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Rostock Absturzgefahr? Neue Spezialisten untersuchen Matrosendenkmal
Mecklenburg Rostock Absturzgefahr? Neue Spezialisten untersuchen Matrosendenkmal
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21:10 07.11.2018
Thomas Werner, Leiter der städtischen Kulturförderung, zeigt Bilder vom Bau des Matrosendenkmals. Die Fotos sind in der Ausstellung im Kröpeliner Tor zu sehen. Quelle: Ove Arscholl
Stadtmitte

Eins kann Thomas Werner, Leiter der städtischen Kulturförderung, mit Sicherheit sagen: „Das Matrosendenkmal wird saniert.“ Die Frage ist nur, wie und wann. Seit Monaten zieht sich nun schon die Hängepartie um die Statik der Skulptur am Rostocker Stadthafen hin. Ursprünglich sollte die Gedenkstätte der revolutionären Matrosen zum 100. Jahrestag der Novemberrevolution in neuem Glanz erstrahlen und das gesamte Umfeld umgestaltet sein. Doch es herrscht weiter Ungewissheit, wie standsicher die Plastik noch ist.

„Auf Empfehlung eines Gutachters sind Ende September Proben an der Skulptur entnommen worden“, sagt Werner. Die Proben werden nun analysiert. „Es soll ermittelt werden, welchen Belastungen die Löt- und Schweißnähte zwischen den einzelnen Teilen der Skulptur ausgesetzt werden können“, so der Rathaus-Mitarbeiter weiter. Auch könnten so Schlussfolgerungen zur Wandstärke der Gussteile gezogen werden. „Und diese sind für die Einschätzung der Stabilität wesentlich“, betont Werner.

Skulptur besteht aus Rotguss

Inzwischen hat die Stadt zusätzlich Metallbauspezialisten von der Hochschule Aachen eingeschaltet, um die Standfestigkeit der Figuren zu ermitteln. „Wir dachten die Skulptur wäre aus Bronze. Aber es handelt sich um Rotguss, der so ähnlich ist“, sagt Werner. Das deutsche Baurecht aber kenne diesen Werkstoff nicht. „Es handelt sich um keinen deutschen Standard, sondern einen sowjetischen.“

Es müsse nun das neue Gutachten abgewartet werden, so Werner. Erst danach könne mit den Aufschüttung am Wasser begonnen werden. Hier sollen Terrassen und Sitzstufen entstehen, auch ist ein neuer und breiter Uferweg geplant.

Das frühere Traditionskabinett unter dem Sockel der Skulptur muss hingegen geschlossen und mit Beton aufgefüllt werden. Die Schäden seien zu groß, als dass der Unterbau erhalten werden könne, heißt es im Kulturamt. Ohne die derzeitige Absperrung bestehe für Fußgänger die Gefahr einzubrechen. Die Kosten für Sanierung und Umgestaltung belaufen sich auf 3,3 Millionen Euro.

Plastik erinnert an Matrosenaufstand

Im Zuge der Recherchen zur Denkmal-Statik ist Werner auf ein kleines Archiv gestoßen: „Die Witwe des Künstlers Wolfgang Eckardt hat mir eine Tüte mit 250 chronologisch geordneten Fotos überreicht. Die waren so spannend, dass ich dachte: Das muss auch die Öffentlichkeit sehen“, so der städtische Kulturförderer. Ergebnis ist die am Mittwoch eröffnete Ausstellung im Kröpeliner Tor. Auf drei Etagen wird hier die Geschichte des Entstehungsprozesses des Baukörpers und der künstlerischen Arbeiten der Gedenkstätte dargestellt.

1969 hatte der Rat der Stadt Wolfgang Eckardt (1919-1999) damit beauftragt, die überlebensgroße Plastik in Erinnerung an Max Reichpietsch und Albin Köbis zu schaffen. Die beiden Matrosen gelten als Vorkämpfer der Novemberrevolution und waren bereits 1917 nach einer gescheiterten Meuterei hingerichtet worden. Auch Künstler Reinhard Dietrich (1932-2015) war am Aufbau des Denkmals beteiligt: Er schuf die 20 Meter lange Reliefwand.

Entstehung dauerte fast ein Jahrzehnt

Fast zehn Jahre dauerte die Entstehung der Skulptur. Diese sei das Lebenswerk von Eckardt gewesen, habe ihn aber auch körperlich und seelisch stark belastet, so Werner. „Die Funktionäre wollten, dass er die Matrosen bewaffnet.“ Doch dagegen habe er sich gewehrt. Es sei zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. „Zwischenzeitlich sollte Eckardt der Auftrag sogar entzogen werden“, sagt Werner.

Zeitzeuge Hans-Peter Jaeger (geboren 1941) bestätigt: „Es ging damals schon turbulent zu.“ Jaeger ist Bildhauer und schuf damals direkt nach seinem Studium die Bronzeplatte des Denkmals. Zur Eröffnung der Ausstellung kam er am Mittwoch extra aus Stralsund nach Rostock. Mit Blick auf den aktuellen Zustand des Matrosendenkmals sagt Jaeger: „Durch die ganze Botanik drumherum ist die Skulptur etwas aus dem Blick geraten. Sie könnte sichtbarer sein.“ Das soll sich mit der Sanierung ändern – wenn sie endlich beginnen kann.

Bis 3. Februar geöffnet

Die Ausstellung „Reichpietsch, Köbis, revolutionäre Matrosen. Zur Geschichte einer Gedenkstätte“ ist bis zum 3. Februar 2019 täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ausgenommen sind Feiertage. Die Ausstellung ist ein Projekt der Stadt in Zusammenarbeit mit der Geschichtswerkstatt Rostock, der Iga Rostock 2003 GmbH sowie dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum. Am 20. November spricht Thomas Werner, Leiter der städtischen Kulturförderung, im Kröpeliner Tor über Entstehung, Konzeption und Gestaltung der Ausstellung. Beginn ist 19 Uhr.

 

André Wornowski

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