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Rostock Auszeit für Eltern mit krebskranken Kindern
Mecklenburg Rostock Auszeit für Eltern mit krebskranken Kindern
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06:00 13.10.2018
Die Einrichtung des Hauses nimmt langsam Gestalt an. Silke Strümper (v.l.), Christine Normann und Marika Wolff packen tatkräftig mit an. Quelle: Pauline Rabe
Barnstorfer Wald

 Denkt Professorin Gudrun Eggers an die vergangenen sechs Jahre zurück, fallen ihr viele Momente ein, in denen sie geschwitzt, gegrübelt und nachgedacht hat. Nicht genug Geld zusammenzubekommen – das war ihre größte Angst. „Was hätte ich dann all unseren Unterstützern gesagt?“, sagt die Vorsitzende des Vereins zur Förderung krebskranker Kinder. Doch alles ging gut. Das geplante Eltern-Kind-Haus im Dr. Lorenz-Weg 5 steht, mit insgesamt fünf Zimmern für betroffene Familien.

Die Geschichte des Hauses begann bereits vor zwölf Jahren mit der Anmietung einer Wohnung in der Schweriner Straße. Dort bot der Verein drei Zimmer mit Gemeinschaftsbad für Eltern mit Kindern an, die stationär in der Universitäts-Kinder- und Jugendklinik in Rostock behandelt worden sind. Doch die Wohnung war teuer und entsprach nicht wichtigen Anforderungen wie der Barrierefreiheit. „Wir brauchten etwas Eigenes, also planten wir den Bau eines Hauses“, erzählt Eggers. Der Weg dahin war nicht leicht, denn welche Kosten dabei entstehen würden war keinem der Vereinsmitglieder klar.

Unterstützung von allen Seiten

Allein in das Gebäude wurde 1 Million Euro investiert und das Gelände, auf dem es steht, glich vor wenigen Jahren noch dem Barnstorfer Wald. „Ohne die unzähligen Spenden wäre der Neubau nicht möglich gewesen.“ Was die Vorsitzende dabei am meisten rührt? Etwa 44 Prozent der Spenden liegen unter 50 Euro. „Ich bin zutiefst dankbar, dass so viele Menschen mit kleinen Summen so etwas Großes bewirken konnten.“ Viele Privatpersonen hätten einen Dauerauftrag von fünf Euro pro Monat angelegt. Aber auch die Stadt, Firmen und Unternehmen unterstützten das Vorhaben. Gewürdigt wurden die, die eine Zimmereinrichtung spendeten, in dieser selbst. Jeder Raum wird durch ein Gemälde geschmückt, das mit seinem Motiv auf den Geldgeber hinweist.

Der Verein zur Förderung krebskranker Kinder wurde bereits 1992 gegründet. Vorsitzende Prof. Dr. Gudrun Eggers war von Anfang an dabei. Quelle: Pauline Rabe

Gedacht ist das Haus für Eltern, deren Kinder an Krebs erkrankt sind. In nur zehn Minuten Fußweg können diese bei den kleinen Patienten in der Klinik sein. Das ist jedoch nicht der einzige Grund: „Wenn ein Kind schwer erkrankt, ist das für die gesamte Familie ein Schock. Mütter und Väter erhalten bei uns die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen“, sagt Eggers. Mit dem Barnstorfer Wald und dem Zoo habe das Haus die perfekte Lage dafür. 30 Euro soll eine Übernachtung in etwa kosten. „Wir werden aber niemanden ablehnen, der sich das nicht leisten kann.“ Denn welche Freuden haben Menschen noch, die sich zusätzlich zur Belastung durch die Krankheit noch mit finanziellen Nöten auseinandersetzen müssen?

Austausch unter Betroffenen

Die ersten Familien ziehen übernächste Woche in den Neubau ein. „Die meisten bleiben für die Dauer einer Chemotherapie, also drei bis fünf Tage.“ Wenn die Mütter oder Väter abends nach Hause kommen, können sie sich beim gemeinsamen Kochen mit anderen Betroffenen austauschen oder einfach gegenseitig Mut machen. „Eines der Zimmer ist behindertengerecht und bietet Platz für ein Kinderpflegebett“, erzählt Eggers weiter. Das gehe aus der Zusammenarbeit mit der ambulanten Palliativversorgung Mike Möwenherz hervor, deren Patienten das Eltern-Kind-Haus auch in Anspruch nehmen können.

Im vorderen Teil des Gebäudes befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum, der künftig der Mittelpunkt des umfangreichen Vereinslebens sein wird. Angeboten werden unter anderem kreative Nachmittage, Gesprächsrunden und Geschwisterbetreuungen. „Die Seele des Hauses bilden unsere drei Mitarbeiterinnen“, sagt Eggers. Vieles laufe aber auch über ehrenamtliches Engagement. Die aktivsten Mitglieder im Verein seien verwaiste Eltern. „Bei der Gestaltung des Außenbereiches haben wir ihnen als Dank einen Wunsch erfüllt.“ In einer ruhigen Ecke des 3400 Quadratmeter großen Geländes wird ein Findling aufgestellt – in Gedenken an ihre verstorbenen Kinder.

Spender für Außenbereich gesucht

6 Jahredauerten die Planungen und der Bau des Eltern-Kind-Hauses an. 1 Millionen Euro wurden allein in das Gebäude investiert. Mit dem Projekt möchte der Verein zur Förderung krebskranker Kinder das Leben von betroffenen Familien leichter und hoffnungsvoller machen.

5 Zimmer mit 13 Übernachtungsmöglichkeiten sind entstanden. Wer sich das Ergebnis anschauen möchte, kann zum Tag der offenen Tür am 10. November ab 11 Uhr im Dr. Lorenz-Weg 5 vorbeischauen.

3400 Quadratmeter misst das gesamte Gelände. Für den Außenbereich sind ein Spielplatz, ein Grillplatz und ein Findling in Gedenken an die verstorbenen Kinder geplant. Da dass Gießen von Beton teuer ist, sucht der Verein weiterhin nach Unterstützung.

Das Spendenkonto lautet:

OstseeSparkasse Rostock

IBAN: DE38 1305 0000 0445 0028 83

BIC: NOLADE21ROS

Pauline Rabe

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