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Rostock Macht Musik in der Kirche krank?
Mecklenburg Rostock Macht Musik in der Kirche krank?
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13:00 31.10.2018
Frank Schöbel und seine Band bei einem Konzert in der Rostocker Nikolaikirche: In dem Gotteshaus treten regelmäßig Stars auf (Symbolbild). Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Rainhard Scheuermann hatte sich „nach einem arbeitsreichen Tag sehr auf dieses Konzert gefreut“, doch nach nicht mal 30 Minuten hatte er genug von der „Marvin Gaye Show“ in der Rostocker Nikolaikirche: Nicht nur der Pforzheimer, sondern gleich mehrere Besucher verließen den Auftritt vorzeitig – aus Angst um ihre Gesundheit. „Es war zu laut, die Schmerzgrenze wurde wurde mehrfach überschritten“, schreibt Scheuermann in einem Brief an den Veranstalter. Auch Cathrin Heinrichs erhebt diesen Vorwurf: Sie spricht von „Lärmbelästigung“ statt Musikgenuss.

Große Stars, schwierige Akustik

Das alte Gotteshaus zählt zu den besonderen Veranstaltungsorten der Hansestadt. Regelmäßig finden hier Chor- oder auch Klassikkonzerte statt. Im Advent 2017 beispielsweise vor Schlager-Star Frank Schöbel mit seiner Weihnachtsshow zu Gast an dem sakralen Ort, zur 800-Jahr-Feier tagte dort auch das Parlament der Hansestädte. Doch: Die Akustik in der Nikolaikirche gilt als schwierig. Am Wochenende soll genau das ein Problem gewesen sein: „Schon nach den ersten Akkorden ergriff mich das blanke Entsetzen“, schreibt Cathrin Heinrichs. Auch sie war von außerhalb eigens für den Auftritt des Berliner Sängers Cosmo Klein in der „Marvin Gaye Show“ angereist. „Es war uns nicht möglich, das Konzert aus der zweiten Reihe zu verfolgen“, so Heinrichs. Viel zu laut sei es gewesen. „Wir haben versucht, von den Stehplätzen weiter hinten zuzuhören. Aber dort verstanden wir nicht mal den Text. Die Lautstärke war völlig überregelt.“

Ähnliches schildert Rainhard Scheuermann: „Was haben sich die Musiker eigentlich dabei gedacht, als sie sich der akustischen Herausforderung der Nikolaikirche gestellt haben? Vermutlich haben sie sich gar nichts gedacht und einfach alle Regler voll aufgedreht.“ Mit seinem Handy habe Scheuermann die Lautstärke gemessen: 115 Dezibel habe die Messung im Schnitt ergeben, in Spitzen sogar 121 Dezibel. Zum Vergleich: Ein startender Düsenjet ist etwa 125 Dezibel laut, die Schmerzgrenze beim Menschen wird bei 130 Dezibel erreicht.

Veranstalter äußert sich nicht

Heinrichs bezweifelt, dass es vor dem Konzert einen so genannten „Soundcheck“ gegeben habe. „Wir mussten das Konzert sehr erbost verlassen, verlangt am Eingang unser Geld zurück.“ Doch Geld gab es nicht. Stattdessen sollte sich Heinrichs an den Veranstalter wenden. Auch Scheuermann ging leer aus: „Die Karten haben 50 Euro pro Sitzplatz gekostet. Aber ich musste gehen, um einer Schädigung meines Gehörs zu entgehen.“ Der Veranstalter der Show ist Martin Hänler, der auch die Alte Zuckerfabrik in Brinckmansdorf betreibt. Konfrontiert mit den Vorwürfen der Besucher wollte er sich gegenüber der OZ nicht äußern: „Zu dem Thema habe ich nichts zu sagen.“

Stadt: Konzerte sind Privatsache

Die Rostocker Stadtverwaltung kann zu dem Ärger um zu laute Konzerte nichts sagen. „Konzerte sind nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz weder antrags- noch genehmigungspflichtig“, so Stadtsprecherin Kerstin Kanaa. Heißt: Die Stadt führt keinerlei Messungen durch. Einzige Ausnahme: Wenn die Gefahr besteht, das ein Konzert auch Unbeteiligte – Anwohner etwa – betreffen könnte, kann der Veranstalter zu Messungen durch Gutachter verpflichtet werden. Das sei zum Beispiel bei Musikveranstaltungen im Iga-Park regelmäßig der Fall. In Hallen oder Kirchen aber gelte, so Kanaa: „Der Schutz von Konzertbesuchern unterliegt nicht dem Immissionsschutzgesetz. Hier gilt beispielsweise nach DIN 15905-5, dass der Veranstalter bei Hörschäden den Nachweis der Einhaltung von Dezibel-Vorgaben zu erbringen hat.“ Und weiter: „Probleme, die der Besucher mit der Lautstärke hat, sind also nur privatrechtlich – zum Beispiel über einen Anwalt – zu klären.“

Stadthalle misst bei jedem Konzert

Auch in der Rostocker Stadthalle, der größten Konzert-Arena des Landes, ist Lärm ein Thema. „Die DIN 15905-5 besagt zum Beispiel, dass bei einem Konzert der Durchschnittswert von 99 Dezibel –gemessen über zwei Stunden – nicht überschritten werden darf. Und: Es darf nie lauter als 135 Dezibel sein“, sagt Felix Scharff, der technische Leiter der Stadthalle. Auch wenn am Ende der Veranstalter haftbar sei: Die städtische Messe- und Veranstaltungsgesellschaft nimmt bei jedem Konzert in ihren Räumen eigene Messungen vor. „Wir messen während der Konzerte an verschiedenen Stellen in der Halle und geben dem Veranstalter bei Problemen auch entsprechende Hinweise.“ Scharffs Eindruck: „Die meisten Konzert-Veranstalter kennen die Vorschriften – und sie halten sich dran. Der Stimmung schadet das meist überhaupt nicht.“

Andreas Meyer

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