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Auf den Spuren von 650 Jahren Familiengeschichte

Stadtmitte Auf den Spuren von 650 Jahren Familiengeschichte

Angehörige der Quistorps aus ganz Deutschland entdecken Rostock.

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Die Familie Quistorp machte am Sonnabend einen geführten Spaziergang durch die Altstadt.

Quelle: Ove Arscholl

Stadtmitte. Drei Tage lang sind knapp 60 Mitglieder der Familie Quistorp in der Hansestadt unterwegs gewesen, auf den Spuren ihrer Vorfahren. Mit einem Gottesdienst und einer Führung in der Marienkirche ist das Familientreffen gestern zu Ende gegangen. Der Ort, an dem bereits vor mehr als 400 Jahren Vorfahren der Quistorps gepredigt haben.

Nicht weit entfernt von der Kanzel ist es zu sehen, ein Porträt von Johannes Quistorp. Der 1584 geborene Theologe war Prediger in St. Marien und zudem elfmaliger Rektor der Universität Rostock. Auch sein Sohn Johan Quistorp der Jüngere und dessen Nachkomme Johann Nikolaus — allesamt Rostocker Theologen — sind im Gotteshaus verewigt. Heute gebe es noch drei bis vier Prediger in der Familie. Eine von ihnen, Cornelia Quistorp, hielt beim Sonntagsgottesdienst die Predigt. „In der ganzen Geschichten könnten es bis zu 50 ordentliche Pastoren gewesen sein“, sagt Achim von Quistorp, der die Familienzusammenkunft organisiert hat. Deswegen sei es wichtig, wieder in St. Marien zu sein.

Anlass des Treffens ist die erstmalige Erwähnung des Familiennamens vor genau 650 Jahren. Um dies zu feiern, kamen 59 Quistorps aus ganz Deutschland nach Rostock. Hier wirkte die Familie über Jahrhunderte und hinterließ zahlreiche Spuren. Die weiteste Anreise hatten Familienmitglieder vom Bodensee. „Es leben auch noch viele Verwandte in Argentinien und den USA, leider konnten sie nicht dabei sein“, erzählt Alexandra Quistorp. Die 22-Jährige studiert in München Betriebswirtschaft und hat einen Teil ihrer Verwandten in Rostock zum ersten Mal getroffen. „Es ist nicht immer ganz einfach, alle zuzuordnen“, gibt sie zu. Ihr Onkel Achim habe glücklicherweise einen Stammbaum zusammengestellt, „da haben viele von uns zwischendurch heimlich raufgeschaut“. Für sie ist es noch immer erstaunlich, wie groß die Familie ist und wie viele Spuren in Rostock zu finden seien.

Bereits am Freitag kam ein kleiner Teil der Familie zu einem Essen in der „Kogge“ zusammen. Am Sonnabend stand dann ein Besuch im Kulturhistorischen Museum sowie in der Dokumentations- und Gedenkstätte der ehemaligen U-Haft der Stasi. Vor allem für die Jüngeren sei dies ein wichtiger Besuch gewesen, hätten doch ihre Ur- und Großväter in solchen Gefängnissen gesessen, so Achim von Quistorp. Das Treffen solle nicht dazu dienen, in der Vergangenheit zu verweilen, sondern nach vorn zu schauen. „Es geht darum, die Geschichte der Familie für die neue Generation zu übersetzen“, so Achim von Quistorp. In Rostock — mit der Marienkirche und der Universität — würde sich alles zusammenfügen. Denn egal in welcher Zeit man in die Familiengeschichte schaut, der Glaube und die höhere Bildung seien immer die Anker der Quistorps gewesen. „Das konnte uns niemand nehmen“, sagt von Quistorp. „Ansonsten sind wir eine ganz normale Familie.“

Berühmte Mitglieder
Vor genau 650 Jahren wird der Name Quistorp zum ersten Mal erwähnt. In der Marienkirche hängt ein Bild von Johann Quistorp, der 1584 in Rostock geboren und elfmal zum Rektor der Uni ernannt wurde. Einer seiner Nachfahren, Gottfried Quistorp (1755-1835), war enger Freund des Malers Caspar David Friedrich. Charlotte Quistorp (1780-1801) heiratete Schriftsteller Ernst Moritz Arndt.
Alexandra von Quistorp, geboren 1945, war mit dem früheren Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff verheiratet. Emmy von Quistorp (1886-1959) heiratete Magnus von Braun (1878-1972). Ihr Sohn Wernher (1912-1977) ist der bekannte Raketenkonstrukteur.

 



Sophie Pawelke

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