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Rostock Atemraubender Psychothriller
Mecklenburg Rostock Atemraubender Psychothriller
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03:37 02.09.2013
Thriller mit zwei starken Mimen: Undine Cornelius und Björn-Ole Blunck. Quelle: Dorit Gätjen
Warnemünde

Mit der Premiere des Psychothrillers „Misery“ am Freitagabend in der Kleinen Komödie geht das Volkstheater in seine neue Spielzeit. Sie beginnt zumindest verheißungsvoll, denn das Stück erfordert Mut, eine gehörige Portion Intuition und eine gewaltige künstlerische Kompetenz.

Paul Sheldon (Björn-Ole Blunck) ist ein Erfolgsautor mit einer sorglos anmutenden Selbstzufriedenheit. Nach einem Verkehrsunfall landet er schwer verletzt im abgelegenen Haus der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes (Undine Cornelius). Noch wacht sie als barmherzige Samariterin am Bett des Kranken und gibt sich als dessen größten Fan zu erkennen. Als Paul aus Dankbarkeit Annie das Manuskript zu seinem neuen Buch lesen lässt, zieht das Unheil auf. Annie stellt fest, dass ihre über alles geliebte Hauptfigur Misery nach Pauls Diktion sterben soll. Und wie nach einer Initialzündung wird aus der gütigen Annie eine unberechenbare Furie, entrückt aller Rationalität. Dem siechen Paul auf seiner Krankenpritsche stehen noch viel schwerere Zeiten bevor…

Den Erfolgsroman von Stephen King auf die Bühne zu bringen, ist ein mit viel Selbstbewusstsein befeuerter Mut. Das Stück taugt beileibe nicht zur Kurzweil. Ein Zwei-Stunden-Knaller, der zügig aus dem Vorgeplänkel zur Sache kommt. Hier muss intensiv beobachtet werden. Regisseur Marcel Keller ist das Universalgenie. Er hat dem Psychothriller ein Korsett in allen Variationen geschnürt: fahle Lichter, mystische Musik, die Fokussierung auf einzelne Sentenzen. Dem Mann fehlte es nicht an Intuitionen.

In diesem Feld tummelten sich zwei Mimen mit einer unglaublichen Intensität ihres Spiels. Als die unbekümmerte Annie den Versehrten aus dem Bett in den Rollstuhl treibt, schreit der so vor Schmerzen, dass das Auditorium augenblicklich mitfühlt. Eine Blunck-Studie par excellence!

Undine Cornelius brilliert mit einer Präsenz auf der Bühne, die schlicht beeindruckt. Hier die zu allem entschlossene Psychopathin, dort die Verunsicherte, die vermeintlich aus ihrer Geistesgestörtheit wieder zurück in den Verstand findet. Eine großartige Cornelius im 40. Jahr ihres Engagements am Volkstheater — was für eine Konstellation! Andreas Golz

OZ