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Rostock Aufstand gegen Rostocks Zukunftsplan
Mecklenburg Rostock Aufstand gegen Rostocks Zukunftsplan
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05:45 10.09.2018
Kämpfen gegen die Planungen der Stadt: Die Anwohner des Korl-Witt-Weges wollen ihr Grün erhalten. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Sonntagabend lief die Frist ab: Bis kurz vor Mitternacht konnten die Rostocker noch ihre Ideen für die künftige Entwicklung der Hansestadt einbringen. Wo sollen neue Gewerbeflächen entstehen – und wo neue Wohngebiete? Insgesamt fünf Szenarien hatten die Stadtplaner zur Auswahl gestellt. Wie viele Hinweise insgesamt im Rathaus eingegangen sind, ist noch offen – aber eines ist bereits klar: Gegen alle Entwürfe gibt es massiven Widerstand. Vor allem von Rostocks Kleingärtnern. „Wir lehnen alle Szenarien ab – weil sie alle massiv Kleingärten in der Hansestadt vernichten“, so Christian Seifert, Vorsitzender des Verbandes der Gartenfreunde.

Verband wirbt für Ablehnung

In den vergangenen Tagen hatte der Dachverband der Kleingärtner in Rostock nochmal massiv Front gegen die Entwürfe für den „Zukunftsplan Zukunft“ gemacht – und seine Mitglieder aufgefordert, sich auch entsprechend bei der Stadtverwaltung zu positionieren. „Die Starkregen-Ereignisse im vergangenen Jahr und die Dürre in diesem Sommer haben uns gezeigt, dass der Klimawandel auch in Rostock angekommen ist.  Grund genug, noch einmal genau zu überlegen, wie Rostock entwickelt werden soll“, schreibt Seifert in einem Brief an die Kleingärtner. Auch Anwohner und Freunde der Kleingärten sind mit den Planungen der Stadt mehr als „nur“ unglücklich: Karin Garbe beispielsweise hat eine Initiative gestartet, die ebenfalls gegen die Planungen kämpft. Die Rostockerin wohnt mit ihrer Familien direkt neben den Kleingarten-Anlagen „Immendiek“ und „Jägerbäk“ in Marienehe. Geht es nach der Stadtplanung, dann könnten diese beiden Vereine und auch der benachbarte Verein „Schöne Aussicht“ schon in einigen Jahren verschwinden. Auf insgesamt 40 Hektar – das sind mehr als 50 Fußballfelder – sollen die Gärten einer möglichen Erweiterung des Fischereihafens weichen. In den Plänen der Stadt ist von „emmissions-intensivem Gewerbe“ die Rede. „Wenn das eines Tages so kommen sollte, ist es erst mal sehr schade um das Grün und die Gärten. Und dann machen wir uns natürlich Sorgen, was vor unseren Haustüren geschehen soll“, so Garbe. „Emmissions-intensiv“ –  das klinge nach viel Lärm, nach Gestank, möglicherweise auch nach Abgasen. „Und das wollen wir nicht.“ In allen Szenarien seien die Kleingärten vor Garbes „Haustür“ betroffen: „Es gibt seitens der Stadt keinerlei Alternativen zum Gewerbegebiet vor unserer Haustür. Dabei gäbe es noch andere Flächen – zum Beispiel in Schutow.“ Garbe und ihre Mitstreiter haben sogar Flugblätter im Wohngebiet und in den Kleingärten verteilt – um auf das drohende Problem hinzuweisen.

Noch mehr Kleingarten in Bedrängnis

Doch die drei Anlagen am Rande von Evershagen und Marienehe sind längst nicht die einzigen Kleingärten, für die das Rathaus andere Pläne hat: Der Verein am Toitenwinkler Weg könnte 450 neuen Wohnungen im Quartier weichen müssen. Auch rund um die Anlagen „Dahlie“ und „Weiße Rose“ in der Südstadt könnten die Bagger rollen. Die Stadtplanung könnte sich dort – am Südring und gegenüber der Mensa – 1100 neue Wohnungen und Platz für neue Forschungseinrichtungen vorstellen. Fast 25 Hektar im Hansaviertel – im Bereich der Kleingartenanlage am Groß Schwaßer Weg – sollen in einem Szenario für 1100 weitere Wohnungen geopfert werden. „Die Stadtplaner scheinen nicht aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Wir haben bereits Hunderte Parzellen aufgegeben, weil wir wissen, wie groß der Bedarf an Bauland ist, und weil auch wir unseren Beitrag zur Entwicklung Rostocks leisten wollen“, sagt Verbandschef Seifert. Was aber nun geplant sei – das sei geradezu ein Affront gegen mehr als 20 000 Kleingärtner.

Verband: Lieber neue Stadtteile am Stadtrand

Vor allem die möglichen Eingriffe in Marienehe sind dem Verband ein Dorn im Auge: „Die Stadt braucht Kleingärten – und wenn Rostock wächst, brauchen wir sogar mehr Parzellen und nicht weniger“, so Christian Seifert. Die Gärten hätten nicht nur eine soziale Komponente – als Erholungs- und Freizeitort für die Nutzer. „Sie sind auch wichtig für das Mikro-Klima in Rostock. Bei Regen brauchen wir unversiegelte Flächen. Und bei der Dürre hat es die Stadt beispielsweise nicht geschafft, ihr Grün zu retten – unsere Gärtner aber haben das hinbekommen.“ Statt bestehende Anlagen „platt zu machen“, spricht sich der Verband für die große Lösungen für Rostocks Flächenproblem aus: „Wir sind eher dafür, am Stadtrand neue Stadtteile zu schaffen – mit neuen Grünanlagen und neuen Kleingärten“, erklärt Seifert.

Andreas Meyer

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