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Rostock Auf meinem Schoß
Mecklenburg Rostock Auf meinem Schoß
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00:30 14.10.2017

Letzten Sonntag musste ich zu einer Brit Mila. Es ist eines der wichtigsten Ereignisse im religiösen jüdischen Leben. Sie wird am achten Tag bei männlichen Neugeborenen durchgeführt. Am Morgen war ich noch vierhundert Kilometer entfernt, als ich erfuhr, dass die Züge wegen der Auswirkungen von „Xavier“ nicht fahren würden. Aber mit Hilfe von „oben“ bin ich dann noch pünktlich in Rostock eingetroffen. Ich war sehr nervös, weil zum ersten Mal in meinem Leben war ich gebeten worden, der sogenannte „Sandak“ zu sein, also derjenige, der das Baby während der Zeremonie auf dem Schoß hält.

Juri Rosov, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Rostock

Damit sind die Verpflichtungen des Sandaks noch nicht zu Ende. Er bleibt ein Leben lang so etwas wie der Taufpate im Christentum. Natürlich ist es für mich eine sehr große Ehre, aber eben auch Verantwortung. Der Mohel (derjenige, der die Beschneidung nach jüdischer Sitte vollzieht) stand bereit, das Baby schlief so süß auf meinem Schoß . . .

Vor einigen Jahren, während der „Beschneidungsdebatte“ in Deutschland war unsere Gemeinde einem ungewöhnlich aggressiven, beleidigenden Sturm von E-Mails ausgesetzt. Die Post enthielt nicht nur Beleidigungen wegen der Verstümmelung und Barbarei, sondern auch konkrete Aufforderungen, dass, wenn wir nicht anders könnten, so mögen wir doch besser aus Deutschland verschwinden. Eine junge Journalistin der Süddeutschen Zeitung, der ich die Mappe mit den ausgedruckten E-Mails damals zeigte, war erschüttert und geschockt. Wir saßen an dem Tisch, der voll war mit diesem Hass und der Häme gegen uns, und beide haben wir geweint. Nach ihrem Artikel habe ich einen langen Brief von einer Frau erhalten, die mir zu erklären versuchte, dass bei weitem nicht alle Deutschen so denken würden. Aber daran zweifelte ich auch nie.

Die Operation war vorbei. Unser jüngstes Gemeindemitglied schlief wieder ein. Alle Anwesenden sangen und wünschten ihm Masel Towt, ein glückliches Leben. In einem freien Land.

OZ

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