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Rostock Ansturm auf Sommerakademie: Und was sprichst du so?
Mecklenburg Rostock Ansturm auf Sommerakademie: Und was sprichst du so?
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00:00 30.08.2013
En Rostock aprendemos el arte de traduir con el murmullo del mar y el brillo del sol. Das ist Spanisch für: In Rostock lernen wir bei Meeresrauschen Übersetzen.“Isabel Rodríguez Rivas (30), Spanien
Stadtmitte

Wer nicht weiß, dass Gabriel Tavallo (25) eigentlich aus Frankreich kommt, merkt es gar nicht. So gut ist sein Deutsch. „Ich habe in meiner Heimat eine deutsch-französische Schule besucht“, sagt er. In seinem Studium in Paris schrieb er dann sogar ganze Arbeiten auf Deutsch. „Das mache ich nicht wieder. Es gab Zeiten, in denen ich mit dieser schwierigen Sprache nichts mehr zu tun haben wollte.“ Statt einem französischen hat er einen leichten sächsischen Akzent: „Ich habe ja auch zwei Jahre in Sachsen-Anhalt gewohnt.“ Tavallo ist einer von 30 Teilnehmern der dritten Interdisziplinären Sommerakademie der Rostocker Uni. Zwei Wochen lang beschäftigen sich Studenten aus 13 Ländern mit dem Thema „Im Wald der Übersetzungen“, am Sonntag reisen die Teilnehmer wieder ab.

„Heutzutage gibt es weltweit eine wachsende Migration“, erklärt Albrecht Buschmann, wissenschaftlicher Leiter der Akademie. „Rund ein Drittel der Kinder in deutschen Großstädten hat eine fremde Muttersprache. Dadurch entstehen sprachliche und kulturelle Herausforderungen, die wir genauer betrachten wollen.“ In Kursen lernen die Teilnehmer verschiedene Ebenen des Übersetzungsbegriffs kennen.

Die Seminare werden ergänzt durch Kutterfahrten, Theaterbesuche und Ausflüge in andere Städte.

Insgesamt 22 Sprachen sprechen die Studenten — von Französisch über Hindi hin zu Weißrussisch und Mazedonisch. Und Deutsch natürlich. Das ist Voraussetzung für die Teilnahme an der Sommerakademie.

Einige Probleme beim Übersetzen hat Gulchehra Kahhorova (28). Ihre Muttersprache, Tadschikisch, gehört zwar zur gleichen Sprachfamilie wie das Deutsche. „In Tadschikistan wurde aber lange vorrangig Russisch gesprochen“, sagt sie. „Tadschikisch konnte sich kaum entwickeln. Das erste deutsch-tadschikische Wörterbuch gab es 2010.“

Spanierin Isabel Rodrigues Rivas (30) macht die Präzision des Deutschen zu schaffen: „Ihr habt für alles einen Namen. Das ist bei uns anders. Ich habe ständig das Gefühl, etwas zu vergessen.“ „Und so lange Substantive“, stöhnt Magda Kawecka (28) aus Polen. „Für ein deutsches Wort brauche ich mindestens fünf polnische.“ Für die meisten sind das jedoch nur kleine Probleme: „Wir haben hier viele Freunde gewonnen“, sagen Magda und Isabel einmütig.

„Das ist ein mit Optimismus erfüllendes Menschenexperiment“, resümiert Albrecht Buschmann. „Es zeigt, dass es nicht zu Konflikten kommen muss, wenn Kulturen aufeinanderstoßen.“ Und auch Gabriel Tavallo, der sich sein Zimmer mit einem Russen und einem Ägypter teilt, findet: „Internationaler geht es nicht.“

Tanja Bodendorf

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