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Rostock Abgefahrene Flötenshow auf „Aidadiva“
Mecklenburg Rostock Abgefahrene Flötenshow auf „Aidadiva“
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00:56 02.05.2018
Das Konzert war lustig. Mir hat’s viel Spaß gemacht.Monique Josephine Mittag 10 Jahre

Blockflöte ist spießig, ein „Folterinstrument“ aus Kindertagen? Pah, Gabor Vosteen pfeift auf Klischees. Der Mann mit der explodierten Frisur steckt sich zwei Flöten in die Nasenlöcher, eine dritte in den Mund und tiriliert wie ein Schwarm Nachtigallen. Er schneidet Grimassen, flötet mal diesem, mal jenem Zuhörer ins Ohr. Leonora Tschullik (11) klatscht begeistert. „Das ist so lustig.“

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Unerhört witzig: Musikclown Gabor Vosteen gibt auf dem Kreuzliner ein Exklusivkonzert für Schüler

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Von Tuten und Blasen hat Vosteen richtig Ahnung, von skurrilen Auftritten sowieso. Seine „Fluteman Show“, mit der er bereits weltweit Zirkusse und Varietés bespielte, präsentiert das Berliner Multitalent heute auf ungewöhnlicher Bühne: Dort, wo Vosteen just in diesem Augenblick in seine Leoparden-Bassflöte pustet, turnen sonst Akrobaten Kreuzfahrern etwas vor. Das Theatrium der „Aidadiva“

ist für diesen Montagvormittag Konzertsaal der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern, die hier mit ihrem Kinderprogramm „Mäck&Pomm“ gastieren.

An die 1200 Schüler hatten sich für das Bord-Konzert beworben. Neun fünfte und sechste Klassen aus Rostock und Umgebung bekamen die Tickets. Mit dabei sind Minh Ngoc Cao (11) und Monique Josephine Mittag (10) vom Gymnasium Reutershagen. Beide können Flöte spielen. Auch mit der Nase? „Nee“, lachen die Mädels. Für Minh Ngoc Cao ist die Show eine doppelte Premiere. „Ich bin zum ersten Mal auf einem Kreuzfahrtschiff und auf so einem Konzert.“ Mit Aida habe er schon eine Kanarenrundreise gemacht, erzählt Niklas Finkbeiner (11) von der Ecolea-Schule Warnemünde. Diesmal bleibt er mit dem Schiff am Kai und lernt doch eine neue Welt kennen. Dass Blockflöte so cool klingen kann, habe er nicht gedacht, sagt Niklas.

Vosteen, heute 38, war gerade halb so alt wie Niklas, als er von einer mutierten Blockflöte gebissen und in einen naseflötenden Superhelden verwandelt wurde. So schildert es Vosteen scherzhaft.

Tatsächlich entdeckt der gebürtige Delmenhorster das oft belächelte Blasinstrument als Grundschüler für sich, studiert später klassische Musik mit Flöte im Hauptfach. Sein Showtalent perfektionierte er an der Budapester Zirkusschule. Er heimst etliche Preise ein und unzählige Engagements. Vosteen tritt am New Yorker Broadway auf, tourt mehrere Jahre mit dem Circus Roncalli.

An Bord der „Aidadiva“ präsentiert sich Gabor Vosteen als kecker Komiker und begnadeter Virtuose. Gewitzt umzirpt er sein Publikum, mischt Flötenspiel mit nonverbaler Comedy à la Charlie Chaplin. Die Kinder staunen, lachen, zücken ihre Smartphones. Der Rattenfänger von Hameln wäre blass vor Neid. Hitverdächtig ist die nächste Nummer. Hinter einem Papiervorhang legt Vosteen seine Livree ab und erscheint kurz darauf als irre Kreuzung aus Pan, Tokio Hotel und Lady Gaga: Goldleggins, Lederjacke, Nietenbrille, Bling-Bling-Kette. Jetzt gibt’s was auf die Ohren: Vosteen schmettert auf der E-Flöte Deep Purples „Smoke on the Water“. Der Funke springt über, alle Schüler klatschen mit.

Zum Finale lässt Vosteen fast alle Hüllen fallen: Lediglich ein aus Plastikflöten gebasteltes Röckchen klimpert am Künstlerkörper. Der Musikclown schnappt sich das Mikrofon und dichtet John Lennons „Imagine“ zum Loblied auf die Blockflöte um. Der beste Teil der Show, findet Leonora Tschullik. „Im Lied kam die Klarinette vor und die spiele ich selbst.“ Auch ihre Klassenlehrerin am Käthe-Kollwitz-Musikgymnasium, Carolin Miesorski-Gerling, ist begeistert. „Für uns war die Show ein ganz besonderes Erlebnis.“ Eines, das hier noch nicht endet: Nach dem Konzert schlemmen sich alle Schüler durch das Büfett im „Aidadiva“-Markt-Restaurant.

Nach einer Tour über die Decks müssen die Kinder wieder von Bord. Die ersten echten Passagiere entern das Schiff. Ihnen stehen vier tolle Tage Ostsee-Kreuzfahrt bevor. Die coolste Flötenshow an Bord haben sie jedoch verpasst.

Musik zum Mitmachen

Bei „Mäck&Pomm“, dem Kinder- und Familienprogramm der Festspiele MV, spielen junge Musikfans die erste Geige. Bei Kurzkonzerten, Festen und Musiktheaterstücken sind sie mitunter sogar selbst Teil der Show. In dieser „Mäck&Pomm“-Saison sind Promis wie TV-Moderator Ralph Caspers und Schauspielerin Katja Riemann mit dabei. Letztere lädt am 22. Juli in Rostock zur Märchenstunde: In Halle 207 gibt sie Grimms „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ zum Besten, untermalt durch Musik von Jarkko Riihimäki.

Tickets: ☎ 03 85 / 5 91 85 85

Antje Bernstein

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