Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Aus für das traditionelle Jurastudium in Rostock
Mecklenburg Rostock Aus für das traditionelle Jurastudium in Rostock
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.03.2013
Norman Order ist in den letzten Z�gen seines Jura-Studiums. Auch er wird wohl die Pr�fungen in Greifswald schreiben m�ssen. Fotos (3): Luisa Schr�der
Stadtmitte

Ende März läuft das Jurastudium an der Uni Rostock endgültig aus. Wer seine Prüfungen nicht in der Regelstudienzeit geschafft hat, muss diese womöglich schon in Greifswald schreiben. Glück hatten diejenigen, die sich im Januar zur Prüfung angemeldet haben — sie können das Examen noch in Rostock ablegen. Insgesamt sechs Prüfungen à fünf Stunden seien zu absolvieren, sagt Claudia Voß, die ihr Examen bereits in der Tasche hat. „Ich bin richtig froh darüber, nicht nach Greifswald zu müssen“, sagt die 27-Jährige.

Die Schließung des Jurastudiums hat die Landesregierung in Zusammenarbeit mit den Universitäten Greifswald und Rostock schon vor Jahren entschieden. Seit 2008 konnten sich keine Studenten mehr für das traditionelle Jurastudium einschreiben. Betroffen seien jetzt nur noch eine Handvoll Studenten, sagt Ulrich Vetter, Sprecher der Universität Rostock.

Trotzdem sind die verbliebenen Studenten verärgert, dass Jura nach Greifswald verschwindet. „Denn die juristische Fakultät ist mit eine der ältesten Europas“, sagt Norman Order. Es sei wirklich schade, allein schon aufgrund der historischen Gesichtspunkte, fügt er an. Auch die 30-jährige Natalie Plate ist enttäuscht. „Die Politik hat damals falsch entschieden“, findet sie. Weil sie ihr Staatsexamen nicht bestanden hat, wechselte sie in den seit 2010 angebotenen Bachelorstudiengang Good Governance — eine Mischung aus Recht, Wirtschaft und Gesellschaft. Ketzerisch wird der Abschluss — der des Wirtschaftsjuristen — gern als einer zweiter Klasse verunglimpft. „Oder auch als Jura-light bezeichnet“, sagt Plate. Denn es sei nichts Halbes und nichts Ganzes. Nur mit dem Staatsexamen kann man Anwalt oder Richter werden. Auch ist sie nicht sicher, ob die Unternehmen wüssten, was sich hinter dem Abschluss verberge. Trotzdem hofft Plate, eine Arbeit nach dem Studium zu finden.

Aus Studentenkreisen war zu hören, dass der Bachelor immer noch nicht ganz ausgereift sei. Viele wüssten nach dem Studium nichts damit anzufangen. „Doch lieber einen Abschluss haben als gar keinen“, dachte sich die Wahl-Rostockerin, die vor Jahren extra des Studiums wegen an die Küste gekommen war. „Wir machen das Beste draus“, sagt Vetter. Die Einführung des Bachelors war nur der Anfang. Seit geraumer Zeit ist dazu ein Master in Arbeit, welcher schnellstmöglich eingeführt werden soll. Studenten erzählen, dass die Einführung des Masters schon zweimal abgelehnt worden sei, weil das Konzept noch nicht überzeugt habe. „Ablehnung kann man das nicht nennen. Wir sind in einem Prozess“, äußert sich Vetter. Ist der Master dann endlich fertig, „verfügt Rostock mit dieser Kombination bundesweit über ein einzigartiges Angebot“, sagt Vetter.

Trotzdem denkt die jetzige Bachelor-Studentin Plate, dass die Verlegung des Jurastudiums nach Greifswald Probleme mit sich bringt. Wird es genügend Wohnungen geben? Da kann Vetter sie beruhigen.

„Denn die Studenten weichen nach Berlin, Potsdam, Leipzig oder Hamburg aus“, erklärt er . So dass sich gar nicht viele in Greifswald ansiedeln würden.

Good Governance
2010 ist der Bachelorstudiengang Good Governance an der Universität Rostock eingeführt worden. Bisher ist er einmalig in Deutschland. Der achtsemestrige Studiengang genieße hohes Ansehen und sei bis zur Kapazitätsgrenze nachgefragt, sagt Uni-Sprecher Ulrich Vetter.

Der Studiengang biete eine Mischung aus Wirtschaft, Recht und Gesellschaft. An einem Master werde gearbeitet, so Vetter.

Luisa Schröder

Anzeige