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Rostock Auf den Spuren Edvard Munchs
Mecklenburg Rostock Auf den Spuren Edvard Munchs
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00:00 10.08.2018
Warnemünde

Crispin Gurholt ist Künstler. Einen Monat hat der Norweger in Warnemünde verbracht. Doch nicht um Urlaub zu machen, sondern um hier zu arbeiten. Denn er ist einer der Stipendiaten des Edvard-Munch-Hauses.

Crispin Gurholt war Stipendiat im Munch-Haus in Warnemünde / Hier plant er neue Ausstellung

Was für andere wie Bilder für das Familienalbum wirken, ist für ihn der erste Schritt zur neuen Ausstellung. Es sind Schnappschüsse von seiner 15 Monate alten Tochter am Strand, es sind Eindrücke aus Warnemünde und es sind Bilder vom Edvard-Munch-Haus. „Ich versuche, tief in den Ort einzutauchen“, erklärt er. „Warnemünde ist eine Sommer-Stadt, dies ist ein Sommerhaus. Eigentlich will man nichts tun, aber man kann auch Kunst machen.“ Sonst lebt er in Norwegen und Berlin. „Aber hier atmet man auf. Hierherzukommen, ist nun ein Teil meines Echos, ein Teil meiner Geschichte.“

Drei- bis viermal im Jahr lädt das Künstlerhaus Skandinavier und Deutsche ein, um hier Kunst zu schaffen. Crispin Gurholt hat das Haus ganz inspiriert. „Normalerweise habe ich die Idee, bevor ich den Ort sehe, hier ist es genau umgekehrt.“

Eigentlich ist Gurholt mit ganz anderen Projekten bekannt geworden. Seit 18 Jahren entwickelt er unter dem Namen „Live Photo“ Installationen. Das habe nichts mit der Fotofunktion von Smartphones zu tun. „Die gab es in den 1990ern noch nicht.“ Stattdessen richtet er an verschiedenen Orten der Welt Szenen ein. Er präpariert den Ort, schminkt die Menschen, kostümiert sie, frisiert sie, überlässt nichts dem Zufall. „Wie in einer Film-Szene.“ Dann verharren sie in der angegebenen Pose. Hinter Plexiglas können Besucher das Schauspiel beobachten. Nur etwa zwei Stunden ist die Szene zu sehen.

Dann ist alles vorbei. Nur Bilder und Video-Dokumentationen bleiben erhalten. Mit den Installationen versucht er, verschiedene Themen zu bearbeiten. „Es geht um Politik, um häusliche, soziale oder Gender Probleme“, erklärt Gurholt. Es sei stets eine kommentierende Kunst. Sozial Realismus. „So arbeite ich normalerweise.“

Nun will er sich etwas für ihn völlig Neuem widmen. „Ich möchte biografisch arbeiten.“ Inspiriert hat ihn dabei Edvard Munch, der von Mai 1907 bis Oktober 1908 in Warnemünde lebte und arbeitete. „Er hat einfach gemalt, was da war. Ohne es unbedingt kommentieren zu müssen.“ So entstanden Bilder von Kindern, von Menschen am Strand, vom Birnenbaum und dem damaligen Besitzer des Munch- Hauses. Diese Seite möchte Gurholt auch von sich selbst zeigen. „Es soll keine Hommage werden, aber eine Art Zitat.“ Er möchte in der Ausstellung die Atmosphäre des Hauses einfangen, aber auch zeigen, wie er den Monat gelebt hat. Dies will er mit Zeichnungen, Fotos, Malereien und vielleicht auch Textstücken oder einer Live Performance schaffen. Wie es genau aussehen wird, kann er noch nicht sagen. „Es ist für mich ein völlig neuer Ansatz und ja, es ist eine Herausforderung.“ Er fühle sich dadurch verwundbar und nervös. „Ich möchte sehen, ob es für mich möglich ist, zu diesem klassischen Arbeiten zurückzukehren.“ Dabei möchte er sich auch selbst besser kennenlernen. „Jeden Tag, wenn ich Kunst schaffe, lerne ich etwas über mich.“

Doch noch ist seine Arbeit nicht abgeschlossen. „Ich bin mitten im Prozess“, erklärt er. Ende des Jahres will er noch einmal wiederkommen, um mit der genauen Planung für die Ausstellung zu beginnen. Diese soll dann in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres im Munch-Haus in Warnemünde zu sehen sein.

Johanna Hegermann

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