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Rostock Ärztepaar aus Lahnstein rettet drei Bürgerhäuser
Mecklenburg Rostock Ärztepaar aus Lahnstein rettet drei Bürgerhäuser
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03:54 12.09.2013
Jens-Peter Kruse vor den Gebäuden Am Berge 10 bis 12, an deren Sanierung er als Architekt maßgeblich beteiligt war. Quelle: Christian Menzel
Güstrow

Der Bauherrenpreis 2013 der Barlachstadt Güstrow geht an das in Lahnstein bei Koblenz lebende Ärztepaar Victoria und Reinhard Lieberum. Sie haben drei über 200 Jahre alte Bürgerhäuser Am Berge vor dem Verfall gerettet, sie unter Beachtung denkmalpflegerischer Maßgaben saniert und elf Wohnungen mit modernem Standard geschaffen. Bürgermeister Arne Schuldt überreichte die Urkunde jetzt an den Architekten Jens-Peter Kruse, der sie stellvertretend für die Bauherren in Empfang nahm. Wie auch das von der Volks- und Raiffeisenbank bereitgestellte Preisgeld von 1000 Euro.

Die Rettung der Bürgerhäuser ist eine Geschichte für sich. Fast 20 Jahre versuchte die Stadt die bauhistorisch als national bedeutend eingestuften Gebäude einem Investor schmackhaft zu machen. Aber immer wieder schreckten potentielle Bauherren vor dem maroden Ensemble und dem hohen Sanierungsaufwand zurück. So fasste die Stadtvertretung 2009 den Beschluss, nicht länger zu warten und die Häuser in eigener Regie zu sanieren. Einen Architektenwettbewerb, in dem ein Sanierungskonzept für die Gebäude gefordert war, hatte das Güstrower Architekturbüro Kruse und Fliege gewonnen. Noch in der Hauptausschusssitzung im September 2009 ging es um einen Eilauftrag für ein Gutachten für die Gebäudezeile, das der Bürgermeister in Auftrag gegeben hatte.

Etwa um diese Zeit besuchte Victoria Lieberum mit ihrer Mutter die Barlachstadt. Nach dem Krieg hatte die Mutter kurze Zeit in Güstrow gelebt und wollte nun der Tochter die Stadt, die sie in guter Erinnerung hatte, zeigen. Zufällig trafen die Besucher auf eine Mitarbeiterin des städtischen Bauamtes und da die Ärztin und ihr Mann ohnehin vorhatten, in eine Immobilie zu investieren, kam man ins Gespräch. Dann ging alles sehr schnell. Die Lieberums erwarben das Ensemble im August 2010 und begannen Ende des gleichen Jahres mit der Sanierung, wofür auch Städtebaufördermittel flossen. 2012 wurde die Instandsetzung abgeschlossen und die Wohnungen konnten bezogen werden.

In seiner Laudatio hob Bürgermeister Schuldt den Optimismus, das Engagement und den Mut des Ehepaares hervor. Gleichzeitig sei dies ein starkes Bekenntnis zur Barlachstadt und seiner Region, hob er hervor. Solche privaten Bauherren sollen mit dem Bauherrenpreis geehrt werden. Güstrow mit seinem aus dem Mittelalter überlieferten Stadtgrundriss verfügt im Altstadtbereich über zirka 800 Gebäude.

40 Prozent davon sind als Einzeldenkmale und weitere 40 Prozent als Gebäude von besonderer städtebaulicher Bedeutung eingestuft. „Für den Erhalt dieser herausragenden Bausubstanz kommt den privaten Eigentümern eine Schlüsselrolle zu. Sie haben in den vergangenen Jahren einen großen Anteil daran, dass das baukulturelle Erbe der Barlachstadt erhalten und gepflegt wird“, würdigte Schuldt.

Auch im nächsten Jahr wird die Stadt einen Bauherrenpreis für die gelungenste, 2012 abgeschlossene Sanierung ausloben. Favorit dafür dürfte Ulrich Bunnemann aus Schwerin sein, der gerade die Sanierung des Derz‘schen Hauses in der Mühlenstraße, eines der ältesten und bedeutendsten Bauwerke der Güstrower Altstadt, beendet hat (die OZ berichtete).

Preis für Sanierung
Mit dem Bauherrenpreis soll das Engagement von Investoren für den Erhalt und die Verschönerung der Güstrower Innenstadt gewürdigt werden. Die Volks- und Raiffeisenbank stellte ein Preisgeld von 1000 Euro bereit. Auch 2014 wird die Stadt wieder einen Bauherrenpreis für die gelungenste Sanierung 2013 ausloben.

Christian Menzel