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Rostock Auf Gershwins Spuren im New York der 30er Jahre
Mecklenburg Rostock Auf Gershwins Spuren im New York der 30er Jahre
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00:00 15.04.2013
Papendorf

Keine Spuren mehr von der Verbissenheit, der Härte, die sich in ihr Gesicht eingegraben hatte, als sie die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof spielte. An diesem Abend ist Schauspielerin Martina Gedeck ganz die Lady. Die leuchtend rote Seide ihres ärmellosen Kleides schmiegt sich eng an Bauch und Brust, ihr langes braunes Haar umspielt Hals und Schulter. Eine Einladung an die Gäste der Villa Papendorf — allerdings keine, um über den „Deutschen Herbst“ der 70er Jahre zu debattieren. Diese 80 Minuten gehören dem „Amerikanischen Traum“. Jenem, den Martin Luther King geträumt hat. Und den George Gershwin, Sohn jüdischer Einwanderer aus Russland, lebte. Gedeck ist das prominente Zugpferd der Gershwin-Hommage unter dem Motto „Wort trifft Musik“.

Ihretwegen ist an diesem Samstag kein Stuhl in der Villa frei geblieben.

Auf der Bühne nimmt sie sich als Person ganz zurück, ist nur noch warme, dunkle Stimme. Eine, die aus der Sicht der Gershwin-Schwester Frances die Erfolge des schon zu seinen Lebzeiten populären Komponisten von „Rhapsody in Blue“ und „Porgy und Bess“ beschreibt. Und mittels Texter Wolfgang Knauer in Worte fasst, wie der Puls im New York der 20er und 30er Jahre schlägt. Mit dieser Gier nach dem großen Glück, das dem Big Apple Wolkenkratzer beschert und jenen, die Talent haben und es zu nutzen wissen, ein volles Bankkonto. Wie Gershwin, der für den Broadway komponiert, der in Europa bewundert wird, dessen Platten in Nazideutschland verboten sind. Dem Besessenen, der nur Monate bevor der Tumor in seinem Hirn ihm mit 38 Jahren das Leben stiehlt, feststellt, dass er mehr Melodien im Kopf habe, als er in 100 Jahren aufs Papier bringen könne. Sebastian Knauer am Flügel intoniert Gershwins große Erfolge mit leichtem Fingerspiel, seine „Rapsody“, sein „Summertime“.

„Ganz intensive Unterhaltung. Und ideale Akustik“, schwärmt Heike Bieber (47). Mit Mann Gerald (48) hat sich die Papendorferin von den drei Kindern daheim frei genommen, ist zum ersten Mal in der Villa. Ute Rukehr (55) müsste längst auf der Autobahn sein. Richtung Göttingen. „Der Urlaub ist vorbei“, sagt die Pastorin. „Aber bei Gedeck konnte ich nicht nein sagen.“ Und bereut nicht. „Was sich an der Küste an Kultur entwickelt hat, ist beeindruckend.“

Die Schwerinerin Manuela Diers entspannt im Sessel vorm Kamin. Hausherr Olav Killinger hat ausdrücklich zum anschließenden Verweilen gebeten. Villa und Gershwin sind für Diers Neuland. Ihre Freunde aus Berlin sind mit dabei. „Das Ambiente ist wunderschön.“ Finden auch die Kritzmower Michael (52) und Michaela Birkholz (47). „ Die Villa wirkte früher immer so geheimnisvoll, da waren wir neugierig.“

Wort trifft Musik
Schauspieler Ulrich Noethen liest am 7. Juni in der Villa Papendorf. Thema ist die Freundschaft zwischen Richard Wagner und Franz Liszt. Hideyo Harada begleitet ihn am Flügel.

Unter dem Motto „Auf der Suche nach dem Glück“ bestreiten am 14. September Clemens von Ramin und Natalie Böttcher einen literarisch-musikalischen Abend.

• Infos:
www.villa-papendorf.de

Katrin Starke

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