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Rostock Andreas Barnehl betreibt Rostocks einzige Brennerei
Mecklenburg Rostock Andreas Barnehl betreibt Rostocks einzige Brennerei
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00:00 29.08.2018
Prost: Andreas Barnehl (51) zeigt einen Ausschnitt seines Sortiments. Aktuell vertreibt er 25 Spirituosen. Quelle: Fotos: André Wornowski
Biestow

Er selbst trinkt nur sehr wenig Spirituosen. Und dennoch hegte Andreas Barnehl schon lange den Wunsch, eine eigene Brennerei zu betreiben. „Ich hatte das während meiner Wanderjahre in den 1990er Jahren in einem Lokal in Bayern gesehen“, sagt der Chef des Landhotels Rittmeister in Biestow. Er war fasziniert. Knapp 20 Jahre später wagte er schließlich den Schritt, eine eigene Brennerei zu eröffnen. „Am Anfang war es als Besonderheit und Alleinstellungsmerkmal für unser Hotel gedacht.“ Schließlich wollen die Gäste etwas erleben – und warum nicht bei einer Schaubrennerei. „Inzwischen ist der Verkauf so stark gewachsen, dass es sich sogar wirtschaftlich trägt“, sagt Barnehl.

Rittmeister-Chef startete 2010 mit Obstbränden, heute produziert er 25 Sorten

Jedes Jahr erhält der 51-Jährige Auszeichnungen: Die Produkte der Rittmeister-Destille sind mehrfach bei der Messe „Destillata“ in Österreich und beim Craft-Spirits- Festival in Berlin prämiert worden. Anfangs experimentierte Barnehl nur mit Obstbränden. Inzwischen ist sein Sortiment auf 25 Produkte angewachsen, darunter Likör, Kümmel, Korn, Whisky und Gin. „Die Rezepte habe ich alle selbst erstellt“, sagt der Hotelier, der sich ein kleines Labor eingerichtet hat. Das Handwerk erlernte Barnehl in einem Brennerei-Kurs an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Auch absolvierte er verschiedene Praktika bei Brennereien in Süddeutschland.

Regionale Zutaten

Die Zutaten kommen aus Rostock und der Umgebung: „Das Obst beziehen wir nahezu komplett von regionalen Obstbauern“, sagt Barnehl. Die Schwarze Johannisbeere holt er sich zum Beispiel aus Niendorf bei Teterow. „Einiges sammeln wir auch selbst, zum Beispiel die Kräuter.“ Den Roggen für den Korn liefert die Getreidemühle Knull am Petridamm. Und die Kartoffeln für den Kartoffelbrand werden in Groß

Lüsewitz bestellt. Auch die Etiketten auf den Flaschen haben eine besondere Qualität: Die Bilder hat der lokale Künstler Malte Brekenfeld gestaltet. Der Gin trägt den plattdeutschen Namen Oss und zeigt einen Ochsen, dem Wacholder aus dem Maul hängt. Ein Bild mit Hintersinn. „Wacholder ist ja die Grundlage von Gin“, sagt Barnehl.

Qualität hat Priorität

Dem Rittmeister-Chef geht es vor allem um Qualität. „Das Obst muss für die Herstellung voll ausgereift und gesund sein. Ob es schrumpelig ist, spielt hingegen keine Rolle“, betont er. Wichtig sei ein hoher Zuckergehalt. „Denn daraus gewinnen wir den Alkohol.“ Das Obst werde zu einem Brei zerkleinert, der sogenannten Maische, erläutert Barnehl den Herstellungsprozess. „Darauf bringen wir dann Hefe, die sich vom Zucker ernährt.“ Ein enzymatischer Prozess setzt ein, Alkohol entsteht und Kohlensäure entweicht. Drei bis vier Wochen gäre die Maische nun in Fässern vor sich hin. Dann wird sie in die Brennerei-Anlage gegeben und auf mehr als 100 Grad Celsius erhitzt. „200 Liter passen hier rein.“ Dämpfe strömen auf. Während Wasser erst bei 100 Grad siedet, wird Alkohol schon früher gasförmig. Am anderen Ende der Anlage werden die Dämpfe dann wieder heruntergekühlt und in einen flüssigen Zustand gebracht. „Der Alkoholgehalt beträgt nun 80 Volumenprozent“, sagt Barnehl.

Der Zoll kontrolliert

50 000 Euro hat der Rittmeister- Chef in die Brennerei-Anlage investiert. „Ich kann hier in einem Arbeitsgang vier Destillationsstufen einstellen.“ Ein doppeltes Brennen, wie zum Beispiel beim Doppelkorn, ist daher nicht notwendig. „Es entsteht sehr sauberer und reiner Alkohol.“ Doch wenn er die entstandene Flüssigkeit in die Glasbehälter an der Brennerei abgefüllt hat, kann er nicht sofort frei darüber verfügen. Erst kommt der Zoll. „Damit kein Tropfen Alkohol am Finanzamt vorbei in den Handel kommt“, sagt Barnehl. Die Besteuerung liege derzeit bei 13,03 Euro pro Liter Alkohol mit 100 Volumenprozent. Danach kommt der Alkohol ins Lager am Tannenweg, wo er dann weiter reift. „Bei Obstbränden dauert das wenige Monate, bei in Fässern gelagertem Whisky bis zu mehrere Jahre“, sagt Barnehl. Zur Verdünnung nimmt der Hotelier Rostocker Leitungswasser, das er reinigt und enthärtet. „Der Alkoholanteil liegt bei allen unseren Produkten bei rund 40 Prozent.“ Die Preise reichen von knapp unter 20 Euro bis 60 Euro pro Flasche.

Grenze für Wachstum

Aufgrund der hohen Nachfrage hat Andreas Barnehl inzwischen zwei Mitarbeiter eingestellt. „Allein schaffe ich das neben dem Hotelbetrieb nicht mehr.“ Auch das Lager am Tannenweg musste er erweitern. Doch das Wachstum hat Grenzen: Zwei Supermärkten, die seine Produkte anbieten wollten, sagte Barnehl ab. „Das passt nicht zu unserer Philosophie und das ist auch mengenmäßig nicht zu bewältigen.“ Welches seiner Produkte ihm selbst am besten schmecke? „Immer das, was ich gerade kreiert habe.“ Aktuell arbeitet er an einer neuen Produktreihe: „Was es wird, ist noch ein kleines Geheimnis, aber es hat mit dem Getränk zu tun, das aus der Karibik kommt.“

André Wornowski

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