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Aus Tanzpartnern wurde eine Ehepaar

Südstadt Aus Tanzpartnern wurde eine Ehepaar

Trauung am 21. Januar 1955: Emilie Elisabeth und Werner Bockholt feiern ihre diamantene Hochzeit.

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Emilie Elisabeth und Werner Bockholt feiern nächste Woche diamentene Hochzeit.

Quelle: Annemarie Gelse

Südstadt. Alpenveilchen, frostige Temperaturen und eine lustige Feiergesellschaft prägen die Erinnerung an den Hochzeitstag: Am 21. Januar 1955 haben Emilie Elisabeth Nemecz und Werner Bockholt in Stubbendorf geheiratet. „Es war bitterkalt. Ich hatte einen Strauß aus Alpenveilchen, denen es viel zu kalt war“, erinnert sich Emilie Elisabeth Bockholt, von allen Mila genannt, an den Tag vor 60 Jahren. „Das ganze Dorf hat mitgefeiert. Damals war es noch so üblich, dass alle zusammenkamen“, sagt Werner Bockholt. Der Brautvater habe ein Schwein geschlachtet.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einer Tanzveranstaltung. „Wir haben viel gelacht und Spaß gehabt“, erinnert sich Werner Bockholt. Im großen Saal tanzten die jungen Leute die ganze Nacht zur Musik einer Kapelle. Damit die Herzdame nicht allein nach Hause gehen musste, brachte er seine Tanzpartnerin erst nach Stubbendorf und ist danach nach Hause nach Dudendorf gegangen. „Was man nicht alles für die Liebe macht“, sagt Werner Bockholt lachend. Gemeinsame Verabredungen brachten die beiden näher. Am 6. Juni 1954 feierte das junge Liebespaar seine Verlobung in Dudendorf. „Das machten wir ganz klassisch, wie das eben so war“, erinnert sich Emilie Elisabeth Bockholt an den Sommer vor 61 Jahren.

Nachdem sich das Paar zur Hochzeit entschlossen hatte, konnte es zusammenziehen. „Zu unserer Zeit musste man verheiratet sein, um eine Wohnung zu bekommen“, so Werner Bockholt. „Nach der Hochzeit sind wir mit einer Wäschetruhe und den Hochzeitsgeschenken in die Faule Straße 14 in der Rostocker Altstadt gezogen“, erzählt der 80-Jährige. Ein Zimmer im hinteren Bereich des Hauses war das erste gemeinsame Reich des frisch vermählten Paares.

Das Haus von damals gebe es heute nicht mehr. Die damaligen Vermieter hat das Ehepaar als sehr sympathisch in Erinnerung behalten. „Nach sechs Wochen durften wir in das vordere Zimmer ziehen, weil sie angeblich in den Urlaub gefahren sind“, sagt Werner Bockholt. Es stellte sich heraus, dass die Vermieter in den Westen geflohen sind. „Manche hatten vermutet, dass wir etwas von dem Plan wussten, aber das war nicht so“, so Werner Bockholt. Das Paar bewohnte nun eine Zweizimmerwohnung mit Küche.

Bald nach der Hochzeit vergrößerte sich die Familie. Im Juni 1955 wurde Sohn Rüdiger geboren. Drei Jahre später, 1958, kam Evelin auf die Welt. Die Familie zog nach Lütten Klein. „Zu den schönsten Erinnerungen mit den Kindern zählt diese Wohnung. Es waren schöne große Zimmer und im Wohnzimmer hatten wir eine Essecke“, sagt Werner Bockholt. Emilie Elisabeth Bockholt arbeitete in einer Honigfabrik, später als Lagerarbeiterin in einem Großhandel für Geschirr.

„Über die Kontakte meines Mannes habe ich dann eine Stelle als Sachbearbeiterin im Seefahrtsamt der DDR bekommen. Dort habe ich bis zur Wende gearbeitet“, so die 79-Jährige. Ihr Ehemann ist gelernter Tischler und hat in verschiedenen Positionen gearbeitet: als Innendienstleiter bei der Kasernierten Volkspolizei (KVP) und anschließend als stellvertretender Leiter der Gesellschaft für Sport und Technik Rostock Land. Durch Krankheit konnte Werner Bockholt einige Zeit nicht arbeiten. „Bis zur Wende habe ich dann als Meister im Fachgeschäft für Baustoffversorgung am Warnowufer gearbeitet“, so Werner Bockholt. Die Zeit nach dem Mauerfall sei für das Ehepaar schwierig gewesen.

„Alle haben gearbeitet und ich musste zu Hause bleiben, weil ich überqualifiziert für die Berufe war, für die ich mich beworben hatte“, erinnert sich Werner Bockholt. „Wir waren das Arbeiten ja gewöhnt. Es war eine furchtbare Zeit“, sagt Emilie Elisabeth Bockholt. Gemeinsam bereisten sie die Niederlande, Frankreich, die Schweiz, Marokko, Finnland und Lettland. Mittlerweile seien sie etwas kürzer getreten. „Als Rentner lebt man auch ganz gut“, sagt Emilie Elisabeth Bockholt lächelnd. Die Pensionäre verbringen viel Zeit in ihrem Garten am Hellberg. „Im Gewächshaus wachsen Tomaten, Sellerie und Kartoffeln. Seitdem ich nicht mehr so gut laufen kann, unterstützen uns vor allem unsere Tochter und ihr Lebensgefährte sehr im Garten“, so Werner Bockholt. „Es ist unser zweites Zuhause“, sagt seine Frau. Vier Enkel und sechs Urenkel bereichern das Leben der Jubilare.

Zur diamantenen Hochzeit am 21. Januar kommt die Familie zusammen, um mit Werner und Emilie Elisabeth das Jubiläum zu feiern. Höhen, aber auch Tiefen gehörten zu einer langen Ehe ohne Frage dazu, sind sich die beiden einig. Die Eheleute wissen, was sie aneinander haben. „Wir waren immer füreinander da und haben Schwierigkeiten gemeistert“, sagt Emilie Elisabeth Bockholt. „Für eine Ehe ist es sehr wichtig, ehrlich zueinander zu sein. Wir sind täglich froh darüber, dass wir alles gemeinsam erleben können“, so Werner Bockholt. In ihrer Ehe sei das Zusammengehörigkeitsgefühl immer besonders gewesen. Für die Zukunft wünschen sich die Jubilare Gesundheit. „Wir wollen mit unseren Enkeln und Urenkeln ja noch etwas erleben“, sagt Werner Bockholt lachend.

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Für eine Ehe ist es sehr wichtig, ehrlich zueinander zu sein. Wir sind täglich froh darüber, dass wir alles gemeinsam erleben können.“ Werner Bockholt

 



Annemarie Gelse

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