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Rostock Ab Oktober gilt die Mietpreisbremse
Mecklenburg Rostock Ab Oktober gilt die Mietpreisbremse
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00:00 29.08.2018
Stadtmitte

In Rostock gilt ab dem 1. Oktober eine Mietpreisbremse: Bei erneut vermieteten Wohnungen darf die Miete dann nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Laut Rostocker Mieterverein passiert es regelmäßig, dass Wohnungen 20 oder 30 Prozent teurer werden, wenn die Bewohner wechseln. Genau das soll die Bremse verhindern. Die Bürgerschaft hatte bereits vor drei Jahren ihre Einführung gefordert. Nun tritt sie außer in Rostock noch in Greifswald in Kraft. Die Universitätsstädte erfüllen die Voraussetzung für einen angespannten Wohnungsmarkt.

Mietshaus in Evershagen: In Rostock gibt es rund 108 000 Mietwohnungen und rund 12 000 Eigentumswohnungen. Quelle: Foto: Bernd Wüstneck/dpa, Thomas Niebuhr
Die Bremse wird vermutlich nicht die gewünschte Wirkung zeigen.Kai-Uwe Glause Rostocker Mieterverein

„Die Mietpreisbremse ist sinnvoll, um die Symptome eines engen Mietwohnungsmarktes kurzfristig zu lindern“, sagt Bauminister Christian Pegel (SPD). Mit einer durchschnittlichen Leerstandsquote von einem Prozent ist der Rostocker Wohnungsmarkt extrem angespannt. Manche Fachleute sprechen von einer Überhitzung, wenn der Anteil leerstehender Wohnungen unter fünf Prozent sinkt. Die Rostocker SPD glaubt an einen Erfolg: „Ich freue mich sehr, dass die Mietpreisbremse beschlossene Sache ist und ab Oktober wirkt“, teilt SPD-Kreischef Julian Barlen mit.

In mehr als 300 Städten gilt die 2015 eingeführte Preisbremse. Nach Kritik an ihrer schwachen Wirkung arbeitet der Bund an einer schärferen Variante, die 2019 in Kraft treten soll. In Rostock gilt noch die bisherige Variante. „Die wird vermutlich nicht zu der gewünschten Wirkung führen“, sagt Kai-Uwe Glause, Geschäftsführer des Mietervereins. Neue Mieter hätten bislang kein Auskunftsrecht gegenüber ihrem Vermieter, um zu erfahren, wie viel die vorherigen Bewohner gezahlt haben. Die Vormiete ist wichtig, weil auf ihrer Grundlage die Vergleichsmiete berechnet wird. Verweigert der Vermieter die Auskunft, hat der Mieter schlechte Karten, so Glause. Die Preisbremse gilt nicht für nach dem 1. Oktober 2014 errichtete Neubauten. Sie ist außerdem auf fünf Jahre begrenzt.

Auch auf der anderen Seite hält sich die Begeisterung in Grenzen. „Dadurch wird keine zusätzliche, bezahlbare Wohnung gebaut“, sagt Roland Blank, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Schifffahrt-Hafen. Dabei sei der Bedarf hoch, vor allem bei familiengerechten und barrierefreien Wohnungen. Zur Entspannung trage die Bremse nicht bei – selbst wenn sie für günstigere Mieten sorge.

Das meint Andreas Breitner, Direktor des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen. Wer heute in Rostock eine Wohnung vermieten wolle, bekäme mindestens 50 Bewerbungen. Breitner: „Wenn die Wohnung zwei Euro günstiger den Quadratmeter angeboten wird, steigt die Zahl der Bewerber auf 80“. Am Ende könne aber trotzdem nur einer einziehen.

Auch die Linke zweifelt an der Bremskraft: Die Rostocker Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger wirft der Landesregierung vor, drei Jahre lang nichts getan zu haben. Diese Zeit hätten viele Vermieter für eine kräftige Mieterhöhungen genutzt. Kröger: „Das Konstrukt der Mietpreisbremse war von Anfang an Murks.“

Neben 12000 Eigentumswohnungen gibt es etwa 108000 Mietwohnungen in Rostock. Zirka zwei Drittel davon gehören der kommunalen Wiro und den großen Wohnungsgenossenschaften wie Union, Schifffahrt-Hafen und Neptun. Laut Mieterverein sind diese Unternehmen nicht dafür bekannt, bei neuen Mietern über Gebühr an der Preisschraube zu drehen. Das übernähmen eher kleinere Anbieter. „Es gibt eine ganze Reihe schwarzer Schafe“, sagt Geschäftsführer Kai-Uwe Glause.

Rostock und Greifswald sollen in den fünf Jahren, in denen die Preisbremse gilt, den Wohnungsbau ankurbeln, so Minister Pegel. Dieses und kommendes Jahr stellt das Land jeweils 20 Millionen Euro für den Sozialen Wohnungsbau bereit. Bau-Senator Holger Matthäus (Grüne) kündigt für den Herbst erste Ergebnisse des Bündnis für Wohnen an, dass in der Hansestadt im Kampf gegen den Wohnraummangel gegründet wurde.

Die Stadt habe zu spät auf das Problem reagiert, kritisiert Mieterverein-Chef Glause. Vieles spreche dafür, dass Wohnungssuchende in Zukunft sogar noch mehr Aufwand betreiben müssten, um eine bezahlbare Bleibe zu finden. Prognosen zufolge steigt die Einwohnerzahl Rostocks bis 2035 auf 230000. Das wären mehr als 20 000 zusätzliche Einwohner, die versorgt werden müssen. „Es ist aber gut, dass jetzt nach Lösungen gesucht wird“, meint Glause.

Wiro: Für unsere Mieter ändert sich nichts

10 Prozent darf die Miete bei Neuverträgen maximal über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen – das sieht die neue Mietpreisbremse vor, die ab Oktober in Rostock und in Greifswald gilt. Bei bestehenden Mietverhältnissen darf sie nur bis zu der Vergleichsmiete steigen.

Die Wiro geht nicht davon aus, dass sich für ihre Mieter etwas ändert. „Unsere durchschnittliche monatliche Nettokaltmiete lag 2017 bei 5,90 Euro pro Quadratmeter“, sagt ein Sprecher.

Für neuere Innenstadtwohnungen werden laut Mietspiegel im Schnitt 8,50 bis 9,80 Euro fällig.

Gerald Kleine Wördemann

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