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Rostock 95-jähriger Franzose enthüllt Stein gegen das Vergessen
Mecklenburg Rostock 95-jähriger Franzose enthüllt Stein gegen das Vergessen
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06:24 02.09.2013
Der frühere Kriegsgefangene Michel de Gastines mit Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens am Gedenkstein. Quelle: Thomas Niebuhr
Rostock-Hohe Düne

Es war ihm eine Herzensangelegenheit, erzählt Michel de Gastines. So bedeutend für ihn, dass er sich nur einen Tag nach seinem 95. Geburtstag im französischen Le Mans auf die beschwerliche Reise ins 1300 Kilometer entfernte Warnemünde machte. Der französische Geistliche ist der einzige noch lebende Häftling aus dem Kriegsgefangenenlager B 304, an das seit gestern ein Gedenkstein in Höhe Düne erinnert.

Drei Jahre Vorbereitungszeit waren nötig, erinnert sich Rolando Schadowski (FDP). Als er noch Mitglied des Ortsbeirats Markgrafenheide war, kam das Thema auf den Tisch, und für den Historiker war es keine Frage, sich der Angelegenheit anzunehmen. Unterstützung fand der Ortsbeirat bei der Geschichtswerkstatt, Sponsoren halfen, und für das Anbringen der Plakette konnte ein Findling aus dem Seekanal genutzt werden.

Reno Stutz von der Geschichtswerkstatt erinnerte daran, dass das Kriegsgefangenenlager B 304 fast in Vergessenheit geraten war. Bei der Aufarbeitung der Ereignisse half auch eine Chronik, die die Häftlinge selbst verfasst hatten. Ab Februar 1941 wurden Kriegsgefangene aus Frankreich in Hohe Düne interniert — Geistliche, welche die Nazis bewusst von anderen Inhaftierten trennen wollten.

Befreit wurden sie am 1. Mai 1945 durch die Rote Armee. Der Kapitän der Fähre hatte extra dafür gesorgt, dass die Franzosen Platz hatten und abreisen konnten, erinnert sich Michel de Gastines an diesen Tag, an dem seine Leiden und die seiner Mitgefangenen endeten. Sichtbar gerührt verfolgte er die Reden, zu den Ereignissen vor 70 Jahren, von der Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft und dass, wie Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens (CDU) sagte, es kein passenderes Datum als den Weltfriedenstag geben könnte.

Am 7. Juni 1943 kam Michel de Gastines nach Hohe Düne, knapp zwei Jahre seines Lebens verbrachte er unfreiwillig an der Ostsee. Und jetzt will er weiter mithelfen, dass die Ereignisse von damals nicht in Vergessenheit geraten. Deshalb bleibt der Franzose, der 2002 schon einmal wieder Hohe Düne besuchte, noch ein bisschen in Rostock, um in Schulen von seinen Erlebnissen zu berichten. Die Jugendlichen hören dann vom schweren Leben eines Kriegsgefangenen. Sie erfahren aber auch, welche Sympathie die Bevölkerung Michel de Gastines damals entgegengebracht hatte.

Thomas Niebuhr

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