 Millionen für Rostocks Retter
Mecklenburg Rostock 60 Millionen für Rostocks Retter
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00:05 30.11.2017
Die Hauptfeuerwache an der Erich-Schlesinger-Straße ist 34 Jahre alt – und baufällig. Quelle: Fotos: Ove Arscholl
Südstadt

Es soll die modernste Einsatzzentrale des gesamten Landes werden – und zugleich der teuerste Neubau, den sich Rostocks Stadtverwaltung jemals für die eigenen Mitarbeiter gegönnt hat: Innensenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) und der städtische Immobilienverwalter KOE planen für rund 60 Millionen Euro den Bau einer neuen Hauptfeuerwache in der Südstadt. Die Zentrale an der ErichSchlesinger-Straße soll saniert und massiv erweitert werden. „Das ist die größte Investition in die Sicherheit der Rostocker, die wir je getätigt haben“, sagt der Senator. Damit nicht genug: Auch der Landkreis will ein neues Hauptquartier für seine Retter bauen. In Dummerstorf. Eine Kooperation ist zwischen Stadt und Landkreis aber nicht geplant – bisher jedenfalls.

Wir haben bereits das Grundstück für unsere neue Wehr- Zentrale erworben.Wolfgang Kraatz Vize-Landrat (SPD)

Marode Wache wird für Retter zum Problem

Dass die Berufsfeuerwehr in der Hansestadt eine neue Zentrale braucht – im Rathaus ist das seit Jahren bekannt. Die Wache in der Südstadt wurde 1983 in Betrieb genommen. „Und in den vergangenen 34 Jahren hat die Stadt kaum in das Gebäude investiert. Es wurde nur dann gehandelt, wenn Not war“, sagt Müller-von Wrycz Rekowski. Nun aber wolle Rostock für die Sicherheit klotzen und nicht mehr nur kleckern: „Bis Mitte des nächsten Jahrzehnts soll an der Schlesinger-Straße das Zentrum des Brandschutzes, des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutz in unserer Stadt entstehen.“ Insgesamt fast 450 Retter und 60 Einsatzfahrzeuge sollen dort ein neues Zuhause bekommen. Denn neben der Berufsfeuerwehr sollen auch der Rettungsdienst, der Katastrophenschutz des Roten Kreuzes sowie die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte in die Notfallzentrale der Stadt einziehen. „Das geht aber nicht alles auf einmal. Wir setzen das Projekt in mehreren Bauabschnitten um“, erklärt der Senator.

Baustart für den ersten Abschnitt soll frühestens 2020 sein.

Neue Leitstelle wird das Herz des Rettungsdienstes

Im ersten Schritt soll auf dem Gelände in der Südstadt ein neues Gebäude für die Leitstelle des Brandschutz- und Rettungsamtes entstehen. „Das ist das Herz des Ganzen“, sagt Müller-von Wrycz Rekowski. Sämtliche Notrufe unter der Nummer 112 laufen dort auf. Die Disponenten schicken dann die Retter los. Im Katastrophenfall, bei Unwettern oder schweren Unglücken laufen in der Leitstelle ebenfalls alle Fäden zusammen. „Allein die Technik kostet Millionen“, so der Senator. Denn die Systeme müssen zu jeder Zeit funktionieren: „Wir müssen die Kommunikation gegen HackerAngriffe schützen, gegen Stromausfälle und viele weitere Szenarien.“ Jedes System müsse gleich mehrfach vorhanden sein – falls mal etwas ausfalle oder kaputtgehe.

Wenn die neue Leitstelle ans Netz geht, ist der Neubau für den Rettungsdienst dran. Die bestehende Wache an der Augustenstraße soll dann aufgegeben werden. Im dritten Schritt wird das Gebäude für die Freiwillige Feuerwehr und den Katastrophenschutz entstehen: „Der Sanitäts- und Betreuungszug des Roten Kreuzes zieht dann zu uns. Und wir werden das Katastrophenschutzlager in Stadtweide verlegen“, erklärt Müller- von Wrycz Rekowski. In dem Lager hält die Stadt unter anderem Betten, Decken und Kleidung für große Notfälle bereit. Das Haus soll verkauft werden. Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Stadtmitte werden aber auch nach der Fertigstellung „ihres“ neuen Zuhauses noch an der Fahnenstraße bleiben: „Die Berufsfeuerwehr wird das Gebäude in der Zeit nutzen, in der wir die bestehende Wache von Grund auf sanieren.“

Landkreis will sieben Millionen verbauen

Parallel laufen auch im Güstrower Landratsamt die Planungen für ein neues Feuerwehr-Hauptquartier: Auch sechs Jahre nach der Fusion der Altkreise Bad Doberan und Güstrow unterhält der Landkreis in Kägsdorf bei Kühlungsborn und in Güstrow zwei sogenannte „Feuerwehrtechnische Zentralen“. Sie versorgen die 165 freiwilligen Wehren zwischen Rerik und Krakow am See bei Einsätzen mit Atemluft-Flaschen, Einsatzgerät, Schläuchen. Zudem finden dort die Aus- und Weiterbildungen für die Retter statt. In wenigen Jahren sollen die zwei Standorte aber aufgegeben werden – zugunsten eines Neubaus in der Gemeinde Dummerstorf. „Der Landkreis hat im Sommer 2017 im Ortsteil Beselin das Grundstück für die neue Feuerwehrtechnische Zentrale erworben“, sagt Vize-Landrat Wolfgang Kraatz (SPD).

Sieben Millionen Euro soll der Bau kosten. „Wir verbessern damit erheblich die Unterstützung für unsere Wehren.“

Nach wie vor zwei Leitstellen rund um Rostock

Obwohl sowohl die Hansestadt als auch der Landkreis riesige Summen investieren – eine Kooperation ist nicht geplant. Dabei könnten beide Seiten so womöglich Millionen Euro an Steuergeldern sparen. So fordert das Land schon seit Jahren, zum Beispiel in Sachen „Leitstelle“ enger zusammenzuarbeiten. Doch wer in Rostock die 112 wählt, wird auch weiterhin in der Südstadt landen. Und wer im Landkreis den Notruf betätigt, dem wird auch in Zukunft von der Integrierten Leitstelle Mitte im ehemaligen Landratsamt in Bad Doberan aus geholfen. Dabei zeigt sich zumindest der Landkreis offen für Gespräche über eine Kooperation: „Wir bleiben aber bei unserer Auffassung, dass eine Zusammenarbeit mit der Hansestadt auf dem Gebiet der Leitstellen nur gleichberechtigt erfolgen kann. Dafür müssten wir etwa einen Zweckverband gründen“, so Vize-Landrat Kraatz.

Andreas Meyer

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