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Rostock Auf dem Wasserweg zum Iga-Park
Mecklenburg Rostock Auf dem Wasserweg zum Iga-Park
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00:00 06.03.2013
Iga-Park mit Traditionsschiff und dem Schwimmkran „Langer Heinrich“. Ein neues Konzept sieht eine Zufahrt über das Wasser und ein maritimes Museum vor. Quelle: Ove Arscholl
Schmarl

Eine hat das Rennen gemacht und erste Vorschläge unterbreitet.

„Zum einen soll das Gelände zu einem interessanten Erholungs- und Freizeitgelände mit Freilichtbühne und echten Attraktionen wie einer Wasserskianlage ausgebaut werden“, sagt die Iga-Aufsichtsratsvorsitzende Karina Jens. Zudem gelte es, die 2011 beschlossenen Vorstellungen der Bürgerschaft von einem Marineum an diesem Standort umzusetzen. Dazu gehörten das Traditionsschiff, der Schwimmkran Langer Heinrich und der landseitige Neubau eines maritimen Museums. „Das muss im Konzept alles geprüft werden“, sagt Jens. Über Shuttle-Anbindungen würde nachgedacht, um auch wasserseitig Rostock und Warnemünde über Schmarl enger zusammenzuführen. Radwege müssten ausgebaut werden.

In einem ersten „Parkgespräch“ Ende Januar wurden maritime Verbände, Ämter, Ortsbeiräte, Warnowquerungs- und Messegesellschaft in die Diskussion um die Zukunft des Areals einbezogen. „Ein zweites Parkgespräch mit konkreten Vorschlägen folgt“, kündigt Jens an, die die Standortdiskussionen um das Traditionsschiff leid ist: „Die Bürgerschaft hat beschlossen, das Schiff bleibt in Schmarl — jetzt müssen wir nach vorn denken.“

„Das Schiff gehört in den Stadthafen“, beharrt indes Hans-Jürgen Mathy auf dem Standpunkt seines Vereins Seeleute Rostock. Das Tradi sei mit dem Museum das größte Technische Denkmal im Ostseeraum, das aber ein abgeschiedenes Dasein friste. 25 000 Besucher kommen pro Jahr. „Es könnten an einem Liegeplatz im Stadthafen, eingebunden in einer maritimen Meile, mindestens dreimal so viele Gäste sein“, ist Mathy überzeugt.

Schon 2008 hatte der Verein eine Kostenrechnung für die Verholung des Schiffs vorgelegt. „Mit 130 000 Euro Eigenmitteln vom Verein und einer Kreditzusage der Sparkasse würden der Stadt keine Kosten entstehen“, sagt Mathy, der bis heute keine Reaktion auf das Angebot bekommen hat. Mit steigender Besucherzahl würden auch die Mehreinnahmen des Museums steigen. Mathy geht von bis zu 200

000 Euro pro Jahr aus, um die die Stadt ihre Zuschüsse für das Schiff mit Museum kürzen könnte. Denn bislang unterstütze die Kommune laut Mathy das Tradi mit rund 940 000 Euro pro Jahr.

Auch anderen Vereinen,wie der neugegründeten Interessengemeinschaft „Maritimes Erbe“, stößt der lieblose Umgang der Stadt mit der Schifffahrtsgeschichte und ihren Zeugen bitter auf. „Ein touristisches Konzept, das das maritime Erbe der Hafen- und Hansestadt berücksichtigt, kann nur im Stadthafen, nicht in Schmarl gelingen“, sagt Sprecher Steffen Wiechmann. Auch Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) plädierte bislang dafür, das Museum mit all seinen Bestandteilen in den Stadthafen zu verlegen. Hafenkapitän Gisbert Ruhnke indes will sich „auf fahrende Einheiten konzentrieren, weniger auf Stillleger, wie den Eisbrecher oder die ,Büchner‘“. Luxusyachten und kleine Kreuzliner sollten den Stadthafen beleben (die OZ berichtete gestern). Karina Jens sieht für das Tradi auch in Schmarl eine Perspektive. Ein Gutachten zeige, dass das Schiff trotz schlechter Erreichbarkeit bei den Besucherzahlen unter den kleinen technischen Museen in Deutschland im oberen Drittel rangiere.

100 Hektar Erholung
Am Ufer der Warnow entstand zwischen 1997 und 2003 auf rund 100 Hektar das Areal der Internationalen Gartenbauausstellung (Iga) 2003. Nach der Ausstellung wurde der Park in Schmarl als Erholungsoase öffentlich zugänglich (Eintritt: ein Euro). Auf der Freilichtbühne, in der Messehalle und im Weidendom finden viele Veranstaltungen statt. Am Schmarler Bach liegt das Traditionsschiff vom Typ „Frieden“ mit dem Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum an Bord, das jährlich von 25 000 Gästen besucht wird.

Doris Kesselring

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