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Rostock Antje Schwarzer entscheidet über Leben oder Sägen
Mecklenburg Rostock Antje Schwarzer entscheidet über Leben oder Sägen
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00:00 10.02.2018
Antje Schwarzer testet mit einem Stock, wie tief die Einfaulung an einer Kastanie in der Warnemünder Parkstraße ist.
Evershagen/Gartenstadt

Antje Schwarzer zeigt auf eine Eiche im Fischerdorf. Der Baum wirkt gesund und standsicher. Dann zeigt Schwarzer auf einen unscheinbaren weißen Rand am Stamm. „Hier ist ein Schwefelporling eingedrungen. Er zersetzt das Kernholz.“ Die Eiche wird allmählich spröde und bricht leicht. Aber noch will Schwarzer sie nicht fällen lassen. „Die Eiche gehört zu meinen ,Ich-hab-dich-lieb-Bäumen’“, sagt die Frau mit einem Lächeln. Sie klopft mit einem Hammer gegen den Stamm. „Klingt wie ein gesunder Baum.“ An einer anderen Stelle ist der Ton schon heller. „Das ist ein Zeichen dafür, dass es ihm hier nicht mehr so gut geht.“

Die Baumkontrolleurin kümmert sich um die Gesundheit der Rostocker Bäume

Schwarzer arbeitet als Baumkontrolleurin im städtischen Grünamt und hat rund 25000 Bäume im Rostocker Nordwesten im Blick. Jungbäume (bis 15. Standjahr) schaut sie sich alle drei Jahre an, Reifebäume (bis 50./60. Standjahr) alle zwei und Altbäume jedes Jahr. Schwarzer stellt dabei nicht nur die Diagnose, sie legt auch die Maßnahmen fest – und in welcher Zeit diese umgesetzt werden müssen. Das seien keine einfachen Entscheidungen, sagt die Expertin. Denn es kann für sie rechtliche Konsequenzen haben, wenn ein Baum umkippt.

Bäume seien emotionale Themen. „Der eine sagt: ,Warum nehmt ihr diesen Baum nicht endlich weg, ich rutsche immer auf dem Laub aus’. Der andere fragt: ,Warum sägt ihr gerade den Baum ab?’“, sagt Schwarzer. Selbst den Baumkontrolleuren falle es nicht immer leicht, objektiv zu bleiben – wie das Beispiel mit der Eiche und dem Schwefelporling zeigt. „In solchen Fällen ziehe ich einen unabhängigen Gutachter hinzu“, sagt Schwarzer. Ihre Teamleiterin Steffie Soldan betont: „Wir können nicht alle Bäume immer nur streicheln.“

20 Mitarbeiter zählt das Team „Stadtbäume“ im Grünamt. Sie pflegen, kontrollieren und verwalten 75000 verkehrssicherheitsrelevante Bäume – plus 25000 Bäume auf städtischen Liegenschaftsflächen. 6,5 Stellen sind für die Baumkontrolle vorgesehen. „Das reicht aber nicht aus“, sagt Soldan. Sie fordert eine weitere Stelle. Allein Schwarzer hat im Jahr 2017 mehr als 11 100 Bäume kontrolliert. Laut Soldan geht es Rostocks Bäumen insgesamt gut. „Wir bemühen uns um sie.“ Durch die Regenfälle im vergangenen Jahr hätten sich vor allem die Jungbäume erholen können. Schäden habe hingegen Sturm Herwart hinterlassen. „Die Aufräumarbeiten haben uns zwei Monate gekostet“, sagt Soldan. Für Probleme sorge auch weiterhin das Rosskastaniensterben. 2016 waren rund 60 Bäume befallen. „Es ist ein Trauerspiel, wenn wir große alte Kastanien deshalb fällen müssen.“ Wenig ausrichten könnten die Baumpfleger zudem gegen den Birnbaumprachtkäfer, der unter anderem dem Rotdorn zusetzt.

Aber auch Vandalismus ist ein zunehmendes Problem. Antje Schwarzer zeigt auf einen Baum an der Haltestelle Fischerdorf. Am Stamm hat jemand die Rinde entfernt. „Der Baum wird das nicht überleben“, sagt Schwarzer. Sie schüttelt den Kopf. „Ich verstehe nicht, wie jemand Bäume kaputt machen kann.“ Auf der anderen Seite gebe es aber auch immer mehr Rostocker, die eine Baumpatenschaft übernehmen.

Baumpate werden

75 000 Bäume, die für die Verkehrssicherheit relevant sind, kontrolliert und pflegt das städtische Grünamt. Wie aus dem aktuellen Baumbericht hervorgeht, sind zwischen Oktober 2016 und September 2017 rund 580 Bäume gefällt worden. Gleichzeitig wurden 476 Bäume gepflanzt. Die Rostocker können für Bäume Patenschaften übernehmen. Dazu gehört eine regelmäßige Besichtigung, das Auflockern der Baumscheibe und das Gießen im Sommer. Eine Patenschaft kann im Grünamt, Am Westfriedhof 2, vereinbart werden.

André Wornowski

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